Deutsche Märkte geschlossen

Fleißige Bienchen: So viel erwirtschaften Insekten

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

In einer Untersuchung haben Agrar-Forschende der Universität Hohenheim den ökonomischen Nutzen von Tieren ermittelt. Das Ergebnis fällt überraschend hoch aus.

Nicht nur Bienen tragen zur Bestäubung bei. Auch Schmetterlinge sind fleißig. Foto: Symbolbild / gettyimages / HedgerowRose
Nicht nur Bienen tragen zur Bestäubung bei. Auch Schmetterlinge sind fleißig. Foto: Symbolbild / gettyimages / HedgerowRose

Forschende der Universität Hohenheim haben die wirtschaftliche Leistung von Tieren, zuvorderst Insekten, neu bewertet. Das Ergebnis fällt, so heißt es in einer Pressemitteilung, „weit höher als angenommen“ aus.

Demnach lässt sich tierische Bestäubungsarbeit ungefähr mit einem volkswirtschaftlichen Wert von 3,8 Milliarden Euro jährlich beziffern – allein in Deutschland. Global gerechnet haben Tiere einen Anteil zwischen einem und zwei Prozent am weltweiten Bruttosozialprodukt: Das entspricht rund 850 Milliarden Euro.

Vor allem Insekten leisten Bestäubungsarbeit

Ihre Arbeit liegt vor allem darin, Pollen von einer Blüte zur anderen zu tragen und diese somit zu befruchten. Erst dann bilden Pflanzen Früchte und Samen aus, mit denen sie sich weiter fortpflanzen können. Nette Nebeneffekte: Die Natur grünt und blüht und Menschen können sich ernähren.

Unterschlupf für Insekten: Laub im Garten liegen lassen?

Die Hauptlast schultern in Deutschland und Europa Bienen, Käfer, Schmetterlinge und kleinere Insekten. In tropischen Breitengraden tragen laut den Forschenden auch Fledermäuse und Kolibris ihren Anteil bei.

In ihrer Untersuchung, die im Fachblatt Ecological Economics veröffentlicht wurde, haben die drei Forschenden aus den Fachgebieten „Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich“ und „Agrar- und Ernährungspolitik“ simuliert, „welche Auswirkungen der schlagartige Wegfall aller bestäubenden Tiere haben würde“.

Es gibt auch Pflanzen, die keine Insekten benötigen

Forschungsleiter Christian Lippert erklärt in der Pressemitteilung, dass ähnliche Schätzungen bislang stets einen langen Zeitraum untersucht und dabei Anpassungen der Natur berücksichtigt haben. „Das ist aus unserer Sicht jedoch nicht korrekt, weil die langfristigen Anpassungsreaktionen sowohl der Agrarökosysteme als auch von Angebot und Nachfrage nicht absehbar sind.“ Deshalb hätten sie den wirtschaftlichen Verlust nur für das Jahr nach dem hypothetischen Ausfall aller Bestäuber simuliert.

Danach, so vermuten die Forschenden, würde die Landwirtschaft reagieren und beispielsweise mehr selbst- oder windbestäubte Getreidesorten anbauen. Dazu zählen etwa Weizen oder Reis, die nicht auf Insekten zur Fortpflanzung angewiesen sind.

Schaden tragen vor allem die Verbraucher*innen

Kurzfristig stiegen aber auf jeden Fall Preise aufgrund der Ernteausfälle. Laut Lippert könnten Landwirt*innen geringere Erträge so teilweise kompensieren. Den größten Teil des Schadens müssten dadurch aber die Verbraucher*innen tragen. Und das nicht nur finanziell: Einerseits würde sich Obst und Gemüse verteuern, andererseits wäre aber auch das Angebot sehr viel geringer.

Berücksichtigt in ihrer Simulation haben die Forschenden, sofern bekannt, den tierischen Anteil an den Bestäubungsleistungen. Der liege bei Äpfeln und Kirschen in Deutschland bei ungefähr 65 Prozent, beim Kürbis sogar bei 95 Prozent.

Ökosysteme müssen geschützt werden, auch wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung

Seit einigen Jahren rückt die Wissenschaft vor allem die wirtschaftliche Bedeutung von Insekten und Artenreichtum für den Menschen in den Fokus ihrer Forschung. So schreiben auch die Forschenden der Universität Hohenheim abschließend: „Natürlich können wir nicht alle ökologischen Auswirkungen eines solch katastrophalen Ereignisses auf die Umwelt und den Menschen erfassen, die weit über die bloßen Schäden durch einen geringeren Ertrag hinausgehen.“ Mit ihrer Arbeit wollten sie vor allem das Bewusstsein für die Bedeutung intakter Ökosysteme schärfen.

Forschende: Viel mehr Land auf der Erde muss unter Schutz

Dazu heißt es auch in der Studie selbst: „Nicht nur für die Allgemeinheit, sondern besonders politische Entscheidungsträger*innen sollten wissen, wie hoch die Wirtschaftsleistungen der Tiere in Deutschland und auf der Welt sind. Alleine diese Zahlen rechtfertigen jedes Bemühen zum Schutz und Erhalt der Ökosysteme, in denen sie leben. Und dabei haben wir viele weitere Ökosystem-Leistungen noch außer Acht gelassen.“

VIDEO: Zahl der Bienenvölker sinkt in fast allen Weltregionen