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Wall Street schließt im Plus – Boeing-Aktie steigt um 14 Prozent

Die US-Börsen verbuchen leichte Gewinne. Doch die Sorgen vor einer zweiten Corona-Welle halten an. Genehmigte Testflüge der 737 Max treiben Boeing-Papiere hoch.

Nach dem jüngsten Kursrutsch haben einige Anleger am Montag die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in den US-Aktienmarkt genutzt. Bei den Investoren setzte sich auch die Ansicht durch, dass die wieder zunehmenden Coronavirus-Infektionszahlen etwa in einigen US-Regionen die Erholung der Weltwirtschaft wohl nicht bremsen dürften. Mut machten auch der erste Anstieg der Gewinne chinesischer Industrieunternehmen seit einem Jahr und die verbesserte Stimmung der europäischen Firmen.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 2,3 Prozent höher auf 25.595 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,2 Prozent auf 9874 Punkte vor. Der breit gefasste S & P 500 legte 1,5 Prozent auf 3053 Punkte zu.

Investoren sind aber nach wie vor hin- und hergerissen zwischen den wieder gestiegenen Corona-Sorgen und Konjunkturdaten, die auf eine Erholung der Wirtschaft hindeuten. Es stehe ein großes Fragezeichen hinter der Aktienmarkterholung, sagte Analyst Craig Erlam vom Währungshändler Oanda. Investoren schienen die Gefahr erneuter virusbedingter Abriegelungen und Einschränkungen weltweit derzeit nicht einzupreisen.

Die WHO meldete die meisten Coronavirus-Infektionen an einem einzigen Tag – mit weltweit mehr als 500.000 Todesfällen und bestätigten Fällen von mehr als zehn Millionen.

Mehr als zwei Drittel der Anleger halten einen 20-prozentigen Rückgang des Aktienmarktes für wahrscheinlicher als einen Gewinn in ähnlicher Höhe, so die Zahlen einer Umfrage unter institutionellen Kunden der Citigroup.

Dennoch geben US-Unternehmen Anlass zur Hoffnung, dass eine Gewinnrezession weniger stark ausfallen könnte als von Analysten erwartet. Das Signal kommt von einem Profit-Outlook-Index, der von Bloomberg zusammengestellt wurde und auf den von den Unternehmen revidierten Prognosen beruht. Der Index zeigt an, dass mehr Unternehmen ihre Prognosen angehoben als gesenkt haben.

Doch Analysten schätzen, dass die Gewinne für den S & P 500 im zweiten Quartal um 44 Prozent fallen werden, nach einem Rückgang von 18 Prozent im ersten Quartal. Die steigenden Infektionszahlen vor allem in den USA bremsen die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung der Konjunktur.

„Das Tempo der Coronavirus-Ausbreitung in den USA ruft vielen die Tatsache in Erinnerung, dass die Pandemie noch lange nicht ausgestanden ist“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. In Kalifornien mussten in mehreren Landkreisen die Bars wieder schließen.

Blick auf die Einzelwerte

Die Aktien von Boeing sprangen mehr als 14 Prozent in die Höhe. Der Flugzeugbauer durfte nach einem über ein Jahr dauernden Startverbot mit Testflügen für die 737 MAX beginnen. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA gab dafür nun grünes Licht. Die Boeing 737 MAX wurde nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten im März 2019 aus dem Verkehr gezogen.

Die Papiere von Coty gewannen mehr als 13 Prozent. Der Kosmetik-Konzern der deutschen Milliardärsfamilie Reimann, zu dem unter anderem die Marke „Wella“ gehört, übernimmt für 200 Millionen Dollar 20 Prozent der Kosmetik-Firma „KKW“ des Reality-TV-Stars Kim Kardashian West.

Gefragt waren auch die Anteilsscheine von Biontech. Die in den USA notierten Aktien des deutschen Entwicklers eines Coronavirus-Impfstoffs kletterten um knapp sechs Prozent, nachdem Singapurs Staatsfonds und andere Investoren 250 Millionen Euro frisches Kapital in die Biotech-Firma gesteckt hatten.

Gilead Sciences blieb so gut wie unverändert. Der US-Biotechkonzern hat die Behandlungskosten für sein als Hoffnungsträger geltendes Medikament Remdesivir für Corona-Patienten festgelegt.

Der Preis für eine fünftägige Behandlung mit dem Mittel, das Gilead ursprünglich zum Einsatz gegen Ebola-Infektionen entwickelt hatte, soll in den USA und anderen Industrieländern 2340 Dollar pro Patient betragen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Für Privatpatienten sollen es 3120 Dollar sein.

Die Papiere von Southwest Airlines profitierten deutlich von einem positiven Analystenkommentar und gewannen fast zehn Prozent. Die Expertin Catherine O'Brien von der US-Bank Goldman Sachs rechnet in erster Linie wegen des heimischen Netzwerks der Fluggesellschaft und ihrer im Vergleich zur Branche führenden Bilanzsituation mit einer rascheren und stärkeren Erholung der Nachfrage von der Corona-Abriegelung.

Die Anteilsscheine von Facebook standen angesichts weiterer Werbeboykotte im Blick. Aus Protest gegen den Umgang des Unternehmens mit Hasskommentaren und abwertenden Inhalten in seinen Diensten haben sich mittlerweile Dutzende Unternehmen einem Aufruf zum Werbeboykott angeschlossen. Analyst Douglas Anmuth von der US-Bank JPMorgan sprach von einem kurzfristigen Risiko für die Aktien, mit Blick auf die wichtigen Finanzkennziffern von Facebook bestehe aber kein größeres Risiko. Die Papiere machten in dem wieder deutlich aufgehellten Umfeld anfängliche Verluste wett und legten um gut zwei Prozent zu.

Angesichts dieser Boykotte spekulierten Anleger, dass Facebook-Werbekunden sich nun neu orientieren und verstärkt die Dienstleistungen von Werbeagenturen in Anspruch nehmen könnten. Damit zogen die Anteilsscheine von Interpublic um fast fünf Prozent und die von Omnicom um rund drei Prozent an.

Mit Agenturmaterial