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Eishockey-Funktionär Daniel Hopp fordert neue Corona-Staatshilfe

Jakobs, Hans-Jürgen
·Lesedauer: 3 Min.

Mit geschrumpften Budgets sind die Eishockey-Profis in die neue Saison gestartet. Der Eigentümer der Adler Mannheim glaubt, dass es viele Klubs ohne Staatsgeld nicht schaffen.

Es ist ein Abenteuer, das sich Daniel Hopp eine sechsstellige Euro-Summe extra kosten lässt: der Start der Eishockey-Bundesliga DEL. „Viele Gesellschafter der Klubs haben sich noch einmal einen Ruck gegeben, alle Ohren und Augen zusammengekniffen und mehr Geld zur Verfügung gestellt“, sagt der Eigentümer und Geschäftsführer der Adler Mannheim, dem Deutschen Meister von 2019.

Und so sind die Eishockey-Profis nun doch am 17. Dezember unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenzahlen in die Saison gestartet, weit später als die Fußballer oder Handballer. Alle Beteiligten ermöglichten in langen Gesprächen das Comeback der Liga, die den Spielbetrieb im März 2020 als erste deutsche Profi-Vereinigung bereits in der Frühphase der Pandemie abgebrochen hatte: Spieler, Sponsoren, TV-Partner, Spielerberater und Gesellschafter.

Die staatliche Corona-Soforthilfe von jeweils bis zu 800.000 Euro für 2020 sei für viele Klubs existenziell wichtig gewesen, erklärt Hopp: „Es wäre enorm wichtig und richtig, wenn diese Förderung auch für 2021 erneut in Anspruch genommen werden könnte.“ Bis auf die vom österreichischen Milliardär Dietrich Mateschitz alimentierten Red-Bull-Profis aus München nutzten alle Klubs diese Möglichkeit. Die Adler Mannheim erhielten den Maximalbetrag.

„Aus Liebe zum Sport haben viele ihre eigenen Interessen hintenangestellt“, sagt Hopp, die Profis hätten zum Beispiel „signifikante Gehaltseinschränkungen“ auf sich nehmen müssen. Am Ende von harten Verhandlungen standen sogar Reduktionen von bis zu 60 Prozent – und die Gründung der gewerkschaftsähnlichen „Spielervereinigung Eishockey“.

Auf einen Algorithmus ist der Sohn des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp besonders stolz. Er wurde entwickelt nach der schweren Covid-Erkrankung des Wolfsburger Spielers Janik Möser, der noch lange danach an einer Herzmuskelentzündung laborierte.

Der daraufhin entwickelte Algorithmus speichert nach festgelegten Kriterien Informationen über den Krankheitsverlauf eines Spielers, es gibt ein Protokoll, das der Spieler neben den Hygiene- und Sicherheitsregeln genau zu befolgen hat.

Der Algorithmus ist verpflichtend für alle 14 DEL-Klubs. Nur wenn die Ärzte nach dessen Vorgaben grünes Licht geben, darf der Spieler aufs Eis. Hopp: „Wenn wir stilprägend auch für andere Sportarten sind, würde mich das freuen.“

Die neue Eishockey-Saison sieht 38 statt vorher 54 Spiele vor. Allein der Ausfall der Zuschauer kostet 60 Millionen Euro Umsatz. Weil das Geld aus Ticketverkauf, Gastronomie, Parkplatzgebühren und Merchandising fehlt, verliert Mannheim zum Beispiel 70 Prozent der Einnahmen. Für ihn sei wichtig, dass „der wirtschaftliche Horizont absehbar“ sei, erklärt Daniel Hopp.

Er führt auch die Geschäfte in der Mannheimer Multifunktionshalle SAP Arena, die von der Familie Hopp vorfinanziert wurde, und sitzt im Aufsichtsrat der Liga: „Wir dürfen in keine schwarze Wand hineinfahren.“

Penny und Deutsche Telekom zahlen Millionen

Bei der ökonomischen Planung halfen zwei jeweils hohe Millionenbeträge: einmal aus der Zentralvermarktung, wo vor allem Hauptsponsor und Namensgeber Penny einzahlt, sowie von der Deutschen Telekom für Produktionsleistungen. Im „Magenta TV“ des Bonner Konzerns sind alle Spiele live und in einer Konferenzschaltung zu sehen.

Das oberste Ziel sei es, „unseren Sport am Leben zu erhalten“, sagt Daniel Hopp und verweist auf „tolle sportliche Entwicklungen nach dem Olympia-Silber 2018“ und der gestiegenen Aufmerksamkeit für Eishockey. Seine Adler Mannheim sind wieder Titelfavorit, noch vor EHC Red Bull München, dem Meister von 2016 bis 2018.

Nervös sei er nur wegen der vielen offenen Pandemiefragen, bekennt Hopp zum Schluss: „Man weiß natürlich nicht, wie sich die Fallzahlen entwickeln.“