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Frankreichs Präsident Macron geht wegen Corona-Infektion in Quarantäne

Hanke, Thomas
·Lesedauer: 4 Min.

In Frankreich wächst die Kritik am Präsidenten, der vor seiner Erkrankung zahlreiche Personen getroffen hat. Darunter auch Kanzlerin Merkel, die aber negativ getestet wurde.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ist positiv auf das Coronavirus getestet worden, hat der Elysée an diesem Donnerstagvormittag mitgeteilt. „Diese Diagnose wurde nach einem RTPCR-Test nach dem Auftreten der ersten Symptome gestellt“, schreibt das Amt des Präsidenten. Entsprechend den geltenden Regeln werde der Präsident sieben Tage lang in Quarantäne gehen, seine Amtsgeschäfte aber fortführen.

Noch am Mittwoch hatte Macron eine Kabinettssitzung in Anwesenheit aller Minister geleitet. Der Elysée antwortete auf Nachfrage, dass alle Teilnehmer eine Maske getragen und auf den Sicherheitsabstand geachtet hätten. „Deshalb gibt es keine Kontaktfälle“, so die Mitteilung.

Macron habe am Donnerstag die ersten Symptome gezeigt und sei umgehend getestet worden, heißt es aus dem Elysée-Palast.

Am Dienstag hatte Macron sich mit Mitgliedern der Parlamentsfraktion seiner Partei sowie mit den Fraktionsvorsitzenden der Nationalversammlung getroffen. Der Präsident der Nationalversammlung Richard Ferrand wird sich ebenfalls in Quarantäne begeben, hieß es Donnerstag in Paris.

Zudem hatte der Präsident in den vergangenen Tagen zahlreiche internationale Kontakte: Mittwoch traf er mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten António Costa zusammen, der ab Januar die Ratspräsidentschaft in der EU innehat. Am Montag empfing er EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zu einem Mittagessen. Sánchez machte nach dem Treffen einen PCR-Test, der negativ ausfiel. Er bleibt aber dennoch bis zum 24. Dezember in Quarantäne.

Wie die Tageszeitung „Le Figaro“ berichtet, soll Macron noch am Mittwochabend einige seiner engsten politischen Freunde und Mitarbeiter zu einem Dinner im Elysée empfangen haben. Mindestens neun Personen sollen der Einladung gefolgt sein. Zwei von ihnen, darunter der Premierminister Jean Castex, haben sich mittlerweile in Quarantäne begeben. Den Franzosen empfiehlt die Regierung, maximal sechs Personen bei sich zu Hause einzuladen.

Die Opposition kritisiert die zahlreichen Treffen des Präsidenten

Mit seinen zahlreichen Treffen, deren Teilnehmerzahl die Empfehlungen der Regierung missachten, sorgt der Präsident für Stirnrunzeln bei den Franzosen und liefert der Opposition eine Steilvorlage. „Den Bürgern macht Macron Vorhaltungen, selber hält er sich nicht an die Regeln“ sagte ein Vertreter der linken „Insoumis“.

Der Fraktionsvorsitzende der Zentrumspartei UDI Jean-Christophe Lagarde fragte sich, ob Macron wenigstens die Anti-Covid-App nutze. Der Nachrichtensender BFM TV wirft Macron vor, nach dem Motto zu handeln: „Ihr macht, was ich sage, ich mache, was ich will.“

Der Elysée antwortete auf die Frage des Handelsblatts, ob die allgemeinen Regeln auch für den Präsidenten und die Regierung gelten: Das Dinner vom Mittwoch sei ein Arbeitsessen gewesen. „Das steht jedem Franzosen frei, soweit es wirklich ein Arbeitstermin ist, die Örtlichkeiten groß genug sind und das gesamte Hygiene-Protokoll eingehalten wird.“

Bestimmte Sitzungen könnten nicht per Videokonferenz abgehalten werden, der Termin vom Mittwochabend sei so einer gewesen – wieso, blieb offen. Mindestens zwei der Teilnehmer sind mittlerweile in Quarantäne.

Eine Abgeordnete der Macron-Partei La République en Marche versuchte, den Präsidenten wegen des Dinners vom Mittwochabend in Schutz zu nehmen: „Wissen sie, man kann nicht alles per Videokonferenz erledigen, im direkten Kontakt geht vieles schneller.“ Das dürften viele Franzosen auch so sehen, dennoch ist ihnen diese Möglichkeit versperrt.

Kanzlerin Merkel wurde negativ getestet

Am Wochenende hatte Macron mit anderen Staats- und Regierungschefs an einem EU-Gipfeltreffen in Brüssel teilgenommen. Eine Ansteckung der anderen Teilnehmer gilt jedoch als unwahrscheinlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die ebenfalls an dem Gipfel teilnahm, machte laut einer Sprecherin des Bundespresseamts mit einigen Tagen Abstand zum Treffen einen Test.

„Dessen Ergebnis ist negativ“, teilte ein Regierungssprecher mit. Beim Rat habe Merkel die Infektionsschutz-Regeln durchgängig eingehalten beziehungsweise eine FFP2-Maske getragen.

Die Kanzlerin übermittelte Macron ihre besten Wünsche für eine baldige vollständige Genesung.

Derzeit geht die Forschung davon aus, dass Corona-Patienten bereits etwa ein bis zwei Tage vor Auftritt von Symptomen die Krankheit weitergeben können.

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Zumindest die internationalen Aktivitäten Macrons werden unter seiner Quarantäne leiden. Kommende Woche, am Dienstag und Mittwoch, wollte er in den Libanon reisen. Nach der katastrophalen Explosion im Hafen von Beirut im Sommer war er bereits zwei Mal in das frühere französische Protektorat gereist, um sich für die Schaffung einer Regierung von Fachleuten einzusetzen, die grundlegende Reformen des Geldwesens und der Verwaltung durchsetzen soll.

Damit sollte die Korruption bekämpft und die Voraussetzung für internationale Hilfe geschaffen werden. Die libanesischen Parteien blockieren diesen Prozess aber, den Macron mit seiner Reise verstärken wollte.