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Gediegenes Bugatti-Gepäck zum Preis eines Neuwagens: Womit VWs exklusivstes Luxuslabel jetzt auch Geld scheffeln will

Henning Krogh
·Lesedauer: 4 Min.
Schedoni-Tasche vor Bugatti Chiron. Foto: Bugatti
Schedoni-Tasche vor Bugatti Chiron. Foto: Bugatti

Bugatti-Kundschaft kommt finanziell meist zurecht. Wer bei der High-End-Marke des VW-Konzerns einen Hypersportwagen des Typs Chiron bestellt, dem werden schnell drei Millionen Euro und mehr berechnet. Dafür erhält der Besitzer allerdings auch einen exklusiven Zweipersonenkraftwagen mit 1.500 PS, der in der Spitze deutlich über 400 km/h schnell zu rennen vermag. So ein Bugatti, kein Zweifel, stellt ein Automobil der Extreme dar.

Ein Raumwunder hingegen ist der Chiron nicht. Ein W-förmiger Motor mit sechszehn Zylindern und acht Litern Hubraum – Schiffsbauingenieure und Unterdeckmaschinisten können ein Seemannslied davon singen – braucht nun mal enorm viel Platz. Da bleibt dann neben all den zusätzlichen Hochleistungsaggregaten nicht mehr viel Stauraum für sperriges Transportgut.

Nun kauft diesen Bugatti zwar niemand in erster Linie als Umzugs- oder Stadtlieferwagen. Ein wenig Gepäck möchten die Insassen der nur rund 1,20 Meter hohen Flunder gelegentlich aber eben doch mitführen.

Und just da gehen oft die Probleme los. Der Kofferraum des Chiron ist vergleichsweise eng und zerklüftet. Für ihren Fußraum pochen Sozia oder Sozius wie weiland der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf die „notwendige Beinfreiheit“ – nein, dort kommt bitte keine große Reisetasche hin.

Was also tun? Wohin – knitterfrei – mit kleinem Schwarzen, Galarobe, Smoking oder Frack? Was tun mit den sperrig-spitzen High Heels und bauchig-prallgefüllten Kulturbeuteln?

VWs Luxuslabel hat jetzt offenbar die Lösung parat. Denn mit dem neuen Taschenset „Bugatti by Schedoni“ sind die Gepäckraumprobleme im Chiron endlich Geschichte. Eine markentypisch überaus spezielle Geschichte obendrein.

„Die Fertigung des dreiteiligen ‚Bugatti by Schedoni’-Luggage Set nimmt 110 Stunden in Anspruch“, heißt es etwa in einer aktuellen Mitteilung aus Molsheim, wo die PS-starken Allrad-Boliden entstehen. Die vollständige Garnitur bestehe aus über 150 einzelnen Lederteilen – allein rund rund 150 für das Außenmaterial sowie 50 für die Innenfütterung.

Bugattis Premiumpartner Schedoni, 1880 gegründet, war lange für Maßschuhwerk bekannt. Inzwischen hat sich das im italienischen Modena ansässige Unternehmen auf außergewöhnliche Accessoires für Autos spezialisiert.

Nochmals bedeutsamer ist, was Bugatti allzu gestressten Sportwagen-Stauern verspricht: „Der luxuriöse Weekender passt perfekt in den Kofferraum des Chiron, während die beiden Kleidersäcke aus Softleder optimal hinter den Vordersitzen verstaut werden können.“

So kommt es, dass die Gepäckstücke so edel geraten sind wie eigenwillig geformt: Jeden Kubikzentimeter Luft in der Karosserie haben die Taschen-Tüftler in gewagte Kurven und wundersame Wölbungen des Schedoni-Sets übersetzt. Ihre desperate Suche nach Deponieraum umschreibt Bugatti prosaisch so. „Italienische Handwerkskünstler und Lederexperten verarbeiten die edlen Materialien zu einem individuellen Set, das millimetergenau auf die Maße des Bugatti Chiron zugeschnitten ist.“

Und: „Die Bugatti-Taschen werden mit größter Sorgfalt aus demselben Leder gefertigt, das im Bugatti Atelier in Molsheim auch für die Innenausstattung des Chiron für den jeweiligen Kunden verwendet wird – sowohl das Interieur des Hypersportwagens als auch das Taschenset bestehen also aus demselben hochwertigen Leder.“

All das hat natürlich seinen Preis. Und Bugatti ist kein schnödes Discount-Label. Daher möchten sich Leserinnen und Leser, die noch nicht bei VWs mondänster Marke bestellt haben, jetzt vielleicht doch besser kurz setzen.

Denn schon Schedonis Einstiegs-„Wäschebeutel“, schlicht benannt mit „Garment Bag“ (deutsch: Kleidersack, Anm. d. Red.), kostet 11.000 Euro. Ohne Mehrwertsteuer, wohlverstanden. Zum Vergleich: Der viertürige Dacia Sandero ist als Neuwagen in der Topversion Comfort bereits für 10.190 Euro zu haben. Okay, fairerweise sei angemerkt: ohne Überführung vom Werk zum Händler.

Eine „Woman Small Bag“ (kleine Damentasche; Anm. d. Red.) führt Bugatti mit 11.500 Euro in der Liste, für die große „Woman Large Bag“ sind 14.500 Euro fällig. Für letztere Summe gibt es bei Ford einen fabrikfrischen Fiesta.

Foto: Bugatti
Foto: Bugatti

Für das Spitzen-Set im Chiron schneidert Schedoni einen Weekender (geräumig-längliche Reisetasche; Anm. d. Red.) und gleich zwei Garment Bags, die Bugatti im Verkauf zu einem Paket verschnürt. Wer nun auf einen äußerst attraktiven Preisvorteil hofft, dürfte trocken schlucken: Keinen Cent weniger denn 25.000 Euro verlangt der Hersteller für diesen Dreiteiler. Mit den fälligen 4.750 Euro Mehrwertsteuer kommen deutsche Kunden also insgesamt auf nahezu 30.000 Euro. Zur Erinnerung: für drei Gepäckstücke.

Nun, für etwas weniger findet sich im VW-Konfigurator das flotte T-Roc-Cabriolet. Für etwas mehr der ID.3, ein reiner Stromer. Beide Neuwagen inklusive Mehrwertsteuer. Und beim E-VW streicht der Käufer ja derzeit noch die staatliche Förderprämie ein. Die beträgt immerhin 9.000 Euro. Dafür gibt es bei Bugatti noch keine der teuren Transporttüten. Aber im Baumarkt manch schmucken Carport für den Volkswagen.

„Wir haben aktuell einige extrem spannende und attraktive Partnerschaften in der Pipeline, mit denen sich Bugatti völlig neuartig im Luxussektor aufstellen wird“, kündigt Wiebke Ståhl an, als Geschäftsführerin von Bugatti International zuständig für Brand-Management und Lizenzvergabe der Molsheimer Manfaktur. Sie sind also womöglich nicht mehr fern für den Chiron – Bugattis gediegene Garagen.