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Der dritte Klarna-Gründer hätte Milliardär sein können — stattdessen hat er sein Geld weggegeben

Hayley Cuccinello
·Lesedauer: 6 Min.
Niklas Adalberth war der dritte Gründer von Klarna - doch er stieg aus.
Niklas Adalberth war der dritte Gründer von Klarna - doch er stieg aus.

Vor vier Wochen sammelte der schwedische Fintech-Liebling Klarna bei einer Finanzierungsrunde eine Milliarde Dollar ein und wurde mit 31 Milliarden Dollar bewertet. Zweien seiner Gründer — CEO Sebastian Siemiatkowski und dem ehemaligen Finanzvorstand Victor Jacobsson — bescherte das laut „Forbes“ ein Vermögen von jeweils mehr als zwei Milliarden Dollar. Klarna wurde 2005 gegründet und ermöglicht es Verbrauchern, Artikel in Raten zu bezahlen.

Niklas Adalberth, der dritte Co-Gründer, hätte ebenfalls Milliardär werden können. Als er 2015 ausstieg, gehörten ihm 8 Prozent des Unternehmens. Die wären heute fast 2,5 Milliarden Dollar wert. Aber Adalberth hat seinen Anteil im Laufe der Jahre verkauft, um philanthropische Projekte und sein Impact Investing zu finanzieren. Sein verbleibender Anteil von 0,75 Prozent liegt derzeit bei 230 Millionen Dollar.

Adalberth, 39, hatte gemischte Gefühle, als er zum ersten Mal von der großen Runde hörte. Er freute sich für seine Kollegen, fragte sich aber auch, wie viel mehr er für seine Non-Profit-Organisation hätte sammeln können, wenn er seine Anteile länger behalten hätte. Seit Adalberths Ausscheiden als stellvertretender CEO hat Klarna einen Wertzuwachs von fast 1.300 Prozent erreicht.

Aber er bereut seine Entscheidung nicht. Adalberth hat 140 Millionen Euro (etwa 165 Millionen Dollar) in die Norrsken Foundation investiert, eine gemeinnützige Stiftung, die er 2016 gegründet hat. Er möchte europäische Unternehmer dazu inspirieren, schon zu Lebzeiten mehr zu teilen und in Unternehmen zu investieren, die soziale Probleme wie Klimawandel und psychische Gesundheit angehen.

„Man spricht davon, dass der Zinseszins das achte Weltwunder ist. Ich denke, das Gleiche gilt für die Wirkung. Je früher man anfängt, etwas zu bewirken, desto eher kann das einen Schneeballeffekt für die Zukunft haben“, sagte Adalberth von seinem Haus in Stockholm aus. „Hätte ich bei Klarna bleiben sollen, um zu versuchen, mein Vermögen zu vermehren? Oder war es tatsächlich sinnvoll, mein Geld jetzt auszugeben, wo die Welt es am meisten braucht? Die Entscheidung ist ziemlich einfach.“

‚Ich habe netto etwas Positives geschaffen

Adalberth war 24, als er Klarna mit zwei Freunden, Siemiatkowski und Jacobsson, gründete. „Als ich mit Klarna anfing, hatte ich diesen Glauben, dass Geld mit Glück korreliert“, sagte er. „In diesem Sinne war es von Anfang an sehr egoistisch.“

Im Jahr 2012 konnte das Trio nach einer Fundraising-Runde erstmals Anteile an Klarna verkaufen. Über Nacht hatte Adalberth 10 Millionen Dollar auf seinem Bankkonto. Er beschloss zu feiern, indem er auf dem Flug von Stockholm nach San Francisco zu einer Konferenz einen Zwischenstopp in Las Vegas einlegte. Er gönnte sich einen Flug in der Business-Class, eine Hotelsuite mit Blick auf den Strip, gutes Essen und einen Einkaufsbummel bei einem Designer.

„Aber als ich diesen Traum lebte, fing ich an, dieses ungute Gefühl zu bekommen: ‚Hey, ich kann den Unterschied zwischen diesem Wein und dem S*****-Wein, den ich zu Hause habe, nicht wirklich schmecken“, sagte er. „‚Ich schlafe auch nicht besser in dieser Panorama-Suite — verglichen mit meinem Ikea-Bett zu Hause.‘“

Er fügte hinzu: „Ich fing an, meine Einkaufstaschen anzuschauen, und sie schauten mich an, als ob sie eine Art Botschaft hätten. Und diese Botschaft war: ‚Du bist so erbärmlich. Wie kannst du glauben, dass all dieser Konsum oder dieses Zeug in irgendeiner Weise Glück oder Sinnhaftigkeit kaufen könnte?‘“

Nach der Reise begann er eine Therapie und zog sich zurück. Er sagte, dass er angefangen hat, seine Prioritäten neu zu setzen. Das führte ihn zu seiner Entscheidung, Klarna 2015 zu verlassen. „Ich denke, Klarna macht viele tolle Dinge. Aber wir ermöglichen es den Menschen auch, Einkäufe in Raten zu bezahlen. Ist es wirklich das, was die Welt braucht? Dinge zu kaufen, die sie vielleicht nicht brauchen, zu einem bestimmten Zinssatz, den sie in der Zukunft abbezahlen werden?“, sagte er.

„Ich habe so viel Glück im Leben und mehr Geld macht keinen Sinn. Und ich möchte wirklich in der Lage sein, mich selbst im Spiegel anzuschauen und zu sehen, dass ich netto etwas Positives geschaffen habe“, fügte er hinzu.

‚Vielleicht können wir die Top-Talente dazu bringen, echte Probleme anzugehen

Ein Jahr, nachdem er Klarna verlassen hatte, gründete Adalberth mit 20 Millionen Dollar aus dem Verkauf einiger seiner Anteile die Norrsken Foundation — eine gemeinnützige „Tech for Good“-Stiftung mit einem Risikokapital-Arm für die Frühphase. Er holte sich einen ehemaligen Klarna-Kollegen, Erik Engellau-Nilsson, als CEO der Stiftung an Board. Ihr Motto lautet: „Get good s--- done.“

Adalberth wählte ein schickes 2.400 Quadratmeter großes Büro in der Stockholmer Innenstadt als Hauptsitz von Norrsken. Als er bemerkte, dass es für seine Mitarbeiter viel zu groß war, macht er das Norrsken-Haus zu einem subventionierten Arbeitsbereich für Menschen, die in wirkungsorientierten Unternehmen arbeiten. Er dachte, dass der hippe Startup-Hub mit einem Meditationsraum, einem Veranstaltungsraum und einem Fotostudio dem sozialen Unternehmertum ein gewisses Gütesiegel verleihen könnte. Heute hat Norrsken 450 Mitarbeiter.

„In Schweden ist es jetzt ziemlich populär, zu versuchen, ein Einhorn-Gründer zu werden. Viele Medien drehen sich um die erfolgreichsten Unternehmer, aber auch um Instagram-Prominente und Sportstars“, sagte er. „Was ich mit der Stiftung versuche, ist zu sehen, ob wir Impact-Unternehmer zu den nächsten Vorbildern machen können. Vielleicht können wir die Top-Talente dazu bringen, echte Probleme anzugehen und nicht das nächste süchtig-machende Computerspiel oder ein weiteres Online-Casino aufzubauen."

Die Stiftung wird zu 100 Prozent von Adalberth finanziert und unterstützt Initiativen mit geringer Renditechance, aber hoher sozialer Wirkung. Sie hofft, damit im Laufe der Zeit kostendeckend zu arbeiten.

Einziger Kompromiss ist Vegetarismus

In Norrskens Risikokapital-Sparte, die externe Investoren hat, will Adalberth beweisen, dass Impact Investing sowohl finanzielle Renditen als auch sozialen Nutzen generieren kann. Norrsken hat seine „Blaupause“, Dokumente wie Term-Sheet-Vorlagen und Kriterien für die Portfolio-Strategie, online gestellt, um andere zu inspirieren.

Die meisten der 21 Portfoliounternehmen befinden sich in Schweden und widmen sich dem Umweltschutz. Die mobile App Karma zum Beispiel reduziert die Lebensmittelverschwendung, indem sie Kunden mit Einzelhändlern zusammenbringt, die ein Überangebot haben. Das spart vier Millionen Mahlzeiten ein. Solche Projekte sind erst der Anfang, denn Norrsken hat im vergangenen Monat seinen 125-Millionen-Euro-Fonds für Startups im Frühstadium geschlossen.

Wenn eine dieser Investitionen finanziell erfolgreich ist, wird der Gewinn nicht an Adalberth gehen. Sein Carried Interest — sein Anteil an zukünftigen Gewinnen, wenn ein Portfoliounternehmen an die Börse geht oder übernommen wird — geht gemäß den Fondsbedingungen zurück an die Stiftung. Durch den Verzicht auf diesen Anteil und die Reduzierung seiner Klarna-Beteiligung hat Adalberth eine ordentliches Vermögen verpasst. Aber er sagte, der einzige Kompromiss, den er wirklich gemacht habe, sei, Vegetarier zu werden. „Ich liebe es, Fleisch zu essen. Es ist der einzige Bereich in meinem Leben, in dem ich tatsächlich auf etwas verzichte“, sagte er. „Aber abgesehen davon, lebe ich jetzt ein Traumleben.“

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.