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Fraport stellt trotz Dauerstreit mit Lufthansa Rekorde auf

Der Flughafenbetreiber wächst in Frankfurt weiter kräftig. Selbst der Knatsch mit dem Hauptkunden Lufthansa kann die Bilanz nicht trüben.


Sollte Stefan Schulte beim Blick auf die aktuellen Zahlen eine gewisse Genugtuung verspürt haben, so lässt er sich das nicht anmerken. Dabei hätte er guten Grund dazu. Kann der Chef des Flughafenbetreibers Fraport doch für den Heimatflughafen Frankfurt gute Zahlen präsentieren – obwohl der beim Hauptkunden Lufthansa in Ungnade gefallen ist.

Knapp 53 Millionen Fluggäste wurden am größten deutschen Drehkreuz in den ersten neun Monaten abgefertigt. Das ist nicht nur ein neuer Rekordwert, es ist mit einem Plus von 8,4 Prozent auch deutlich mehr als das durchschnittliche Wachstum an den deutschen Flughäfen. Das lag laut Flughafenverband ADV zwischen Januar und September bei 2,7 Prozent.

Doch Schulte kommentiert den Erfolg in der für ihn so typisch sachlichen Art. „Wir sind in Summe in den ersten neun Monaten sehr gut unterwegs“, sagte der Flughafen-Manager am Vormittag in der Unternehmenszentrale und fügte hinzu: „Es ist ein Wachstum, das zum Teil getragen ist von unserem Hauptkunden Lufthansa.“

Ein etwas überraschendes Lob, denn die seit mehreren Jahren laufende Auseinandersetzung zwischen Fraport und Lufthansa ist längst schon eine emotionale. Lufthansa-Chef Carsten Spohr lässt kaum eine Gelegenheit aus, den Frankfurter Flughafen zu kritisieren. Und er handelt.

Lufthansa hat zum Start des gerade abgeschlossenen Sommerflugplans Ende März dieses Jahres fünf A380 nach München verlagert. Zudem prüft das Management, 2020 weitere Doppeldecker in München zu stationieren. Auch Teile der A340-600-Flotte sollen umziehen. München habe bei den künftigen Wachstumsplänen Vorrang vor Frankfurt, erklärte Spohr erst vor wenigen Tagen.


Der Lufthansa-Chef begründet das mit der ungenügenden Qualität in Frankfurt, deren Ursache er unter anderem in der Überlastung der Infrastruktur dort sieht. Auch die hohen Kosten kritisiert er seit langem. „Wir hatten in Frankfurt wie überall in Europa diverse operative Herausforderungen“, räumt Schulte ein: „Wir haben es halbwegs vernünftig geschafft, die Situation zu stabilisieren. Mit dem Niveau sind wir definitiv noch nicht zufrieden.“

Frankfurt sei aber etwa bei der Pünktlichkeit keineswegs Schlusslicht in Deutschland, wie immer mal wieder behauptet werde. Laut Schulte entfiel rund die Hälfte des Wachstums in den ersten neun Monaten auf die Lufthansa. Daran sehe man, dass der Großkunde den Marktanteil in Frankfurt verteidige. „Dass eine Airline weniger Geld bezahlen will, ist legitim, auch dass man eine bessere Qualität will. Aber wir sind hier in guten Gesprächen. Wir werden auch weiter an der Qualität arbeiten“, so Schulte.

Das ist offensichtlich aber nicht immer so ganz einfach. So zeigte sich Schulte mit dem Tempo der Modernisierung der Sicherheitskontrollen – sie sind eine hoheitliche Aufgabe des Bundes – unzufrieden. Vor allem die schleppende Beauftragung eines Gutachtens ist ihm ein Dorn im Auge: „Das ist schon sehr frustrierend, muss ich sagen.“

Hinter der emotionalen Diskussion mit Lufthansa stehen grundsätzliche Differenzen über das Verständnis der Systempartnerschaft auf beiden Seiten. In München fühlt sich die Lufthansa gut betreut, auch weil sich das Airport-Management hauptsächlich um den Flughafen kümmert.

In Frankfurt steuern Schulte und sein Team eine Gruppe mit zahlreichen Beteiligungen im Ausland. Frankfurt ist zwar die Heimatbasis von Fraport, aber eben auch nur ein Flughafen von mehreren. „Die richtige Musik spielt mittlerweile im Ausland“, sagte Finanzchef Matthias Zieschang mit Blick auf Umsatz und Ergebnis.

Dass Fraport in Frankfurt so deutlich zulegen konnte, liegt unter anderem am Wachstum der Billigairlines. Schulte hatte vor einiger Zeit mit Ryanair den größten europäischen Anbieter in diesem Markt nach Frankfurt geholt, zum Ärger von Lufthansa. Spohr überlegt nun, Langstrecken-Jets von Eurowings am größten deutschen Drehkreuz zu stationieren. Die neuen Airlines bringen Fraport neue Passagiere. Das zeigt sich im Quartalsbericht von Fraport – allerdings nicht überall positiv.

Zwar konnte der Flughafenbetreiber aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens seine Einnahmen im Kerngeschäft Aviation steigern. Der Umsatz in diesem Segment stieg von Januar bis Ende September um 5,9 Prozent auf 763,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 15 Prozent auf 231,5 Millionen Euro zu.

Gleichzeitig sank das Ergebnis (Ebitda) in der Sparte Ground Handling, also etwa dem Be- und Entladen der Jets, aber um 13,9 Prozent auf 32,8 Millionen Euro. Zwar hatte der Umsatz hier um 5,4 Prozent auf 508,8 Millionen Euro zugelegt. Doch Fraport investierte kurzfristig kräftig in Personal – wegen der großen Nachfrage, aber auch um die Folgen des Flugchaos im abgelaufenen Sommer zu mildern. Das belastet das Ergebnis.

Auslandsgeschäft in guter Verfassung

Zudem hat das starke Wachstum im Billig-Segment und im Kurzstreckenverkehr zur Folge, dass sich in Frankfurt der Anteil jener Passagiere erhöht, die weniger Geld am Flughafen lassen. Der sogenannte Netto-Retail-Erlös pro Passagier war in den ersten neun Monaten mit 2,96 Euro um 10,6 Prozent geringer als im Vorjahr.

Fraport-Chef Schulte begründet das allerdings auch mit den Folgen des Chaossommers: „Wenn man länger in der Warteschlange stehen muss, hat man auch weniger Zeit, Geld auszugeben. Das ärgert uns. Damit sind wir sehr unzufrieden.“ Gleichzeitig stiegen allerdings die Einnahmen mit Parken.


In guter Verfassung zeigt sich das Auslandsgeschäft von Fraport. Die International Activities & Services genannte Sparte steigerte den Umsatz seit Jahresbeginn um 43,8 Prozent auf 907,5 Millionen Euro. Das ist nicht zuletzt der positiven Entwicklung der Flughäfen in Fortaleza und Porto Alegre (beide in Brasilien) und den Airports in Griechenland zu verdanken. Das Ergebnis (Ebitda) legte in dem Geschäftsbereich um 16,4 Prozent auf 326,1 Millionen Euro zu.

Unter dem Strich wuchs der Konzernumsatz bis Ende September um 14,3 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro. Das Ergebnis betrug 377,8 Millionen Euro, ein Plus von 10,4 Prozent. Da das Unternehmen kräftig investiert, etwa in den Bau eines dritten Terminals in Frankfurt, aber auch in die Airports in Griechenland und Brasilien, sank der freie Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Free Cashflow) deutlich von 388 Millionen auf 82,2 Millionen Euro.

Den Investoren gefallen die vorgelegten Zahlen, die Aktie gewann am Vormittag unmittelbar nach Börseneröffnung 2,6 Prozent an Wert. Bis zum Mittag reduzierte sich das Plus wieder etwas auf 1,6 Prozent.