Deutsche Märkte geschlossen

Goldman Sachs schließt Onlinebank für britische Neukunden

Wegen zu großer Nachfrage geschlossen: Die Onlinebank Marcus von Goldman Sachs nimmt in Großbritannien keine Neukunden mehr an. Das Geschäftsmodell stößt an seine Grenzen.

Die Onlinebank Marcus ist ein wesentlicher Pfeiler der Zukunftsstrategie von Goldman Sachs. Mit dem Privatkundengeschäft sammelt die Wall-Street-Bank seit einigen Jahren günstiges Kapital, um ihr Investmentbanking zu finanzieren.

In Großbritannien stößt das Geschäftsmodell nun an seine Grenzen. Ab Mittwoch nimmt die Onlinebank auf der Insel laut der Nachrichtenagentur Reuters keine Neukunden mehr an. Ein Grund: Das Sparkonto, das zuletzt einen Zins von 1,05 Prozent auf Einlagen von bis zu 250.000 Pfund bot, ist zu populär. Die Bank hat seit Februar 100.000 neue Kunden gewonnen, die Einlagen sind um acht Milliarden auf 21 Milliarden Pfund gestiegen.

Damit rückt Marcus gefährlich nah an eine regulatorische Obergrenze in Großbritannien heran. Ab 25 Milliarden Pfund müsste Goldman die Onlinebank als eigene Firma etablieren, mit eigenem Verwaltungsrat und eigenem Kapital. Der Prozess heißt „Ringfencing“ und soll die Einlagen der Sparer schützen. Das würde bedeuten, dass Goldman das Kapital nicht mehr für die Investmentbank nutzen könnte – also genau das, wofür Marcus überhaupt gegründet wurde.

„Unser Wachstum hat sich während des Lockdowns beschleunigt, weil die Leute sich mit Ausgaben zurückhalten und ihre Finanzen reorganisieren, um den besten Deal zu bekommen“, erklärte der Großbritannienchef von Marcus, Des McDaid, gegenüber Reuters. Wenn man nun Marcus von Goldman rechtlich abtrennen müsste, würde sich das Niedrigkosten-Geschäftsmodell „erheblich ändern“.

Dazu kommt, dass die Bank of England im März den Leitzins in zwei Schritten von 0,75 auf 0,1 Prozent gesenkt hat. Weitere Zinsschritte könnten folgen. Für Goldman bedeutet dies zusätzliche Kosten. 

Marcus war in Großbritannien vor zwei Jahren mit einer großen Marketingkampagne gestartet. Die Bank lockte die Briten zunächst mit einem Sparzins von 1,5 Prozent. Das Angebot lag am oberen Ende des Marktes, die Einlagen wuchsen dementsprechend schnell. 

Schon im vergangenen Jahr begann Marcus jedoch, den Zins langsam zu senken. Der Trend beschleunigte sich nach den Zinssenkungen der Bank of England im März.

Weiterhin offen steht britischen Neukunden ein Sparkonto mit einer festen Laufzeit von einem Jahr und einem festen Zinssatz von einem Prozent. In der Planung ist außerdem ein Wertpapierkonto für Sparer. Der Vorteil: Diese Einlagen würden bei der regulatorischen Grenze für das „Ringfencing“ nicht angerechnet.

In den USA ist Marcus weiterhin auf Wachstumskurs, dort gibt es keine entsprechenden Vorschriften. Ursprünglich war auch ein Start in Deutschland geplant, doch darum war es zuletzt ruhiger geworden.