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Euroeyes will in Hongkong an die Börse gehen und mit dem Geld in China expandieren

Der Hamburger Augenlaser-Spezialist plant einen der ersten deutschen Börsengänge in Hongkong. Das Unternehmen könnte mehr als 60 Millionen Euro einnehmen.

Der Hamburger Augenlaser-Spezialist Euroeyes drängt an die Börse in Hongkong. Diesen Freitag hat Firmengründer Jørn Jørgensen den IPO für den 15. Oktober angekündigt. Mit dem eingenommenen Geld will er vor allem die Expansion nach China finanzieren.

Trotz der derzeitigen politischen Spannungen in Hongkong hält Euroeyes an seinen Plänen fest. Es handelt sich dabei um einen der ersten Börsengänge eines deutschen Unternehmens in Hongkong. 2009 war die Schramm Holding aus Offenbach an die dortige Börse gegangen, die zwei Jahre später von Akzo-Nobel gekauft wurde. Bereits seit 1993 ist die Modekette Esprit in Hongkong notiert.

Jørgensen will die Papiere zu einem Preis zwischen 6,20 und 8,80 Hongkong-Dollar (0,72 bis 1,03 Euro) ausgeben. Bei einem mittleren Preis könnte das Unternehmen damit rund 526,7 Millionen Hongkong-Dollar (61,5 Millionen Euro) einnehmen.

40 Prozent des Erlöses sollen in neue Augenkliniken in China fließen, etwa ein Drittel für mögliche Zukäufe in Europa bereitstehen.

Euroeyes bietet Augenlaser-Operationen und Kontaktlinsen an. Gestartet ist der dänische Augenarzt Jørgensen 1993 mit einer Praxis in Hamburg, mittlerweile unterhält er insgesamt 28 Kliniken. Seit 2012 ist das Unternehmen neben Deutschland und Dänemark auch in China aktiv, wo es sechs Kliniken unterhält. Auch der Sohn des Gründers ist mittlerweile in das Unternehmen eingestiegen. Jannik Jørgensen soll sich auf die China-Expansion fokussieren.

650 Millionen Kurzsichtige

„Es gibt in China einen immensen Bedarf“, sagte Jörn Jørgensen, der Euroeyes dort bewusst als europäischen Anbieter positioniert. Laut Marktanalyse gebe es in den kommenden Jahren 650 Millionen Kurzsichtige in China. Dem Unternehmen komme es außerdem zugute, dass es in dem Land rund 70 Prozent mehr als in Deutschland pro Operation verlangen könne.

Die Vorbereitungen für den Börsengang laufen seit eineinhalb Jahren – begannen also schon vor den jüngsten politischen Demonstrationen in Hongkong. „Unser Markt ist aber nicht Hongkong, sondern ganz China“, sagte Jørgensen. In Hongkong sei es für europäische Ärzte deutlich schwieriger, eine Lizenz zu bekommen, sodass die Stadt lediglich auf lange Sicht als Standort für ein Beratungszentrum infrage komme.

Jørgensen habe mit über 100 Investoren auf den Roadshows gesprochen und positives Feedback bekommen. Finanzchef Markus Braun betonte, das eingenommene Geld fließe über eine Kapitalerhöhung an das Unternehmen. Die gesamte Gruppe gehe in Hongkong an die Börse, nicht nur der chinesische Teil. Analystenberichte zum Börsengang gibt es allerdings noch nicht.

Euroeyes kam 2018 auf einen Umsatz von 43 Millionen Euro und einem Nettogewinn von 5,5 Millionen Euro. Hierzulande wachse Euroeyes mit zehn Prozent pro Jahr. „Wir werden hier wahrscheinlich nicht mehr organisch wachsen, denn wir sind in jeder Großstadt“, sagte der Gründer. Er will vorhandene Kliniken besser auslasten und in Europa nach Übernahmegelegenheiten schauen.