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Fünf Themen des Tages: Bonds gebeutelt, Blackrock bestimmend

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Reflationswetten versenken Bonds, kein Job ohne Impfung in Großbritannien, europäische Aktien verlieren zur Wochenmitte, Buffett reduziert Apple-Anteil, BlackRock macht Aufsichtsräten Klimaschutz-Vorgaben. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Reflationswetten versenken Bonds

Ein Ausverkauf am US-Treasury-Markt hat die Rendite zehnjähriger Papiere am Dienstag kurzzeitig auf den höchsten Stand seit Februar vergangenen Jahres getrieben. Zunehmender Risikoappetit macht Bonds weniger gefragt, auch in Europa, wo die 30-jährige Bunds erstmals seit März mit positiver Rendite begeben wurden. Allerdings wird der alte Kontinent von der Reflationseuphorie jenseits des Atlantiks wie nie zuvor abgehängt. Angesichts eines massiven kommenden US-Konjunkturpakets über 1,9 Billionen Dollar und der schleppenden Einführung von Impfstoffen in Europa klaffen die Inflationserwartungen zwischen den Wirtschaftsräumen so weit auseinander wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Dies bietet Geldmanagern wie BlueBay Asset Management und Aberdeen Standard Investments Gelegenheit für historische Divergenz-Trades.

Kein Job ohne Impfung in Großbritannien

Britische Unternehmen erwägen, Covid-19-Impfungen zur Pflicht zu machen, berichtet die Financial Times. Demnach würden einige Firmen, darunter Betreiber von Pflegeheimen und multinationale Konzerne, Arbeitsverträge in Betracht ziehen, die Angestellte zu Impfungen verpflichten, sobald diese für alle Erwachsenen verfügbar sind. Eine gute Nachricht inmitten des europäischen Impfstoffdebakels kommt aus Brüssel, wo die EU sich weitere 200 Millionen Dosen des BioNTech/Pfizer-Vakzins gesichert hat. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland lag laut RKI am Mittwochmorgen bundesweit bei 57, berichtet die DPA. Vor vier Wochen habe der Wert noch bei 136 gelegen, am 22. Dezember auf dem Rekordstand von 197,6. Gegen den Zielwert von 35 regt sich eine Revolte in der CDU.

Europäische Aktien verlieren zur Wochenmitte

Nach der Rally zu Beginn der Woche lasteten enttäuschende Unternehmenszahlen am Mittwoch auf den europäischen Aktien. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um 0,3% im Minus. Trotz des Rückgangs ist der Stoxx 600 weniger als 4% von einem Rekordhoch entfernt, das im Februar letzten Jahres erreicht wurde, bevor die Pandemie die Aktien auf Talfahrt schickte. Einige Marktteilnehmer wetten, dass europäische Value- und zyklische Aktien stark von einer Erholung der Weltwirtschaft profitieren werden und sehen Aufwärtspotenzial. “Der Reflation-Trade hat in der ersten Jahreshälfte mehr Luft, da die Anleiherenditen weiter steigen und die Zinskurven steiler werden”, sagte Ulrich Urbahn von der Berenberg Bank. In Deutschland brachen Beiersdorf um 7% ein, nachdem die Margenprognose des Nivea-Eigentümers die Analysten enttäuscht hatte. Zalando fielen nach der Entscheidung von Kinnevik, seine Beteiligung an die Aktionäre auszuschütten.

Buffett reduziert Apple-Anteil

Warren Buffetts Berkshire Hathaway hat seine Beteiligung an Apple reduziert und dafür heimlich drei neue Titel aufgenommen. Der Zugang von Verizon Communications, dem Versicherungsmakler Marsh & McLennan und Chevron wurde als vertraulich eingestuft und nicht in regulatorischen Dokumenten publiziert. Der iPhone-Hersteller bleibt auch nach der Reduzierung Berkshires größte Einzelaktie, mit einer Beteiligung im Wert von etwa 120 Milliarden Dollar Ende 2020. Citi-Analysten halten unterdessen einen Rückschlag von 10% bei US-Aktien für “sehr plausibel”. Laut Chef-US-Aktienstratege Tobias Levkovich spiegelt Citis derzeitige Vorsicht “mehrere Faktoren wider, darunter überschwängliche Stimmungswerte, überzogene Bewertungsniveaus und ein nachlassendes Momentum bei den Gewinnrevisionen.”

BlackRock macht Aufsichtsräten Klimaschutz-Vorgaben

BlackRock hat den Aufsichtsräten von Unternehmen genauer dargelegt, was in ihren Maßnahmen zur Verlangsamung der Erderwärmung enthalten sein sollte - und damit gedroht, gegen Individuen zu stimmen, die BlackRock-Standards nicht erfüllen. Der weltgrößte Aktionär veröffentlichte am Mittwoch ein fünfseitiges Dokument, in dem er seine Erwartungen an Unternehmen im Umgang mit Klimarisiken darlegt. Es konkretisiert den Druck, den CEO Larry Fink im Januar in einem Brief an Firmen hinsichtlich der Erfüllung globaler Klimaziele aufgebaut hatte. Alle Aufsichtsratsmitglieder - “und nicht nur ein einzelner Direktor, der ein ‘Klimaexperte’ ist” - müssten ausreichende Kenntnisse über Klimarisiken und die Energiewende haben. Der Vermögensverwalter könnte gegen Räte stimmen, wenn ein Unternehmen “keinen glaubwürdigen Plan für den Übergang seines Geschäftsmodells zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft vorgelegt hat.” BlackRock sei auch bereit, Aktionärsanträge zu unterstützen, die das Unternehmen zu Veränderungen zwingen, um damit “die Aufmerksamkeit für das Thema” zu schärfen.

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