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Gläubiger machen Weg frei für die Rettung von Condor

Nach einer Zitterpartie hat die Mehrheit der Gläubiger der Übernahme des Ferienfliegers Condor durch die polnische LOT zugestimmt. Doch ein Restrisiko bleibt.

Die Mehrheit der Gläubiger hat der Übernahme des Ferienfliegers Condor durch die polnische LOT zugestimmt. Foto: dpa

Drei Stunden dauerte das Treffen. Im Frankfurter Kolpinghaus-Hotel hatten sich die Gläubiger der Ferienfluglinie Condor am Donnerstag versammelt, um über den Insolvenzplan und damit über den Verkauf der Airline an die polnische LOT zu entscheiden. Gegen 13.30 Uhr stand dann fest: Die Gläubiger stimmen zu. Mit „überwältigender Mehrheit“, wie es ein Beteiligter formuliert. Damit hat Condor eine weitere Hürde auf dem Weg zur Rettung genommen – wenn auch noch nicht die letzte.

Läuft nun alles wie geplant, muss PGL/LOT einen „Investorenbeitrag“ von rund 232 Millionen Euro zahlen. Dies geht aus einer Condor-Präsentation für das Bundeswirtschaftsministerium vom 16. Februar hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Demnach beinhalte der „Investorenbeitrag“ den Kauf der Unternehmensanteile, eine Einlage in die Kapitalrücklage sowie eine Zahlung an die Gläubiger. Laut der Präsentation sind die 232 Millionen Euro ein Verhandlungserfolg: „Der zu leistende Investorenbeitrag liegt deutlich über dem indikativen Equity Value“, heißt es in der Unterlage mit Bezug auf den Unternehmenswert nach Abzug von Verbindlichkeiten wie Leasingverpflichtungen. Zusätzlich muss PGL weitere Verpflichtungen in dreistelliger Millionenhöhe übernehmen, etwa für bereits vorausbezahlte Flüge.

Zuletzt galt vor allem die Finanzierung des Deals als kritisch. Angesichts der unklaren Aussichten im Luftverkehr durch die Folgen der Corona-Pandemie sollen auf polnischer Seite die finanzierenden Banken Vorbehalte geäußert haben, konnten aber kurzfristig überzeugt werden, heißt es aus Verhandlungskreisen. Wegen der Coronakrise befürchten viele Airlines derzeit Einbrüche bei Umsatz sowie Gewinn und haben wegen schwacher Nachfrage bereits viele Flüge gestrichen. Condor hat bisher allerdings noch keine Verbindung aus dem Flugplan genommen, da der Ferienflieger nicht in die Epidemie-Risikogebiete fliegt – wie China, Südkorea, Iran oder Norditalien. „Alle Condor-Flugzeuge sind im Einsatz“, sagte eine Sprecherin. Condor fliege nach wie vor mit einer stabilen Auslastung von durchschnittlich 90 Prozent. Allerdings spüre man Zurückhaltung bei Kunden und biete deshalb gebührenfreie Umbuchungen für Neubuchungen an.

Als Risikofaktor gilt unterdessen weiter das Verhalten des Pensionssicherungsvereins (PSV). Nach Informationen der WirtschaftsWoche stimmte der PSV als einer der zentralen Gläubiger gegen den Insolvenzplan, wurde von der Mehrheit der Gläubiger aber überstimmt.

Nun könnte der PSV wiederum Beschwerde einlegen. „Gemäß geltenden Rechts ist es allen Gläubigern, wie in jedem anderen Verfahren auch, möglich, unter Einhaltung einer vorgegebenen Frist Rechtsmittel gegen das Abstimmungsergebnis einzulegen“, hatte eine Condor-Sprecherin unlängst erklärt. Eine rechtliche Klärung dürfte jedoch für erhebliche Verzögerungen sorgen. So wird der Investor LOT den Kaufpreis erst überweisen, wenn der Insolvenzplan Rechtskraft erlangt hat. Nach Aussage eines Insiders geht es dem PSV vor allem um Pensionsverpflichtungen von Condor, die nur teilweise vom Investor übernommen werden. Dabei spielt offenbar auch die Sorge des PSV eine Rolle, Firmen könnten sich über Schutzschirminsolvenzen ihrer Pensionsverpflichtungen entledigen. Aufgabe des PSV ist es, die betriebliche Altersversorgung im Insolvenzfall abzusichern.

Die Bedenken des PSV waren nach Informationen der WirtschaftsWoche bereits mehrfach Thema im Bundeswirtschaftsministerium. Der Bund und das Land Hessen hatten für öffentliche Darlehen von 380 Millionen Euro gebürgt, um Condor bis zu einem Verkauf über Wasser zu halten. Der Ferienflieger war durch die Pleite seiner Muttergesellschaft Thomas Cook in Schieflage geraten.