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FARNBOROUGH: Boeing erwartet vorerst höheren Flugzeugbedarf - trotz Russland

FARNBOROUGH (dpa-AFX) - Der US-Flugzeugbauer Boeing rechnet trotz des Wegfalls Russlands als Absatzmarkt in den nächsten zehn Jahren mit einem größeren Bedarf an neuen Jets als zuletzt. In der Zeit von 2022 bis 2031 dürften etwa 19 575 neue Passagier- und Frachtmaschinen den Weg zu ihren Kunden finden, teilte Boeing am frühen Sonntagmorgen und damit einen Tag vor Beginn der wichtigen Luftfahrtmesse im britischen Farnborough mit. Dies ist etwas mehr als 2021 für zehn Jahre vorhergesagt - obwohl Boeing da noch 710 Flugzeuge für russische Airlines eingerechnet hatte. Auf die zwei Dekaden bis 2041 gesehen erwartet der Hersteller jedoch einen geringeren Bedarf an neuen Maschinen als bisher - anders als sein europäischer Rivale Airbus <NL0000235190>.

So geht Boeing für die zwei Jahrzehnte von einer weltweiten Nachfrage nach etwa 41 170 Passagier- und Frachtmaschinen aus. Vor einem Jahr hatte das Management noch 43 610 Stück erwartet. Dies sei selbst dann ein Rückgang, wenn man die zuletzt noch für Russland erwarteten Maschinen hinzurechne, heißt es in einer Präsentation des Marketingchefs von Boeings Verkehrsflugzeugsparte, Darren Hulst. Boeing legte seinen Prognosen ein geringeres Wachstum der Weltwirtschaft und für das zweite Jahrzehnt einen gesättigteren Luftfahrtmarkt zugrunde.

Wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland infolge des Ukraine-Kriegs dürfen westliche Flugzeughersteller und Zulieferer keine Maschinen und Teile mehr nach Russland liefern. Zudem gibt Russland hunderte im Ausland geleaste Flugzeuge seit Monaten nicht an seine Eigentümer zurück, sodass der Markt für Airbus und Boeing aus heutiger Sicht praktisch wegfällt.

Unterdessen geht der US-Konzern für die nächsten 20 Jahre von einem jährlichen Wirtschaftswachstum von im Schnitt 2,6 Prozent aus. Der Passagierverkehr in der Luftfahrt dürfte im Schnitt um 3,8 Prozent zunehmen, das Geschäft mit der Luftfracht um 4,1 Prozent. In diesem Zuge erwartet Boeing ein jährliches Wachstum der Flugzeugflotte um 2,8 Prozent auf dann 47 080 Maschinen. Das wären fast doppelt so viele wie vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019.

Rund drei Viertel des Bedarfs an neuen Jets dürften Kurz- und Mittelstreckenmodelle mit schmalem Rumpf wie die Boeing 737 Max und der Airbus A320neo ausmachen. Hinzu kommen laut Boeing etwa 7230 Großraumflugzeuge wie die Boeing 777 und 787 "Dreamliner" oder die Airbus-Modelle A350 und A330neo sowie 940 neue Frachtmaschinen.

Zu den kleineren Schmalrumpf-Jets mit einem Gang zwischen den Sitzen zählt auch der Airbus A321XLR, die neue Langstreckenversion des Mittelstreckenjets Airbus A321neo. Während Airbus für den Typ schon vor dem Erstflug mehr als 500 Bestellungen eingesammelt hat, bezeichnet Boeing Langstreckenflüge mit kleineren Maschinen in seiner Präsentation als "Nischenmarkt". Airbus will die erste A321XLR bis Anfang 2024 ausliefern. Boeing hat kein vergleichbares Modell im Angebot.

Anders als Boeing rechnet Airbus für die nächsten 20 Jahre mit einem größeren Bedarf an neuen Flugzeugen als zuletzt. In seinem vor wenigen Tagen veröffentlichten Marktausblick sagte der weltgrößte Flugzeughersteller für die Zeit bis 2041 der Branche einen Absatz von 39 490 Maschinen voraus, das sind 470 mehr als im vergangenen Jahr für die Zeit bis 2040 veranschlagt. Nach Einschätzung des Herstellers werden Airlines wegen steigender Treibstoffkosten früher neue und weniger spritdurstige Flugzeuge kaufen oder leasen.

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