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Ferrari fällt Boss-Entscheidung - die Zündstoff birgt

Die Suche hat allem Anschein nach ein Ende.

Nach Informationen von SPORT1 ist in Maranello eine Entscheidung gefallen: Frédéric Vasseur soll neuer Teamchef bei Ferrari werden. Der 54-Jährige folgt auf Mattia Binotto, der von seinem Posten mit Ablauf des Jahres zurücktritt.

Frédéric Vasseur vor Wechsel von Alfa Romeo zu Ferrari

Die Bekanntgabe wird noch in diesem Jahr erwartet. Für Audi würde der Franzose dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Ingolstädter werden als Mehranteilseigner beim ehemaligen Sauber-Team (noch Alfa Romeo) einsteigen, bei dem Vasseur seit Mitte 2017 als Teamchef fungiert.

Audis Frust über den Wechsel dürfte sich in Grenzen halten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Ingolstädter, die für 2026 eine eigene Antriebseinheit für die Königsklasse des Automobilsports entwickeln, die Chefposten in ihrem zukünftigen Team ohnehin mit eigenen Leuten besetzen wollen.

Ferrari sehnt sich nach erstem Titel seit 2008

Für den Franzosen Vasseur bedeutet die Berufung nach Maranello Aufstieg und Risiko zugleich. Denn nach dem Rücktritt von Mattia Binotto kurz nach dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi vor zweieinhalb Wochen wollen die Ferrari-Bosse um John Elkann - den Enkel des ehemaligen Fiat -und Ferrari-Patriarchen Gianni Agnelli - endlich den WM-Titel sehen.

In diesem Jahr holte die Scuderia zwar die Vizetitel in Fahrer- und Konstrukteurs-WM. Pleiten, Pech und Pannen besonders bei den Boxenstopps und der Rennstrategie verhinderten allerdings mehr. Diese Schwäche kostete Binotto den Job.

Dem Italiener, der seit 1995 in der Ferrari-Motorabteilung arbeitete und sich kontinuierlich hochgearbeitet hat, wurden die Fehler maßgeblich angekreidet. Vasseur soll diese Schwäche jetzt abstellen und Ferrari zum ersten Titel seit der Konstrukteurs-WM 2008 führen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Experten erwarten Gegenwind für Vasseur

Einfach wird das nicht. Denn besonders innenpolitisch erwarten Ferrari-Insider Gegenwind für Vasseur. Die größte Gefahr könnte dabei von Leclerc-Manager Nicholas Todt ausgehen.

Der Sohn vom ehemaligen Ferrari-Teamchef und FIA-Präsidenten Jean Todt gründete zusammen mit Vasseur zwar das in den Nachwuchsklassen extrem erfolgreiche ART Grand Prix-Team, mit dem unter anderem Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Nico Hülkenberg Titel einfuhren. Doch vor vier Jahren entzweiten sich die beiden Partner in einem erbitterten Streit.

Vasseur, der seine Formel-1-Karriere 2016 bei Renault begann, wird seit 2014 der fünfte Teamchef bei Ferrari sein und hofft nun, dass seine Haltbarkeitsdauer in Maranello länger sein wird als bei seinen Vorgängern Stefano Domenicali, Marco Mattiacci, Maurizio Arrivabene und schließlich Mattia Binotto. Alle scheiterten am extrem großen Erfolgsdruck, der bei Ferrari herrscht.

Um die Neubesetzung gab es zahlreiche Gerüchte, unter anderem auch über eine unmoralische Offerte an Red-Bull-Teamchef Christian Horner - der aber soeben klargemacht hat, dass er kein Interesse hat.

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