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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- US-Debatten können auch zivilisiert sein, bei Danske fallen 1.600 Jobs weg, Stimulushoffnung stützt Aktien, die Pandemie beschleunigt sich, und die Euro-Peripherie mutiert zu einem sicheren Hafen. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

US-Debatten können auch zivilisiert sein

Es war ein erfrischender Unterschied zur ersten Präsidentschaftsdebatte: Vizepräsident Mike Pence und Kamala Harris, “running mate” von Joe Biden, unterbrachen sich gegenseitig so wenig und beschimpften sich so selten, dass sie im Vergleich zu Präsident Donald Trump und seinem Rivalen von den US-Demokraten geradezu staatsmännisch wirkten, meint Bloomberg-Kolumnist Ramesh Ponnuru. Allerdings seien sie mehr Themen ausgewichen, als sie beantwortet hätten. Und keiner von beiden habe eine der grundlegendsten Fragen für einen Vizepräsidenten ansprechen wollen: was zu tun ist, wenn der Präsident sein Amt nicht mehr ausüben kann. Die Frage stellt sich insbesondere für Harris, da Biden seinen Vorsprung vor Trump bei Umfragen in den wahlentscheidenden US-Bundesstaaten jüngst weiter ausbauen konnte.

Bei Danske fallen 1.600 Jobs weg

Danske Bank A/S wird 1.600 ihrer rund 22.000 Stellen streichen um angesichts steigender Compliance-Kosten und anhaltender Negativzinsen Geld zu sparen. Danske wolle dies “auf die anständigste und respektvollste Weise tun”, erklärte CEO Chris Vogelzang am Donnerstag. Die von einem Geldwäscheskandal geplagte Bank, die seit acht Jahren mit negativen Zinsen im Heimatmarkt Dänemark lebt, steht unter wachsendem politischen Druck, ihr Geschäft zu verbessern. Eine Entlassungswelle bei Bankern schwappt um den gesamten Globus. Wells Fargo baut mehr als 700 Stellen im Commercial Banking ab, was informierten Kreisen zufolge der Vorbote eines Personalabbaus sein könnte, der in die Zehntausende geht. Standard Chartered streicht mehr als hundert Arbeitsplätze in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Stimulushoffnung stützt Aktien

Europäische Aktien stiegen am Donnerstag, unterstützt von Optimismus, dass die US-Abgeordneten Konjunkturhilfen verabschieden werden. Der Stoxx Europe 600 Index hielt sich während des Vormittags im Plus, nachdem Trump über Nacht in einer Reihe von Tweets für ein schrittweises Vorgehen bei Konjunkturhilfen plädiert und Haus-Sprecherin Nancy Pelosi Offenheit für ein eigenständiges Gesetz zur Entlastung der Fluggesellschaften signalisiert hatte. “Der Markt behandelt die Aktionen von Trump jetzt fast als Nebenschauplatz und preist Biden im Weißen Haus viel fester ein”, schrieben Mizuho-Strategen um Peter Chatwell in einer Note. In Deutschland profitierten BASF von einer Heraufstufung bei MainFirst. Heidelberg Pharma gewannen nach der Vorlage von 9-Monatszahlen. Südzucker litten unter einem schwachen Zucker-Ausblick.

Die Pandemie beschleunigt sich

In Deutschland haben sich zuletzt so viele Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt wie seit dem 10. April nicht mehr, die Reproduktionszahl lag den fünften Tag in Folge über der kritischen Marke von eins. Laut der letzten Tagesmessung haben sich in Deutschland 4.010 Personen neu mit dem Coronavirus angesteckt, gegenüber 2.454 am Vortag. RKI-Chef Lothar Wieler sagte am Donnerstag, dass die täglichen Neuinfektionen auf bis zu 10.000 hochschnellen könnten, die Zahl der Menschen auf Intensivstationen habe sich in den letzten vier Wochen verdoppelt. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn sind gezielte Beschränkungen des öffentlichen Lebens möglich, eine Situation wie im März/April werde es aber nicht mehr geben. Frankreich, Spanien und Tschechien verzeichneten einen Rekordanstieg der Coronavirus-Fälle.

Die Euro-Peripherie mutiert zu einem sicheren Hafen

Inmitten der schwersten Wirtschaftskrise nach dem zweiten Weltkrieg erwartet die griechische Regierung einen Anstieg der Schuldenlast auf 200% der Wirtschaftsleistung für das laufende Jahr. Bei den drei wichtigsten Rating-Agenturen haben griechische Bonds Schrott-Status. Und trotzdem fielen deren Renditen am Donnerstag auf ein Rekordtief. Denn griechische Anleihen sind für EZB-Käufe zugelassen und Athen wird voraussichtlich rund 16 Milliarden Euro an Geschenken von seinen EU-Partnern erhalten. Auch italienische BTPs, knapp über Schrott, sehen derzeit wie sichere Häfen aus, mit ihrem Aufschlag gegenüber Bunds auf einem mehrjährigen Tief. Die jüngste Peripherie-Rally stehe im Zusammenhang mit “steigenden Erwartungen an eine Lockerung der EZB”, sagte Antoine Bouvet von der ING Groep.

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