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Jeder dritte Beschäftigte fürchtet Corona-Infektion im Job

Specht, Frank
·Lesedauer: 2 Min.

Trotz des Lockdowns ist die Furcht vor Ansteckung bei der Arbeit nicht kleiner geworden, zeigt eine Umfrage. Auch weil ein Betrieb statistisch nur alle 25 Jahre auf Einhaltung der Arbeitsschutznormen kontrolliert wird.

Die Regierung hat angesichts der Corona-Pandemie den Arbeitsschutz verstärkt. Foto: dpa
Die Regierung hat angesichts der Corona-Pandemie den Arbeitsschutz verstärkt. Foto: dpa

Die Angst der Beschäftigten vor einer Corona-Infektion ist weiter hoch. Im Januar machte sich gut jeder dritte (35 Prozent) Sorgen, sich bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin anzustecken. Trotz der verschärften Corona-Maßnahmen sind die Befürchtungen gegenüber den Vormonaten nicht kleiner geworden.

Dies zeigt eine nicht repräsentative Befragung des Portals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wissenschaftlich betreut wird. An der Umfrage haben seit April mehr als 34.000 Beschäftigte teilgenommen, knapp 11.100 Datensätze stammen aus der Zeit des zweiten Lockdowns seit dem 2. November 2020.

In den Sommermonaten Juni und Juli, als die Infektionszahlen vergleichsweise niedrig waren, fürchtete nur jeweils rund ein Viertel der Beschäftigten eine Infektion bei oder auf dem Weg zur Arbeit. Aktuell ist die Sorge naturgemäß am stärksten bei Berufsgruppen verbreitet, die viel Kontakt zu anderen Menschen haben.

In Erziehungs-, Sozial- und medizinischen Gesundheitsberufen sieht deutlich mehr als die Hälfte der seit Beginn des zweiten Lockdowns Befragten ein Infektionsrisiko.

Bei Verkäufern und Altenpflegern liegt die Quote nur knapp unter 50 Prozent. Deutlich sicherer fühlen sich Beschäftigte in Produktion und Fertigung, wo weniger als ein Drittel eine Ansteckung fürchtet.

Mit 54 Prozent bescheinigt die Mehrheit der Befragten ihrem Arbeitgeber, ausreichende betriebliche Schutzmaßnahmen umgesetzt zu haben. Jeder dritte Befragte sieht noch Verbesserungsbedarf, jeder achte vermisst einen angemessenen Schutz. „Viele Arbeitgeber haben schnell und vorbildlich auf die neue Lage reagiert“, sagt Elke Ahlers, WSI-Expertin für Arbeit und Gesundheit. „Aber leider ist das noch nicht überall der Fall.“

Die Bundesregierung hatte im Januar die Sars-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung verschärft. Demnach sind Arbeitgeber verpflichtet, Beschäftigten mit Büro- und vergleichbaren Tätigkeiten Homeoffice anzubieten, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen.

Außerdem müssen sie Gefährdungsbeurteilungen anpassen, für ausreichend Abstand zwischen Beschäftigten sorgen und – wenn sich der nicht gewährleisten lässt – für Abtrennungen sorgen und Masken bereitstellen.

Viele Unternehmen geben Verantwortung an Beschäftigte ab

Viele Betriebe setzten aber noch zu einseitig auf verhaltensorientierte Maßnahmen bei den Beschäftigten, ohne die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation an die Bedingungen der Corona-Pandemie anzupassen, kritisiert Ahlers. Die nach dem Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen körperlicher und psychischer Belastungen seien schon vor Corona nur mangelhaft umgesetzt worden.

Gerade in der Pandemie seien Arbeitsschutzkontrollen besonders wichtig, betont Ahlers. Leider seien die Kontrollbehörden aber „personell sehr dünn aufgestellt“. Rein statistisch werde ein Betrieb in Deutschland nur alle 25 Jahre auf die Einhaltung des Arbeitsschutzes kontrolliert.