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Die Freihandelszone zwischen der EU und Japan ist eine Erfolgsgeschichte

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Europa und die ostasiatische Exportnation wollten ein Vorbild für moderne Freihandelsabkommen setzen. Bisher geht die Rechnung wirtschaftlich und politisch auf.

Die EU-Exporte nach Japan sind 2019 in den ersten zehn Monaten des Freihandelsabkommens im Jahresvergleich um 6,6 Prozent gewachsen. Foto: dpa
Die EU-Exporte nach Japan sind 2019 in den ersten zehn Monaten des Freihandelsabkommens im Jahresvergleich um 6,6 Prozent gewachsen. Foto: dpa

Während Asien künftig eine regionale Handelszone auf Basis des RCEP-Abkommens bildet, demonstriert ein anderes wichtiges Freihandelsabkommen bereits wirtschaftlich und politisch seinen Wert: das wirtschaftliche Partnerschaftsabkommen (EPA) zwischen der Europäischen Union (EU) und Japan, das 40 Prozent des Welthandels abdeckt.

Beide Seiten wollten mit dem EPA global ein Vorbild für moderne Handelsbünde definieren. Seit dem Start am 1. Februar 2019 wurden nicht nur die meisten Zollbarrieren geschliffen und nicht-tarifäre Handelshindernisse wie unterschiedliche Standards abgebaut. Auch geografische Herkunftsangaben sowie soziale Standards wurden abgesichert.

„Noch wichtiger als die wirtschaftlichen Gewinne aus dem EPA ist seine strategische Bedeutung“, ergänzt Friedolin Strack, Leiter der Abteilung Internationale Märkte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Während die internationale Handelsordnung in eher schlechter Verfassung ist, haben zwei Demokratien der Welt gezeigt, dass noch Leben im Freihandel steckt.“

Strack lobt dabei die EU. Sie habe deutlich machen können, „dass sie beweglich und handelspolitisch gut aufgestellt ist“ Das gilt allerdings auch für Japan: Die ostasiatische Exportnation versucht gezielt, den Multilateralismus durch Handelsbünde zu stärken und dadurch Handelskriege und Protektionismus zu verhindern. So hat die Regierung nicht nur RCEP gefördert, sondern das transpazifische Partnerschaftsabkommen nach dem Austritt der USA mit einer diplomatischen Offensive gerettet.

Doch auch wirtschaftlich kommt die EPA bisher gut an. Industrievertreter melden zwar Verbesserungsbedarf bei den zu hohen bürokratischen Hürden, dem Zugang zu Japans Eisenbahnsektor und japanischen Standards an. Marcus Schürmann, der Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Japan, meint jedoch: „Die große Botschaft ist sicherlich positiv.“

Björn Kongstad vom Rat der europäischen Wirtschaft (EBC) in Tokio erklärt sogar: „Die europäische Wirtschaft ist sehr glücklich mit der EPA.“ Das Abkommen habe den Marktzugang europäischer Firmen massiv erhöht. Der wachsende Handel unterstreicht dabei die guten Noten.

Nicht alle Industriezweige profitieren

Die EU-Exporte nach Japan sind 2019 in den ersten zehn Monaten des EPA im Jahresvergleich um 6,6 Prozent gewachsen, immerhin mehr als zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Importe aus Japan um 6,3 Prozent.

Allerdings profitieren nicht alle Industriezweige direkt von Zollsenkungen. Denn bei Produkten von zwei wichtigen deutschen Exporteuren, den Auto- und Maschinenbauern, verlangte Japan schon vor der EPA keine oder nur sehr geringe Einfuhrzölle.

Die größte Zufriedenheit sei daher im Lebensmittelbereich zu spüren, weil dort die Einfuhrzölle zum Teil unmittelbar drastisch reduziert wurden, berichtet Kammerchef Schürmann. Beispielsweise führten die deutschen Winzer 2019 17 Prozent mehr Wein nach Japan aus als ein Jahr zuvor.

Aber Kongstad vom EBC meint, dass auch andere Produkte wettbewerbsfähiger werden. „Wir sehen auch einen besseren Zugang für medizinische Produkte wie auch für Kraftfahrzeuge, da weniger einzigartige Tests für den japanischen Markt durchgeführt werden müssen.“