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Gemüsekonzern Bonduelle digitalisiert die Salatproduktion

Terpitz, Katrin
·Lesedauer: 5 Min.

Die Pandemie verleiht dem Konserven-Geschäft kurzfristig einen Schub. Mit digitalen Innovationen treibt Bonduelle derzeit aber einen anderen Bereich voran.

Keine 90 Sekunden dauert es, dann hat der gläserne Salatroboter „Cabaletta“ einen frischen Caesar-Salat gemischt. Aus 18 Zutaten von Mais über Quinoa bis zu Tomaten können Kunden rund 1000 Salatvariationen auswählen und vor ihren Augen zubereiten lassen. Die Schale ist kompostierbar, bezahlt wird kontaktlos per App oder am Automaten.

Das kalifornische Start-up Chowbotics hat die innovative Technik für das Gerät entwickelt. Nach Erfolgen in der Heimat Frankreich testet der Gemüsekonzern Bonduelle den Cabaletta jetzt auch in Deutschland – an Standorten, an denen mindestens 800 Menschen am Tag vorbeikommen, wie in Kantinen, Supermärkten oder Tankstellen von Total.

„Der Trend zu Hygiene, gesunder Ernährung und Convenience spielt uns in die Hände. Die Pandemie gibt zusätzlichen Schub“, sagt Aymeric De La Fouchardière, Chef von Bonduelle für den deutschsprachigen Raum.

Der französische Lebensmittelkonzern, 1853 gegründet und börsennotiert, will mit seinen 14.600 Mitarbeitern und 2800 Vertragslandwirten digitaler werden. In einer traditionellen Branche wie Gemüseanbau und -verarbeitung halten digitale Innovationen Einzug. Neben Drohnen und Satellitenüberwachung der Felder und Pilotprojekten mit digital gesteuerter Hydroponik beim Salatanbau soll der Salatroboter verändertenmodernen Kundenwünschen entgegenkommen.

Den Salatautomaten Cabaletta testet das größte deutsche Catering-Unternehmen Eurest mit 153.000 Gästen pro Tag bereits: „So können Schichtarbeiter 24 Stunden am Tag mit Salaten und Bowls nach individuellen Wünschen versorgt werden“, sagt Udo Lindstadt, Gebietsleiter Eurest.

Bonduelle kooperiert auch mit dem Start-up Too good to go, um Abfall zu vermeiden. Um 17 Uhr meldet der Automat der App, wie viele Salatportionen noch übrig sind. „Die werden dann zwischen 17.30 und 21 Uhr rabattiert verkauft, damit möglichst nichts weggeworfen werden muss“, sagt De La Fouchardière.

Wer in Deutschland den Namen Bonduelle hört, denkt an das „famose Zartgemüse aus der Dose“, wie es in der Fernsehwerbung jahrzehntelang besungen wurde. Gemüsekonserven haben ein eher altbackenes Image und konnten vom Veggie-Boom nicht so recht profitieren. „Der Markt für Obst- und Gemüsekonserven ist schon länger stagnierend oder rückläufig“, sagt Branchenkenner Werner Motyka von der Beratung Munich Strategy.

„Low interest, low price, low margin“, fasst er die Probleme der Branche zusammen. Das Interesse von Kunden und Handel an Obst- und Gemüsekonserven sei so gering wie die Margen.

Doch im ersten Corona-Lockdown erlebten Gemüsekonserven eine ungeahnte Renaissance. „In der Pandemie haben wir eine Million neue Kunden dazugewonnen. Durch die Hamsterkäufe haben die Verbraucher Konserven neu für sich entdeckt“, sagt De La Fouchardière.

Durch die Corona-Sonderkonjunktur stieg Bonduelles Umsatz mit Konserven um mehr als neun Prozent und mit Tiefkühlgemüse um vier Prozent im Geschäftsjahr bis Ende Juni. Insgesamt konnte Bonduelle seinen Umsatz um 2,8 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro steigern. 55 Prozent des Umsatzes wird außerhalb Europas gemacht. Die operative Marge sank von 4,5 auf 3,8 Prozent.

Aktie von Bonduelle stabil

Die Aktie, die um 20 Euro notiert, hat vom Corona-Boom nicht profitieren können. Das Unternehmen wird in siebter Generation von Christophe Bonduelle geleitet. In Deutschland gibt es Werke in Straelen und Reutlingen.

Während in der Pandemie Konserven und Tiefkühlgemüse zulegten, ging das Geschäft mit Frischeprodukten wie Salat, der etwa eine Milliarde Euro umsetzt, um vier Prozent zurück. Zwar wurde mehr Salat im Frischebeutel im Einzelhandel verkauft, auch als Handelsmarke bei Discountern wie Aldi.

Das Geschäft mit der Gastronomie brach jedoch ein. Viele Firmenkunden, zu denen McDonald’s, Burger King oder L’Osteria zählen, nahmen im Lockdown weniger Frischesalat ab. Branchenexperte Motyka erwartet nicht, dass der Run auf Dosen nach der Coronakrise anhält. Die Konserven-Sparte von Bonduelle habe sich seit Jahren um Innovation und Impulse für das Segment bemüht, allerdings mit wenig Erfolg.

Die Gemüsebranche leidet zudem unter dem Klimawandel. „Unwetter verursachen Ernteschäden, es wird mehr Bewässerung benötigt“, sagt Motyka. Von den Wetterkapriolen will sich Bonduelle beim Salat unabhängiger machen. Als einer der ersten in Deutschland hat der Konzern ein Pilotprojekt für digital gesteuerten Salatanbau in einer Hydroponik-Anlage gestartet.

In Straelen wird Kopfsalat unter LED-Licht per Schlauch ernährt, das spart 70 Prozent Wasser. „Der Salat ist weniger gestresst, es gibt weniger Abfall als auf dem Feld“, sagt der Bonduelle-Manager. „Und wir sparen uns den weiten Transportweg aus Spanien oder Italien. Damit wollen wir unseren CO2-Fußabdruck verkleinern.“ Allerdings erfordert der erste Hektar Hydroponik-Anlage eine Investition von etwa zwei Millionen Euro.

Verkauft wird der Salat aus Hydrokultur für 1,99 Euro als „Hofsalat“ bei Edeka und Rewe. „Wir kommen mit den Lieferungen des nachhaltig angebauten Salats kaum nach“, sagt De La Fouchardière. Weitere Salatsorten sollen folgen.

Ohnehin setzt Bonduelle immer mehr auf Smart-Farming bei seinen Vertragsbauern. Drohnen, Satellitenbilder und intelligente Sensoren liefern exakte Daten in Echtzeit. So lässt sich genau erkennen, was die Pflanzen für ihre Entwicklung benötigen. Landwirte können schnell gegensteuern, wenn etwas nicht optimal läuft, und so Ernteausfälle reduzieren.

Bonduelles Partner nutzen mechanische Unkrautbekämpfungsmittel statt Herbizide. Überwacht durch eine Kamera kratzt die Maschine die Bodenoberfläche auf und entfernt das Unkraut zentimetergenau, ohne die Pflanzenreihen zu beschädigen. Diese Technik ist umweltfreundlicher und fördert die Biodiversität. „Digitalisierung hilft uns entscheidend dabei, nachhaltiger zu werden“, sagt De La Fouchardière.