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Frankreich und Spanien überraschen mit positiven Wirtschaftszahlen

Kuchenbecker, Tanja Louven, Sandra
·Lesedauer: 3 Min.

Spanien schafft im vierten Quartal ein leichtes Wachstum, das in Frankreich sinkt 2020 schwächer ein als erwartet. Der Einbruch beider Volkswirtschaften ist dennoch historisch.

Die Infektionsschutzmaßnahmen in Frankreich haben einen starken Einbruch der Wirtschaftsleistung verursacht. Foto: dpa
Die Infektionsschutzmaßnahmen in Frankreich haben einen starken Einbruch der Wirtschaftsleistung verursacht. Foto: dpa

Inmitten der Nachrichten über steigende Infektionen und verschärfte Restriktionen liefern die Wirtschaftsdaten von Spanien und Frankreich eine leicht positive Überraschung. Spanien wuchs in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres überraschend um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Experten hatten mit einem Minus von 1,4 Prozent gerechnet.

Frankreichs Wirtschaft indes schrumpfte im Gesamtjahr 2020 weniger als erwartet. Der Rückgang lag bei 8,3 Prozent, das französische Statistikinstitut Insee hatte noch vor ein paar Monaten einen Einsturz um neun Prozent erwartet, das Wirtschaftsministerium sogar um bis zu elf Prozent. Gleichwohl markieren auch die 8,3 Prozent für Europas zweitgrößte Volkswirtschaft den stärksten Einbruch seit dem Jahr 1946.

Auch in Spanien ist der Absturz insgesamt historisch: Die viertgrößte Volkswirtschaft der EU sackte 2020 um elf Prozent in den Keller, so stark wie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr. Damit lag sie zwar im Rahmen der Erwartungen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht aber davon aus, dass der spanische Abschwung der größte aller hochentwickelten Industrienationen sein wird.

Die Gründe dafür sind die hohe Abhängigkeit des Landes vom Tourismus, der vor der Pandemie 12,4 Prozent der Wirtschaftsleitung ausgemacht hat; eine Unternehmenslandschaft, die zum Großteil aus Klein- und Kleinstunternehmen besteht; eine hohe Abhängigkeit vom Servicesektor, der in der Pandemie von zahlreichen Restriktionen betroffen war; sowie eine hohe Zahl von Infizierten, die im vergangenen Frühjahr zu einem besonders harten Lockdown geführt hat.

IWF erwartet für Spanien den stärksten Einbruch aller Wirtschaftsnationen

Spanien gehörte während der gesamten Pandemie zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) führt Spanien mit 1026 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in 14 Tagen auch derzeit hinter Portugal wieder die Liste der meisten Infektionen in der EU an.

Zwar geht der IWF davon aus, dass Spanien in diesem Jahr auch stärker wachsen wird als die übrigen Wirtschaftsnationen. Doch das erwartete Plus von 5,9 Prozent wiegt den Einsturz aus 2020 bei Weitem nicht auf. Zudem trüben neue Virusmutationen und ein stockender Impfprozess in der EU die Aussichten auf eine starke Urlaubssaison.

Die spanischen Hoteliers machen sich große Sorgen. „Ich habe schon viele Krisen erlebt, aber diese ist mit Abstand die schlimmste“, sagt Gabriel Llobera, Chef der mallorquinischen Hotelgruppe Garden Hotels, der im Vorstand des balearischen Hotelverbands sitzt.

Die Einnahmen seiner zwölf Hotels sind im vergangenen Jahr um 80 Prozent eingebrochen. Derzeit hat er nur ein Haus geöffnet – und dort sind gerade einmal vier Zimmer belegt. „So können wir nicht weitermachen“, sagt er. Vielen Hoteliers drohe die Insolvenz.

Frankreich drohen neuen Restriktionen

Die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño hält bislang dennoch an ihrer optimistischen Wachstumsprognose von 7,2 Prozent für dieses Jahr fest. Mithilfe der Gelder aus dem europäischen Wiederaufbaufonds könne die Wirtschaft sogar um 9,8 Prozent zulegen, wenn es gelinge, die Gelder effizient zu investieren. Spanien hat im Haushalt für dieses Jahr 27 Milliarden Euro an EU-Geldern veranschlagt.

In Frankreich beginnt das Jahr 2021 mit der Furcht vor neuen Restriktionen. Es wird ein verschärfter Lockdown für die kommenden Wochen erwartet, die Entscheidung könnte dieses Wochenende fallen. Die Analysten von Barclays bezeichnen den Ausblick für dieses Jahr als „düster“.

„Wir glauben nicht, dass Frankreichs Bruttoinlandsprodukt vor Ende des Jahres zum Vorkrisenniveau zurückkehrt“, heißt es bei Barclays. Auch die übrigen Experten rechnen damit nicht vor 2022 oder 2023. Im Jahr 2019 war die Wirtschaft noch um 1,5 Prozent gewachsen.

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt dagegen um 1,3 Prozent. Der Konsum brach um 5,4 Prozent ein, dafür lief es im Export wieder besser. Im dritten Quartal, als alle Geschäfte geöffnet waren, war der Konsum um 18,2 Prozent in die Höhe geschnellt. Der Export legte im vierten Quartal um 4,8 Prozent zu.