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Geschäfte mit der dunklen Seite der Macht

Reimer, Hauke
·Lesedauer: 2 Min.

Sich im Netz zu verbünden und per App Aktien zu traden macht Spaß. Der Fall Gamestop zeigt, welche Risiken das birgt – längst nicht nur für Hedgefonds.

Was für eine Geschichte! Hedgefonds wetten durch Verkauf geliehener Aktien gegen den Computerspielverkäufer Gamestop. Sie überreizen. Im Forum Wallstreetbets verbünden sich Private, halten dagegen. Millionen folgen ihnen, kaufen die Aktie. Deren Kurs vervielfacht sich, die Fonds müssen aufgeben, verlieren Milliarden. David schlägt Goliath, die Guten gewinnen gegen die dunkle Seite der Macht – dieses Narrativ wabert durchs Netz.

Was für ein Unsinn! Hedgefonds, auch wenn sie wie Geier vom Niedergang anderer profitieren, sind nicht die Bösen, sondern ein notwendiges Korrektiv. Weil sie short gehen, verkaufen, wenn der irrationale Überschwang der Masse die Kurse treibt. Und oft als Erste merken, wenn etwas faul ist. So wie bei Wirecard, wo sie viele Anleger vor noch größeren Schäden bewahrt haben.

Zu Recht aber regt sich die Crowd darüber auf, dass Anleger Gamestop bei Brokern nicht mehr handeln konnten. Zwar darf Börsenhandel, wenn er aus dem Ruder läuft, unterbrochen werden. Das aber ist Job der Aufsicht, nicht des Brokers. Gut also, dass sich Aufseher das Verhalten der Broker ansehen, zumal es auch hier Interessenskonflikte gibt: Neobroker Robinhood leitet Aufträge an den Hedgefonds Citadel weiter, der sie verrechnet und die Handelsspanne einstreicht. Nur deshalb kann Robinhood Handel fast gratis anbieten. Wer über die App handelt, dealt mit der zuvor verfluchten dunklen Seite. Wegen dieser Geschäfte abseits der Börsen verlieren offizielle Börsenkurse an Aussagekraft. Das schadet allen am Markt. Mit ordnungsgemäßem Handel hat das nichts zu tun – genauso wenig wie das Verhalten des Brokers Trade Republic, der Kauforders mangels Kapazitäten ablehnte.

Robinhood und Trade Republic werben mit Freiheit und Demokratie, wollen aber das Gleiche wie Hedgefonds und Kleintrader auch: Geld verdienen. Der Jubel über die neue Aktiendemokratie erinnert an die Hoffnungen aus der Frühzeit des Internets. Basisdemokratie, Teilhabe autonomer Nutzer, Transparenz und Meinungsfreiheit für alle sollte es bringen. Dass sich Lügner, Hetzer, Shitstürmer und Zensoren des Netzes bemächtigen konnten, Megakonzerne gewaltige Datenmengen absaugen und ganze Branchen plattmachen – das hatte niemand auf der Rechnung. Was aussieht wie Demokratisierung, kann nach hinten losgehen. App-Trader, die den Gamestop-Absturz von 480 auf zeitweise unter 80 Dollar mitgemacht haben, wissen das.

Mehr zum Thema: Der Gamestop-Rausch und seine Folgen