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Fischer-Appelt steigt zur umsatzstärksten PR-Agentur auf

Die Kommunikationsagentur Fischer-Appelt ist zuletzt kräftig gewachsen. Doch in diesem Jahr droht ihr ein zweistelliger Umsatzrückgang.

In der deutschen PR-Branche haben sich die Kräfte verschoben. Zum ersten Mal schiebt sich die Kommunikationsagentur Fischer-Appelt auf den Spitzenplatz des brancheninternen Rankings, das die Firmen nach ihrem Umsatz bewertet. Damit löst die Agentur den früheren Spitzenreiter MC Group ab, der diesen Platz acht Jahre besetzt hielt und einen Honorarumsatz von 63 Millionen Euro angibt.

„Wir hatten ein sehr gutes Jahr 2019“, sagt Bernhard Fischer-Appelt, der die Hamburger Agentur 1986 zusammen mit seinem Bruder Andreas Fischer-Appelt gegründet hat. Der Honorarumsatz ist um 42 Prozent auf 82,7 Millionen Euro gestiegen – das reichte für den Spitzenplatz im Ranking des „PR Journals“, das alljährlich erstellt wird. 138 Agenturen wurden von dem Ranking erfasst, das durchschnittliche Umsatzwachstum lag bei 8,8 Prozent.

Hinter dem starken Umsatzsprung von Fischer-Appelt verbirgt sich allerdings kein massives Neugeschäft, sondern vor allem der Zukauf eines starken Wettbewerbers: Die Agentur der beiden Brüder hat im vergangenen Jahr die Hamburger Werbeagentur Philipp und Keuntje übernommen. Ohne den Akquisitionseffekt hätte sich der Umsatz von Fischer-Appelt im vergangenen Jahr um etwa sieben Prozent erhöht.

„Auch der Gewinn wird leiden“

Doch dem ausgezeichneten Geschäftsjahr 2019 folgt nun – bedingt durch die Coronakrise – ein Umsatzrückgang in diesem Jahr. „Wir rechnen mit einem Rückgang des Umsatzes zwischen acht und 15 Prozent“, sagt Andreas Fischer-Appelt. „Auch der Gewinn wird ordentlich leiden.“ Bislang hat die Agentur nach Angaben der Brüder jedes Jahr schwarze Zahlen geschrieben.

Die Coronakrise stellt die Branche der Kommunikationsagenturen vor große Herausforderungen. Eine Vielzahl der Unternehmen musste für Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. So auch Fischer-Appelt.

Mehr als zehn Prozent der etwa 700 Beschäftigten haben Kurzarbeit verordnet bekommen. Erste Mitarbeiter seien bereits zurückgeholt worden, erzählt Andreas Fischer-Appelt. „Man macht ja Kurzarbeit, weil man die Mitarbeiter schätzt und sie halten will.“

Alle großen Veranstaltungen und Events wurden abgesagt – es ist vor allem die Eventtochter der Agentur, die gerade leidet. Auch die TV-Tochter kann nur bedingt arbeiten, schließlich sind Produktionen außerhalb der Studios kaum möglich.

Viele Werbekunden hätten zudem ihre Kampagnen gestoppt, weil sie nicht im Umfeld der Corona-Berichterstattung stattfinden wollen. Performance-Marketing sei momentan eine Disziplin, die von den werbetreibenden Unternehmen verstärkt gefragt wird.

„Wir müssen uns auf die Krise einstellen, sie wird uns sicher noch lange begleiten“, sagt Bernhard Fischer-Appelt. „Wir müssen uns an einen neuen Alltag gewöhnen, einen Alltag, in dem wir beispielsweise Mundschutzmasken tragen.“ Das sei nicht zuletzt eine kommunikative Aufgabe, die Unternehmen nun lösen müssen.

Bernhard Fischer-Appelt forscht seit Juli 2018 an der Harvard University. Eigentlich wollte er dort nur ein Jahr bleiben, aber er verlängerte seinen Aufenthalt. „Dekonstruktion von Zukunftsprognosen“ lautet sein Thema. Zukunftsprognosen, so seine Ansicht, sind auch immer „zum Teil riesige Blasen, die aus kommerziellen Interessen gesponnen werden“.

Kommunikation ist das Geschäft von Fischer-Appelt. Als die Agentur vor mehr als einem Jahr den Kauf der Agentur Philipp und Keuntje bekannt gab, mit einem Umsatz von etwa 20 Millionen Euro ein eher kleinerer Anbieter, urteilte die Branche zustimmend. „Mit dem Zukauf hat Fischer-Appelt in der Markenführung und im Kreativpotenzial stark zugelegt“, sagt Oliver Meschke, Managing Director der Beratung The Talent Business.

Die Akquisition von Philipp und Keuntje habe Fischer-Appelt zwar nicht internationaler gemacht, aber zu einem relevanten Player im lokalen Markt geformt, sagt Meschke. Mit dem US-Aufenthalt von Bernhard Fischer-Appelt sollte der Boden bereitet werden.

Die Internationalisierung der Agentur habe nun allerdings „ein Pausenzeichen“ bekommen, sagen die Brüder. Auch das ist ein Effekt der Coronakrise.