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Ehrgeiziger Digitalprofi: Steffen Greubel soll Metro aus der Corona-Flaute führen

Buchenau, Martin-W. Kolf, Florian
·Lesedauer: 5 Min.

Der künftige Metro-Chef hat keine Erfahrung im Lebensmittelhandel. Aber bei der Würth-Gruppe hat er gezeigt, dass er flexibel ist – und Krisen meistern kann.

Aktuell ist Greubel Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe. Foto: dpa
Aktuell ist Greubel Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe. Foto: dpa

Eigentlich hatte die Metro mitten in der Corona-Depression einen Überraschungscoup inszenieren wollen – quasi zur Stimmungsaufhellung. An diesem Montag sollte der Aufsichtsrat die endgültige Entscheidung über den Vorstandschef fällen, Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann wollte stolz einen neuen Topmanager präsentieren, mit dem niemand gerechnet hatte.

Doch eine Indiskretion hat den Spaß ein bisschen verdorben. Nachdem die Fachzeitschrift „Lebensmittelzeitung“ den Namen bereits am Freitagnachmittag meldete, ging um 20.03 Uhr am Freitagabend die knappe Meldung per Ad-hoc heraus: Das Präsidium des Aufsichtsrats habe beschlossen, dem Aufsichtsrat die Bestellung Steffen Greubels zum neuen Vorsitzenden des Vorstands zu empfehlen. Die Wahl am Montag war nur noch Formsache.

„Steffen Greubel ist der richtige CEO, um die nächste Phase von Metro als reines Großhandelsunternehmen erfolgreich zu leiten“, bedachte ihn Aufsichtsratschef Steinemann zur Begrüßung mit Vorschusslorbeeren. In der Branche dagegen wundern sich viele über diese Wahl, Greubel gilt dort als ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Öffentlich aufgetreten ist er bisher nicht.

Doch das muss kein Nachteil sein, Prominenz stand nicht im Anforderungsprofil für den Neuen an der Spitze des Handelskonzerns. Gefragt sind andere Kompetenzen: Know-how in der digitalen Transformation, Großhandelsexpertise – und nicht zuletzt Erfahrung im Krisenmanagement. All das kann der 47-Jährige durchaus vorweisen.

Seit 2014 ist Greubel beim Schraubenhersteller Würth und hat sich dort unauffällig, aber beharrlich nach oben gearbeitet. Sein Meisterstück war die Sanierung des Italiengeschäfts. Ihm sei dort „die Wende aus einer Krisensituation in ein wieder zweistellig wachsendes Unternehmen“ gelungen, hieß es in der Mitteilung zur Berufung ins oberste Führungsgremium zum Januar 2019.

Der ehemalige McKinsey-Mann gilt als ehrgeizig

Greubel gilt als sehr ehrgeizig. Er sei zu Würth mit der klaren Option gewechselt, Karriere bis hin zum Geschäftsführer zu machen, heißt es in Branchenkreisen. Und der ehemalige McKinsey-Berater mit Schwerpunkt Handel war gekommen, um zu bleiben. Er baute in der Region sogleich ein Haus. Der Unterfranke hatte mit dem eher provinziellen Umfeld in der Hohenlohe zunächst keine Probleme. Er fand sogar schnell Zugang zum Firmenpatriarchen Reinhold Würth, der als Chef des Stiftungsaufsichtsrats auch im Alter von 85 Jahren noch das letzte Wort im Unternehmen hat.

Schwieriger war es da schon für Greubel, in der langjährig eingespielten operativen Führungsriege an der Spitze des Familienkonzerns Fuß zu fassen. Eigentlich sollte der Ex-Unternehmensberater strategischen Input geben, aber heiße Zukunftsthemen wie die Digitalisierung waren schon durch Bernd Herrmann besetzt.

Greubel bekam seine Bewährungsprobe in Italien und brachte dort das damals schwierige Geschäft wieder auf Kurs. Mit diesen Meriten baute ihn dann Würth-Vize Peter Zürn schließlich doch noch als seinen Nachfolger auf. Am 1. April 2019 war es dann so weit, Greubel schaffte es in die Konzernführung.

Doch danach kristallisierte sich heraus, dass der Chefposten für ihn nicht so schnell erreichbar sein würde. Es war offensichtlich kein Vorbeikommen am Sprecher der Geschäftsführung, Robert Friedmann. Der 54-Jährige ist seit 1992 im Unternehmen, 15 Jahre davon an der operativen Spitze. „Mich verwundert nicht, dass Greubel die CEO-Chance jetzt bei der Metro ergriffen hat“, sagt ein mit dem Unternehmen vertrauter Insider. Er scheue jedenfalls schwierige Aufgaben nicht.

Noch entscheidender für die Berufung bei Metro jedoch war: Greubel verantwortete bei Würth zuletzt auch alle strategischen Projekte, einschließlich der digitalen Transformation.

Unterstützung von Großaktionär Kretinsky

Und genau dies ist beim Handelskonzern die größte Baustelle. Vorgänger Olaf Koch hatte das Konzernportfolio umgebaut, Kaufhof, Media-Markt-Saturn und Real abgestoßen und so das Unternehmen zu einem reinen Großhändler gemacht. Er hatte auch zahlreiche digitale Projekte angestoßen. Doch die Verknüpfung der Digitalisierungsideen mit dem Kerngeschäft, die fehlt bisher. Zum Jahreswechsel war Koch zurückgetreten, um nach neun Jahren an der Spitze die strategische Neuausrichtung in andere Hände zu geben.

Ein Handicap Kochs war auch, dass der größte Aktionär nicht wirklich hinter ihm stand. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky, der über die Holding EP Global Commerce mittlerweile 40 Prozent der Metro-Anteile kontrolliert, hatte zwar keine offene Kritik am Vorstandsvorsitzenden geübt, sich in Hintergrundgesprächen aber immer wieder unzufrieden gezeigt und angedeutet, dass ihm der Umbau des Handelskonzerns nicht schnell genug gehe.

In die Auswahl Greubels hat sich Kretinsky über den von ihm entsandten Aufsichtsrat Marco Arcelli aktiv eingeschaltet. Wie aus seinem Umfeld zu hören war, befürwortet der Investor die Wahl und schätzt besonders die Digitalkompetenz des Neuen. „Wir glauben, dass Herr Greubel die richtige Person ist, um Metro in die nächste Phase zu führen“, teilte EP Global Commerce am Montag mit.

Auch die beiden anderen Großaktionäre Meridian Stiftung und Beisheim Gruppe, die zusammen 23 Prozent an Metro halten, begrüßten die Entscheidung. Sie lobten ihn in einer Mitteilung als „ausgewiesenen Kenner des Großhandelsgeschäfts“.

Tanzvideo auf Tiktok

Zugleich wiesen sie darauf hin, dass vor dem Hintergrund der Pandemie auf Greubel herausfordernde Aufgaben warten. Die Konzentration auf das reine Großhandelsgeschäft verleiht der Metro operativ zwar mehr Fokus. Doch es macht sie zugleich angreifbarer, wenn wie jetzt der größte Teil der Kunden wegen des Lockdowns den Betrieb vorübergehend einstellen muss. „Ich bin fest entschlossen, das Wachstum zu beschleunigen und gleichzeitig Werte für Metros Kunden und Aktionäre zu schaffen“, lässt sich Greubel selbstbewusst zitieren.

Wie stark die erneute Schließung von Restaurants und Hotels den Lieferanten Metro getroffen hat, wird sich zeigen, wenn das Unternehmen am Mittwoch um 18.30 Uhr seine Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht, das Ende Dezember abgeschlossen wurde – und damit voll in den zweiten Lockdown fiel. Das Geschäft verantworten zurzeit die Vorstände Christian Baier und Rafael Gasset. Gemeinsam haben sie für eine Interimszeit die Position des Vorstandsvorsitzenden übernommen. Doch es war schon länger deutlich, dass keiner von ihnen für die Koch-Nachfolge infrage kam und ein neuer Chef von außen frischen Wind bringen soll.

Greubel ist bei Metro kein komplett Unbekannter. Als Partner in der europäischen Retail & Consumer Goods Practice bei McKinsey beriet er den Konzern bereits bei Transformationsprojekten.

Dass er die Aufgabe an der Metro-Spitze mit Energie und frischen Ideen angehen dürfte, können seine neuen Kollegen, wenn sie möchten, beim sozialen Netzwerk Tiktok bestaunen. Dort hat er kurzerhand die Vorstellung eines neuen Produkts der Würth-Gruppe mit einer rasanten Tanz-Performance inszeniert.