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Geplanter Umbau der Allianz-Großkunden-Sparte könnte 700 Jobs kosten

Der neue Chef der Allianz-Großkunden-Sparte will das verlustreiche Geschäft neu aufstellen. Rund 200 Millionen Euro sollen bis 2024 eingespart werden.

Dem geplanten Umbau der Allianz-Großkunden-Sparte AGCS sollen bis zu 700 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Der neue Chef der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), Joachim Müller, will das verlustreiche Geschäft neu aufstellen und operativ im nächsten Jahr wieder in die schwarzen Zahlen bringen.

Die Allianz schreibt bei der AGCS seit Längerem rote Zahlen. 2019 fuhr die Sparte einen operativen Verlust von 284 Millionen Euro ein. Die Beitragseinnahmen reichten bei Weitem nicht aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken.

So lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote mit 112,3 Prozent weit über der kritischen 100-Prozent-Marke und damit im roten Bereich. An diesem Punkt will Müller nun kräftig schrauben.

Durch die Stellenstreichungen unter den 4450 Mitarbeitern, schlankere Strukturen und effizientere Prozesse sollen bis zum Jahr 2024 rund 200 Millionen Euro eingespart werden. Allein die Zahl der Management-Positionen will der neue Chef um 20 Prozent abbauen.

Müller war Ende 2019 von der Allianz Deutschland zu AGCS geschickt worden, um das Sorgenkind auf Vordermann zu bringen. „Wir richten unser Geschäft strategisch und organisatorisch neu aus“, kündigte er nun an. „Wir erwarten ab 2021 eine deutliche Profitabilitätssteigerung unseres versicherungstechnischen Ergebnisses und streben den vollständigen Turnaround und die Transformation unseres Unternehmens bis 2024 an.“

Die „neue AGCS“ kümmert sich weiterhin um globale Großkunden der Allianz in der Sachversicherung mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz als auch um spezielle Luftfahrt-, Schiffs- und Veranstaltungs-Risiken.

Letztere werden ihr 2020 erneut die Bilanz verhageln, weil die meisten Konzerttourneen, Sportereignisse und Shows wegen der Corona-Pandemie abgesagt sind. Das wird AGCS früheren Angaben zufolge allein mehrere hundert Millionen Euro kosten.

Aus einigen Sparten, die ihr in der Vergangenheit Verluste einbrockten - so das Agrar-Geschäft in den USA - zieht sie sich zurück, in anderen will Müller mit verbesserter Technik, einem spezialisierten Vertriebsteam und neuen Managern erreichen, dass sich AGCS bei Verträgen weniger oft verkalkuliert als bisher.

„Wir haben die Exponierungen bereits erheblich reduziert und werden weiterhin Korrekturmaßnahmen vornehmen, wo dies erforderlich ist“. AGCS habe ein Beitragsvolumen von rund 500 Millionen Euro aufgegeben, sagte die Sprecherin.

Ein Teil davon soll durch Prämiensteigerungen in anderen Bereichen wettgemacht werden. Insgesamt kommt AGCS auf 9,1 Milliarden Euro Beiträge im Jahr.

Globale Prämien dürften um 360 Milliarden Euro sinken

Die Allianz SE hat zudem am Mittwoch eine Branchen-Studie veröffentlicht, mit schlechten Ausblicken: Der plötzliche Stopp der Wirtschaft infolge der Coronakrise wird die Nachfrage nach Versicherungen in diesem Jahr stark dämpfen.

Das globale Prämienaufkommen dürfte demnach 2020 um 3,8% zurückgehen, wobei die Verluste im Leben- stärker als im Sachgeschäft sein sollten. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie dürften damit dreimal so kräftig ausfallen wie die der Finanzkrise vor zehn Jahren, als die globalen Prämien um 1% sanken“, heißt es im Allianz Global Insurance Report 2020.

Verglichen mit dem erwarteten Trend vor Corona bedeute dies ein Verlust an Prämien von rund 360 Milliarden Euro. Davon entfallen 250 Milliarden Euro auf Lebens- und 110 Milliarden Euro auf Sachversicherungen.