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Ein digitaler Euro rückt für die EZB näher

·Lesedauer: 3 Min.

In Kürze legt die europäische Notenbank Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zum digitalen Euro vor. Danach könnten weitere Schritte folgen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) liebäugelt mit der Einführung eines digitalen Euros. In Kürze will sie die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe dazu vorstellen. Der Report soll die Vor- und Nachteile diskutieren und mögliche Optionen zur technischen Umsetzung eines digitalen Zentralbankgelds aufzeigen. Er befindet sich aktuell noch in Abstimmung mit den nationalen Notenbanken.

Auch wenn im Report voraussichtlich keine Festlegung auf die Einführung eines digitalen Euros getroffen wird, sollen darin die Vorteile großen Raum einnehmen. EZB-Chefin Christine Lagarde hatte vor Kurzem betont, dass die Entscheidung über die Einführung noch offen sei. Neue Technologien könnten die Effizienz von Finanztransaktionen verbessern und Europa einen Innovationsvorteil bieten, gleichzeitig seien damit aber auch Risiken verbunden.

Im EZB-Rat gibt es Stimmen, die auf schnelle Entscheidungen drängen. So mahnte der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau, Europa stehe in Bezug auf den Zahlungssektor vor „dringenden und strategischen“ Entscheidungen. „Wir können uns nicht erlauben, bei digitalem Zentralbankgeld zurückzubleiben.“

In China testet die Notenbank bereits seit April 2020 ihre digitale Zentralbankwährung – zunächst noch lokal begrenzt. Vorausgegangen war eine etwa fünf Jahre lange Untersuchungsphase. Sollte sich die EZB zur Einführung eines digitalen Euros entscheiden, würden voraussichtlich ebenfalls noch Jahre bis zur tatsächlichen Umsetzung vergehen.

Befürworter eines digitalen Euros erhoffen sich davon mehr Effizienz im Zahlungsverkehr. Vor allem grenzüberschreitende Transaktionen sind derzeit noch mit hohen Gebühren und längeren Bearbeitungszeiten verbunden. Möglicherweise ließen sich diese durch digitales Zentralbankgeld auf Basis der Blockchain-Technologie deutlich schneller und billiger durchführen.

Europa hat Rückstand

Zudem könnte ein digitaler Euro neue Möglichkeiten der Digitalisierung wie Smart Contracts ermöglichen. Das sind Verträge auf Blockchain-Basis, die bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses selbstständig Folgehandlungen auslösen.

Eine Rolle in der Diskussion spielen aber auch industriepolitische Argumente. Viele sehen die Gefahr, dass Europa bei Zahlungstechnologien weiter abgehängt wird. Bereits jetzt dominieren hier US-Anbieter wie Visa, Mastercard und Paypal sowie chinesische Konzerne wie Alibaba und Tencent. Zudem drängen Tech-Konzerne wie Google und Apple auf den Markt.

Kritiker eines digitalen Euros verweisen hingegen auf mögliche Gefahren für die Finanzstabilität. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann beispielsweise tritt eher für eine vorsichtige Vorgehensweise ein und sieht zunächst Bedarf für weitere Analysen.

In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte er Anfang des Jahres davor gewarnt, dass digitales Zentralbankgeld das Finanzsystem unsicherer machen könnte. „Abhängig von der Ausgestaltung würden die Kunden womöglich in großem Stil von Bankguthaben in digitales Zentralbankgeld umschichten und den Banken eine wichtige Finanzierungsquelle entziehen“, sagte er. Auch die Gefahr eines Bankruns in einer Krisensituation könne steigen.

Die deutschen Privatbanken dagegen hatten unlängst auf eine zügige Einführung des digitalen Euros gedrängt. Damit wollen sie verhindern, dass Europa im Vergleich mit China und den USA weiter zurückfällt. Die Einführung eines programmierbaren Euros sei unabdingbar. Er sei die zwingende Antwort auf die Bedrohung der digitalen Souveränität Europas durch die Facebook-Cyberwährung Libra oder einen digitalen Renminbi in China.