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So wenig Geld investieren die neuen Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof Beetz und Baker in die Handelskette

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus, Bernd Beetz, CEO Galeria Olivier Van den Bossche, und Pressesprecher Stefan Hartwig (l-r) stehen bei der Pressekonferenz von Galeria Kaufhof über das Ergebnis des Bieterprozesses für Galeria Karstadt Kaufhof. - Copyright: dpa
Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus, Bernd Beetz, CEO Galeria Olivier Van den Bossche, und Pressesprecher Stefan Hartwig (l-r) stehen bei der Pressekonferenz von Galeria Kaufhof über das Ergebnis des Bieterprozesses für Galeria Karstadt Kaufhof. - Copyright: dpa

Vergangene Woche war die Aufregung groß, als die neuen Investoren von Galeria Karstadt Kaufhof in der Essener Zentrale der Warenhauskette präsentiert wurden. Fernsehen, Radio und Zeitungen aus ganz Deutschland und Österreich waren da. Ein strahlender Bernd Beetz verkündete, dass er an die Zukunft des Warenhauses glaube und sich in die Arbeit stürzen wolle. Der ehemalige Aufsichtsratschef von Galeria Kaufhof hat zusammen mit Milliardär Richard Baker GKK übernommen – und bekam Vorschusslorbeeren.

Über den Kaufpreis ist bislang nichts bekannt, wohl aber über etwas anderes: Unsere Recherchen zeigen nämlich, dass Beetz selbst weniger als zehn Millionen Euro in die Warenhauskette investiert. Sein Co-Investor Richard Baker soll einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren, allerdings nicht aus seinem eigenen Portemonnaie, sondern über Banken. Baker war bereits über mehrere Jahre Eigner von Galeria Kaufhof und investierte schon damals kein eigenes Geld, sondern organisierte Finanzierung über Banken, was möglicherweise aber unter dem Strich auch billiger war für ihn. Insider berichten, dass er die Kredite und Zinsen über erhöhte Mieten getilgt hat, die Kaufhof damals zahlen musste. Die Immobilien, in denen die Kaufhofgeschäfte waren, gehörten damals nämlich Baker.

Baker und Beetz investieren ein Viertel von dem, was Benko vergangenes Jahr zugesagt hat

Zum Vergleich: Im Zuge der zweiten Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof sagte der vormalige Eigner René Benko 200 Millionen Euro Investitionen zu in die Erneuerung des Kaufhauses, Marketingkampagnen, Sanierung der Filialen und den Ausbau des Digitalgeschäfts und vieler weiterer Baustellen bei GKK. Die neuen Eigner übernehmen statt vormals 92 nur mehr als 70 Filialen, investieren aber gerade einmal ein Viertel der Summe, die Benko zugesagt hatte.

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Filialen, die derzeit womöglich nicht übernommen werden sollen, befinden sich vor allem in Signa-Immobilien, bei denen die Miete und der Umsatz nicht in guter Relation zueinander stehen. Die Baustellen bei Galeria Kaufhof sind ansonsten die gleichen wie vor einem Jahr, berichten zahlreiche Manager übereinstimmend, dementsprechend hoch sei eigentlich auch der Investitionsbedarf. Die Unternehmens- aber auch Arbeitnehmerseite zeigen sich angesichts der Investitionssumme darum enttäuscht - und gleichzeitig erleichtert, dass die beiden mindestens 70 Filialen fortführen wollen.

Wir haben Bernd Beetz und Richard Baker Fragen zu den Sachverhalten zugeschickt. Aus Bakers Umfeld heißt es, dass man sich wegen der Schweigeverpflichtungen im Zuge der Insolvenz nicht zu den Zahlen äußern könne. Beetz ließ den Fragenkatalog unbeantwortet.

Investitionssume war für Denkhaus zweitrangig, Filialen waren ausschlaggebend

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus verdeutlichte vergangene Woche bei der Präsentation der neuen Investoren, dass für ihn das ausschlaggebende Kriterium für den Zuschlag an Beetz und Baker deren Zusicherung war, mindestens 70 Filialen zu übernehmen. Für den Insolvenzverwalter waren nach unseren Informationen die Investitionssummen, die Beetz und Baker zahlen wollen, zweitrangig.

Immerhin: Die neuen Investoren finden ein Unternehmen mit prall gefüllter Kasse vor. Die Liquidität von GKK soll nach unseren Informationen aktuell bei rund 400 Millionen Euro liegen. Ende Dezember, kurz vor Anmeldung der Insolvenz, lag die Liquidität noch bei rund 200 Millionen Euro, zeigen interne Dokumente, die uns vorliegen. Für die pralle Kasse gibt es aktuell vor allem zwei Gründe: Die Warenhauskette behält während des Insolvenzverfahrens die Umsatzsteuer ein, die sie sonst abführen müsste. Außerdem zahlt die Agentur für Arbeit die Gehälter der Mitarbeiter. Dadurch baute sich Galeria Karstadt Kaufhof ein ordentliches Polster auf. Schulden hatte das Unternehmen zum Zeitpunkt der Insolvenz kaum welche.

Für das Warenhaus hatte die Insolvenz in der Hinsicht jedoch einen Erholungseffekt. Für die Gläubiger kommt allerdings eine eher bittere Pille: Mehrere Insider berichten übereinstimmend, dass sie lediglich mit drei Prozent Quote bekommen auf ihre ursprüngliche Forderung. Üblich sind bei derartigen Verfahren in Deutschland rund fünf Prozent. Wir haben den Insolvenzverwalter mit den Sachverhalten konfrontiert, seine Antwort: „Kein Kommentar“.

Dieser Artikel erschien am 18. April 2024 und wurde aktualisiert.