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Fünf Wege, wie Russland trotz westlicher Sanktionen seine Wirtschaft am Leben erhält – vom chinesischen Yuan bis zu hin Geistergeschäften

Russlands Präsident Wladimir Putin. - Copyright: picture alliance/dpa/TASS | Sergei Bobylev
Russlands Präsident Wladimir Putin. - Copyright: picture alliance/dpa/TASS | Sergei Bobylev

Russlands Wirtschaft scheint sich gegen die Sanktionen nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu behaupten.

Dem Land ist es gelungen, seine Einnahmen aus dem Energiesektor aufrechtzuerhalten. Es umgeht die scharfen Sanktionen des Westens, indem es beispielsweise eine Flotte geheimer Tanker unterhält, die weltweit russisches Öl transportieren.

Abgesehen von den Energieexporten hat Russland auch Mittel und Wege gefunden, dem EU-Verbot für seine Rohölimporte sowie dem Ausschluss aus dem Swift-Zahlungssystem entgegenzuwirken. Noch wichtiger ist, dass diese Maßnahmen die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft untergraben, den Kreml zur Beendigung des Krieges in der Ukraine zu zwingen.

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Hier sind fünf Maßnahmen, die Russland ergriffen hat, um die Sanktionen zu umgehen.

1. Der "Geisterhandel" könnte Russland dabei helfen, an Waren für Verteidigung und Geheimdienste zu gelangen

Trotz der Sanktionen, die einen Großteil der Exporte der Europäischen Union nach Russland einschränken, habe das Land anscheinend Waren im Wert von mindestens einer Milliarde US-Dollar im Rahmen von "Geistergeschäften" erhalten, berichtete die "Financial Times" (FT) am Mittwoch.

Zu diesen Exporten gehören Güter mit doppeltem Verwendungszweck – Produkte, die für Verteidigungs- oder Nachrichtendienste verwendet werden können. Dazu gehören laut "FT" Flugzeugkomponenten, optische Geräte und Gasturbinen.

Nur die Hälfte der kontrollierten Güter im Wert von zwei Milliarden Dollar, die für die ehemaligen Sowjetunion-Staaten Kasachstan, Kirgisistan und Armenien bestimmt waren, erreichten diese Bestimmungsorte, so die "FT" in ihrer Analyse öffentlich zugänglicher Daten. Die "FT" vermutet, dass die restlichen Waren über die Zwischenländer nach Russland gelangt sein könnten.

"Wohin könnten sie sonst gehen?", fragte Erki Kodar, estnischer Minister für Sanktionen, gegenüber der "FT". "Warum sollten diese Länder zu diesem Zeitpunkt plötzlich diese Waren benötigen? Wer braucht diese Güter in der Region am meisten? Das ist offensichtlich Russland."

2. Eine Flotte geheimer Öltanker transportiert Russlands Rohstoffe

Eine Flotte älterer Öltanker, auf denen die Peilsender nicht aktiviert sind, steht im Verdacht, heimlich sanktioniertes russisches Öl in alle Welt zu transportieren.

Die Flotte halt Russlands Energiehandel am Laufen und gebe Anlass zur Sorge: Denn die veralteten Schiffe haben ein besonders hohes Unfallrisiko. Daher könnten Versicherungsansprüche zu einem Problem werden – denn die Eigentümer sind oft unbekannt, sodass die Behörden nicht wissen, wen sie für Schäden belangen könnten.

Russland habe außerdem eine "Schattenflotte" von mehr als 100 Öltankern zusammengestellt, um die Sanktionen zu umgehen, wie die "FT" bereits im Dezember berichtete.

Reuters berichtete ebenfalls im Dezember, dass neue Schiffseigentümer – vorwiegend aus dem Nahen Osten und Asien – in Anbetracht der explodierenden Charterpreise für Tanker, die russisches Öl nach Indien und China transportieren wollen, veraltete Öltanker aufkauften.

3. Russland nutzt den chinesischen Yuan im Energiehandel

Nachdem bestimmte russische Banken vom Swift-Zahlungssystem, das für Geldhäuser grenzüberschreitende Transaktionen ermöglicht, ausgeschlossen wurden, wandte sich das Land anderen Ländern zu. Beispielsweise Chinas Yuan für den bisher in US-Dollar abgewickelten Handel.

Russland ist nicht das einzige Land, das Schritte unternimmt, um sich von seiner Abhängigkeit zum Dollar zu lösen. Da viele Länder von Russlands Energiepreis abhängig sind, springen sie auf den Yuan-Zug auf.

Wie die russische Zentralbank am 10. April mitteilte, kauften die Russen im März chinesische Währungen im Wert von 41,9 Milliarden Rubel beziehungsweise 492 Millionen Euro, das Dreifache der im Februar gekauften Währung im Wert von 11,6 Milliarden Rubel.

Der Rubel-Yuan-Handel machte 39 Prozent des Gesamtvolumens an den russischen Devisenmärkten aus und übertraf damit den Rubel-Dollar-Anteil von 34 Prozent, fügte die Zentralbank hinzu.

4. Russland schafft einen Graumarkt für Importe, nachdem westliche Unternehmen das Land massenhaft verlassen haben

Viele internationale Unternehmen haben sich wegen des Einmarsches in der Ukraine massenhaft aus Russland zurückgezogen. Das führte zu weniger Importmöglichkeiten für den russischen Markt.

Um dieser Situation entgegenzuwirken, hat Russland im Mai 2022 – drei Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs – Parallelimporte legalisiert.

Dieses System ermöglicht es Einzelhändlern, Produkte ohne Genehmigung des Markeninhabers ins Land zu bringen. Bis August erreichten diese Verkäufe auf dem grauen Markt einen Wert von fast 6,5 Milliarden Dollar, so Denis Manturow, der russische Handels- und Industrieminister, laut einem Bericht von Interfax.

Das bedeutet auch, dass die Menschen in Russland quasi in der Lage waren, das neueste iPhone in den Händen zu halten. Im März 2023 erweiterte das russische Industrieministerium laut Reuters die Liste der Marken, die das Land ohne Erlaubnis des Markeninhabers importieren darf.

Die US-Spielzeughersteller Hasbro und Mattel, der schwedische Möbelriese Ikea und Luxusmarken wie Giorgio Armani und Yves Saint Laurent sind in der erweiterten Liste enthalten.

5. Russlands Öl gelangt über Zwischenmärkte in den Westen

Obwohl der Westen und seine Verbündeten strenge Sanktionen gegen russisches Öl verhängt haben – darunter ein EU-Verbot für Rohöl auf dem Seeweg und eine Preisobergrenze von 60 US-Dollar pro Barrel – gelangt der Kraftstoff weiterhin in diese Länder.

Laut einer im April veröffentlichten Studie des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) haben westliche Länder, die ein Verbot gegen russisches Öl verhängt haben, zusammen russische Ölprodukte im Wert von fast 46 Milliarden Dollar importiert.

Das liegt daran, dass diese Länder Energieprodukte aus anderen Ländern – darunter China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate – bezogen haben, die laut der Studie viel mehr Öl aus Russland gekauft haben.

"Dies ist derzeit eine legale Möglichkeit, Ölprodukte in Länder zu exportieren, die Sanktionen gegen Russland verhängen, da die Herkunft des Öls verändert wurde", schreiben die CREA-Forscher in dem Bericht. "Dieser Prozess versorgt Putins Kriegskasse mit Geld."

Auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme hat Business Insider vom Kreml keine Antwort erhalten.

Dieser Artikel wurde von Marius Gerards aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.