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Fünf Themen des Tages: Russland-Resilienz, Tauben, Crash-Orakel

(Bloomberg) -- Russland zeigt Resilienz, ‘Big-Short’-Burry sieht Crash, Europäische Aktien steigen, Tauben jagen Falken, und Japans Hellgrünbond finanziert AKWs. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Russland zeigt Resilienz

US-Banken und Privatpersonen dürfen keine Zahlungen für Anleihen der russischen Regierung mehr annehmen. Eine temporäre Erlaubnis war zuvor abgelaufen. Russland hatte das vorausgesehen und begann schon letzte Woche mit der Begleichung von rund 100 Millionen Dollar an Auslandsschulden, die Freitag fällig werden. Zudem ist unklar, ob die USA Russland im Alleingang in die Zahlungsunfähigkeit treiben können. Anleihegläubiger außerhalb der USA dürfen Gelder schließlich weiterhin annehmen. ITI Capital bezweifelt, dass ein Quorum zusammenkommt, um den Zahlungsausfall zu erklären. Zweifel sind auch angebracht, ob sanktionierte Oligarchen sich gegen Putin wenden. Trotz aller militärischen Misserfolge sinke das russische Schiff nicht, die Ratten blieben daher an Bord, schreibt Bloomberg-Kolumnist Leonid Bershidsky.

‘Big-Short’-Burry sieht Crash

Abstürze an den Aktien- und Immobilienmärkten in den USA scheinen Michael Burry an dunkle Zeiten zu erinnern. “Wie ich schon 2008 sagte: Es ist, als würde man einen Flugzeugabsturz beobachten. Es tut weh, es macht keinen Spaß, und ich lächle nicht”, so der Chef des Vermögensverwalters Scion Asset Management auf Twitter. Weiter erläutern wollte er sein Orakel nicht. Burrys Wette gegen den Immobilienmarkt vor der Finanzkrise 2008 wurde in Michael Lewis’ Buch “The Big Short” verewigt. Unterdessen bereitet das Rollover-Risiko nach Jahren des QE-getriebenen billigen Geldes Unternehmen und Anlegern zunehmend Kopfzerbrechen, schreibt Tasos Vossos im Markets Live Blog. Die durchschnittliche Rendite erstklassiger Unternehmensanleihen, ein Indikator für die Finanzierungskosten, habe im Vergleich zu den Kupons - ein Indikator für die laufenden Zinskosten - den höchsten Stand seit 2009 erreicht.

Europäische Aktien steigen

Günstige Bewertungen haben den europäischen Aktien am Mittwoch zu Gewinnen verholfen. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um rund 0,4% im Plus, nachdem er zuvor bis zu 1% zugelegt hatte. Befürchtungen, dass Zinserhöhungen der Zentralbanken die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnten, belastet weiterhin den Markt. “Viele Anleger klammern sich verzweifelt an die Vorstellung, dass alles Schlechte bald vorbei sein wird und wir alle wieder blindlings jeden Aktienkurs kaufen können, unabhängig von den makroökonomischen Aussichten oder der Bewertung”, sagte James Athey von abrdn. “Ich fürchte, das wird nicht so einfach sein”. In Deutschland musste Nordex die Prognose senken und die Aktie fiel.

Tauben jagen Falken

Die Falken im EZB-Rat hatten es sich nicht bieten lassen wollen, dass Präsidentin Christine Lagarde in einem Blogbeitrag einen vorsichtigen Ausstieg aus der Negativzinspolitik markiert, ohne dass zumindest über ein mutigeres Vorgehen gesprochen worden wäre, um die außer Kontrolle geratene Inflation wieder einzufangen. Entsprechend gingen sie in den vergangenen Tagen in die Offensive, wie etwa Robert Holzmann, der eine Halbpunkt-Zinsanhebung forderte als Signal, “dass wir die Notwendigkeit zum Handeln erkannt haben”. Am Mittwoch schlugen die Tauben zurück: Der Finne Olli Rehn verlangte eine Anhebung um einen Viertelpunkt im Juli - und konzedierte gleichzeitig, dass die Aufwärtsrisiken für die Inflation “eindeutig” zugenommen hätten. Der Italiener Fabio Panetta sieht bereits in der Rückkehr zu einem neutralen Zinsniveau eine Gefahr für die Wirtschaft.

Hellgrünbonds in Japan für AKWs

Japan will mit einer neuen Art von Staatsanleihen Projekte zur Reduzierung von Klimagasen finanzieren - Kernkraft womöglich eingeschlossen. Premierminister Fumio Kishida schlug letzte Woche eine “Transformationsanleihe für eine grüne Wirtschaft” vor, mit der umgerechnet bis zu 147 Milliarden Euro für die Erreichung der Klimaziele aufgebracht werden sollen. Die Regierung entschied sich gegen die Emission echter grüner Anleihen, da solch eher standardisierte Instrumente auch die Verwendung der Erlöse einschränken, so mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat gestern Notfallmaßnahmen im Bereich Energie vorgestellt für den Fall, dass Russland seine Erdgaslieferungen einstellt. Zu diesen gehört die mögliche Reaktivierung von klimaschädlichen Kohle- und sogar Ölkraftwerken.

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