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Für Vermögensverwalter war 2019 „ein dramatisch schlechtes Jahr“

Profis, die das Geld ihrer Kunden auf Fondsbasis verwalten, haben im Jahr 2019 überwiegend schlecht abgeschnitten. Die Renditen waren schwach und oft instabil.

Viele Fondsmanager haben im Jahr 2019 die Gelegenheit verpasst, ihr Können zu beweisen. Zwar versprechen sie mit ihren vermögensverwaltenden Produkten, in jeder Marktphase stabile Renditen zu erzielen. Doch mit dem Kursrutsch Ende 2018 und dem folgenden Kursanstieg besonders von US-Aktienkursen hatten sie ihre Probleme.

Auch von der Erholung der europäischen Staatsanleihen profitierten viele Fondsmanager nicht. Anleger sollten sich deshalb genau überlegen, ob und welche dieser bequemen aber teuren Produkte sie kaufen wollen. Das ergibt eine Studie des Münchener Fondsberaters Fonds Consult, die dem Handelsblatt vorliegt.

Für Michael Wimmer, Analyst bei Fonds Consult, haben die Vermögensverwalter „ein dramatisch schlechtes Jahr“ hingelegt. Kein einziger der von ihm untersuchten großen Fondsanbieter am deutschen Markt hat besser abgeschnitten als die Vergleichsindizes. Auch über drei und fünf Jahre konnte nahezu niemand die Börsenmesslatten schlagen.

In den zwölf Monaten bis Ende September 2019 kämpften die Manager dieser Fonds, die in verschiedene Anlageklassen investieren, mit verschiedenen Problemen.

Ein Schwachpunkt: Sie legen ihr Kapital vorwiegend in Europa an. Die Anbieter machen das, weil sie glauben, solche Produkte den hiesigen Kunden mit ihrer Neigung zur Geldanlage in der Heimat besser verkaufen zu können, ist Wimmers Erfahrung.

Diese Strategie erwies sich aber erneut als trügerisch: Auch 2019 blieben europäische Aktien hinter US-Titeln zurück. Während der breite Index MSCI Europe in den zwölf Monaten bis Ende September um 5,7 Prozent zulegte, kletterte der weltweite MSCI World mit einem US-Anteil von 60 Prozent um 8,5 Prozent. Generell empfehlen Experten eine globale Strategie fürs Depot: Eine zu einseitige Ausrichtung auf einzelne Regionen schaffe „Klumpenrisiken“, warnt Barbara Claus, Analystin beim Fondsratinghaus Scope Analysis.

Manchmal wird die breite Aufstellung auch, zumindest kurzfristig, zum Problem. Am Anleihemarkt profitierten zuletzt besonders europäische Staatsanleihen von der anhaltend lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und ihrem neuerlichen Ankauf von Anleihen. Die Fondsmanager kauften Bonds aber mit weiter Streuung – auch, um die Risiken in Grenzen zu halten. Sie konnten daher mit der „überraschenden Rally der Staatsanleihen“ von gut elf Prozent etwa im FTSE EMU Government Bond Index nicht mithalten, wie Wimmer feststellt.

Risikopuffer aufgebraucht

Ein weiterer Punkt: Der deutliche Abschwung Ende 2018 mit dem folgenden Aufschwung überforderte einige strikte Risiko-Management-Systeme. So hätten die Fondsmanager durch die einbrechenden Aktienkurse Verluste verbucht und ihre Risikopuffer aufgebraucht, erklärt der Analyst. Daher seien viele im Januar zum Beginn der Erholung nicht gleich wieder eingestiegen.

Das Gesamtergebnis der vermögensverwaltenden Fonds sei daher kritisch zu bewerten, resümiert Wimmer. In den vergangenen zwölf Monaten bis Ende September haben die konservativen Strategien für risikoscheue Investoren zwischen 2,5 und 5,6 Prozent Rendite erreicht, der Vergleichsindex schaffte dagegen gut elf Prozent.

In den dynamischen Strategien mit einem höheren Aktienanteil sieht es nicht viel besser aus: Zwischen 3,8 und 6,4 Prozent Ertrag erreichten die Anbieter, gut zehn Prozent der Index. Dabei schwankten die meisten Fonds sogar stärker im Wert als der Index. Auch längerfristig liegen nahezu alle Fondsmanager unter ihrer Benchmark. Die von Fonds Consult relativ gut bewerteten Anbieter erreichten aber im Gruppenvergleich höhere, recht stabile Renditen. „Anleger erkaufen sich etwas Sicherheit – und zahlen für die Bequemlichkeit, das Geldmanagement abzugeben“, resümiert der Analyst.

Stabilere Erträge als die Indizes und möglichst keine Verluste wollen die Fonds-Vermögensverwalter denn auch erreichen. Die in der Studie untersuchten Anbieter großer Finanzhäuser bilden den größten Teil dieses Marktsegmentes für eine Vermögensverwaltung einfacher Art mit Fonds ab.

Das Geld der Kunden legen sie meist in Dachfonds an, die wiederum in Fonds und Wertpapiere investieren. Der Aktienanteil in den vier Strategien beträgt zwischen 30 und 100 Prozent, der Rest fließt vor allem in Anleihen. Die Manager dieser Produkte haben in den vergangenen Jahren viel Kapital eingesammelt und verwalten insgesamt knapp 79 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr aber ist das Vermögen trotz Kursgewinnen erstmals gesunken, wie die Studie feststellt – um drei Prozent.

Sättigungstendenzen spielten dabei eine Rolle, außerdem kann sich Wimmer vorstellen, dass Anleger nach der schwachen Performance 2018 Geld umgeschichtet haben. Die beiden größten Anbieter am Markt, das genossenschaftliche Fondshaus Union Investment mit 36 Prozent und die Commerzbank mit 30 Prozent Marktanteil, sammelten aber neues Kapital ein.

In der Kritik stehen auch die Kosten dieser Produkte, die in einigen Fällen deutlich höher sind als bei klassischen Investmentfonds. Fonds Consult stellte bei den jährlichen Gebühren eine große Spanne von 0,35 bis 2,5 Prozent fest. Hinzu kommen Kaufgebühren, also die Ausgabeaufschläge für Fonds von bis zu fünf Prozent der Kaufsumme, ferner Depotgebühren und teilweise auch Performance-Entgelte bei überdurchschnittlichem Abschneiden. Bei Dachfonds können zweifach Kosten für das Fondsmanagement anfallen, wenn ein Manager in fremde Fonds investiert.

Die Studie weist die Kosten der Anbieter aus, bezieht sie aber nicht in die Bewertung ein. Denn Fonds Consult will die reine Management-Leistung beurteilen. Wimmer kritisiert die unverändert hohen Gebühren allerdings, zumal diese bei klassischen Fonds in der Branche zuletzt leicht gesunken sind.

Es wäre „wünschenswert, wenn die Gebühren gesenkt würden“, sagt er. Wenn die Anbieter die fixen Gebühren senkten, sei eine Erfolgsvergütung in Ordnung, die bei einer Überrendite anfalle. Andere werden deutlicher: Produkte, die mehr als zwei Prozent laufende Gebühren kosten, sind „prohibitiv teuer“, findet Claus von Scope. Und je konservativer eine Strategie, desto niedriger sollten die Kosten sein, ergänzt sie. Denn in der Niedrigzinsphase schafften diese Fondsmanager kaum noch Rendite.

Fonds Consult stellt in der Studie zwischen den Anbietern deutliche Unterschiede bei der Rendite und der Wertschwankung fest. Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Passau bewertet Fonds Consult Rendite und Risiko der vier Anlagestrategien über ein, drei und fünf Jahre mithilfe verschiedener Kennzahlen. Eine globalere Ausrichtung des Aktienanteils wäre sinnvoller, denn das sorgt für Chancen auf höhere Renditen, sagt Wimmer. Anleger sollten daher Angebote genau prüfen.

Gut, aber besonders teuer

Das beste Gesamtergebnis erzielte einmal mehr die Commerzbank, deren Produkte von Allianz Global Investors gemanagt werden. Trotz einer kurzfristig etwas schwächeren Rendite überzeugten die Fondsmanager vor allem längerfristig bei Performance und Risiko, meint Wimmer.

In der ausgewogenen Strategie etwa erzielten sie über fünf Jahre mit knapp 22 Prozent jährlich die zweihöchste Rendite unter den Konkurrenten und die geringste Wertschwankung von 5,1 Prozent. Der von allen unerreichte Vergleichsindex legte knapp 35 Prozent im Jahr vor. Die Commerzbank-Strategie findet Wimmer mit Fixkosten von bis zu 2,5 Prozent allerdings besonders teuer.

Die zweitplatzierte Union Investment punktete einmal mehr über alle Strategien hinweg vor allem auf der Renditeseite, wie Fonds Consult feststellt. Deutlich verbessert hat sich die HVB. So erzielten die Fondsmanager dort in der ausgewogenen Strategie mit sechs Prozent über ein Jahr und insgesamt knapp 22 Prozent über fünf Jahre eines der besten Ergebnisse bei den Renditen. Besonders überzeugend findet Wimmer das Risikomanagement der HVB, das sich in geringen Wertschwankungen niederschlägt.

Die Deutsche Bank hat ihre Note etwas verbessert und überzeugt mit guter Performance, auch durch relativ hohe Aktienquoten. So hat die Deutsche Bank als einziger Anbieter in einer Strategie die Börsenmesslatte geschlagen: Über drei Jahre erzielten die Fondsmanager knapp 24 Prozent im Jahr, der Index schaffte 22,6 Prozent. Dafür müssten Anleger bei allen Strategien aber überdurchschnittliche Schwankungen aushalten, moniert Wimmer.

Verschlechtert hat sich die Sparkassen-Fondstochter Deka: Trotz teilweise guter Ergebnisse im Risikomanagement „ist die Rendite über alle Strategien hinweg nicht konkurrenzfähig“, urteilt Fonds-Analyst Wimmer.

So hat die Deka als einziges Haus einen Verlust gemacht: Ihre offensive Anlagestrategie weist über ein Jahr -0,5 Prozent aus, während der Index 8,5 Prozent zulegte. Die Deka betont ihr langfristiges und zentrales Ziel der Risikosteuerung, um auch in überraschend schwachen Marktphasen Anlageverluste zu reduzieren.

Kurzfristig hätten sich die Fondsmanager im vierten Quartal 2018 zu früh auf eine Markterholung hin positioniert, heißt es dort. Mit dem Zusatz: „Die dadurch zunächst entstandene rückläufige Wertentwicklung konnte in den Aktien-lastigen Varianten erst Anfang November 2019 aufgeholt werden.“ Andere Anbieter schafften allerdings auch eine geringere Wertschwankung als die Deka.

Fazit: Anleger müssen abwägen, ob sie für die Aussicht auf Stabilität mitunter deutlich auf Rendite verzichten wollen. Außerdem rät Fonds Consult, bei größeren Anlagesummen über Gebühren zu verhandeln. Der Erfahrung nach ist dies allemal bei einem sechsstelligen Betrag möglich.