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EY könnte Wirecard 2018er Testat entziehen

Wirecards langjähriger Wirtschaftsprüfer EY checkt derzeit, ob der Dax-Konzern das Prüfsiegel für 2018 behalten darf.

Wirecards langjähriger Wirtschaftsprüfer EY kontrolliert, ob er dem Dax-Konzern das Testat für den 2018er Jahresabschluss entzieht. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus dem Umfeld des Dax-Konzerns.

Ein Sprecher von EY sagte: „Wir untersuchen alle neuen Informationen in Bezug auf die Jahresabschlüsse von Wirecard und werden alle gebotenen Maßnahmen ergreifen“. Zum jetzigen Zeitpunkt könne EY aber aufgrund der „berufsrechtlichen Verschwiegenheitspflicht keinen weiteren Kommentar abgeben“. Mit einem Testat bestätigt ein Wirtschaftsprüfer, dass das Zahlenwerk eines Unternehmens korrekt ist.

EY hatte Wirecard in der vergangenen Woche das Testat für 2019 verweigert, weil Belege für fast 2 Milliarden Euro auf Treuhandkonten fehlten. Dadurch stehen auch erhebliche Teile von Wirecards Umsatz in Frage. In der Folge meldete der Dax-Konzern heute Insolvenz an, also nur eine Woche später. Zuvor war Wirecards langjähriger Chef Markus Braun zurückgetreten und zwischenzeitlich festgenommen worden.

Mit der Insolvenz und der Überprüfung des 2018er-Testats rückt EY noch mehr in den Fokus der Geschehnisse als ohnehin schon. Es geht um die Frage, ob der Buchprüfer Fehler gemacht hat. Nach WirtschaftsWoche-Informationen hatte EY für den 2018er Abschluss keine Bestätigung von der Bank eingeholt, die Wirecards Treuhandkonten geführt hat. Die Wirtschaftsprüfer hatten sich mit Dokumenten des Treuhänders zufriedengegeben, der das Konto verwaltet hatte. Allerdings gehört es zu den Pflichten eines Buchprüfers, eine Bestätigung direkt von der Bank einzuholen.

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