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Diese fünf deutschen Firmen waren vor 30 Jahren noch große Dax-Unternehmen — das wurde aus ihnen

·Lesedauer: 5 Min.
Nixdorf 820, ein universeller Rechner, der als Grundstein für den Erfolg von Nixdorf gilt
Nixdorf 820, ein universeller Rechner, der als Grundstein für den Erfolg von Nixdorf gilt

Im Dax leben einige Dinosaurier. Als der wichtigste Aktienindex Deutschlands vor mehr als 30 Jahren am 1. Juli 1988 eingeführt wurde, um die Wertentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen am Aktienmarkt zu messen, gab es einige Unternehmen, die sich bis heute dort gehalten haben.

So waren schon damals Unternehmen wie die Allianz, BASF, Bayer, BMW, Daimler, Volkswagen oder Siemens vertreten. 15 Gründungs-Unternehmen haben im Dax überlebt. Manche sind abgestiegen. Und so manche Traditionskonzerne, damals noch leuchtende Sterne am deutschen Unternehmenshorizont, sind komplett verschwunden.

Wir zeigen euch fünf Unternehmen, einst stolze Dax-Konzerne, die es vor 30 Jahren noch gab und die mittlerweile nicht mehr existieren.

Nixdorf: Der „deutsche Steve Jobs“

In Paderborn lebte einst ein König. Doch vor 30 Jahren war der König, wie man ihn in seiner Heimatstadt nannte, bereits tot und sein Unternehmen abgestürzt. Heinz Nixdorf, 1925 geboren, war ein deutscher Computer-König, ein Pionier, der wie kaum ein anderer Unternehmer für den Aufstieg der IT-Branche und das Wirtschaftswunder in Deutschland stand. Der WDR nannte ihn den „deutschen Steve Jobs“ der 60er- und 70er-Jahre.

Heinz Nixdorf
Heinz Nixdorf

Mit der Nixdorf Computer AG mischte Nixdorf zu Beginn des Computer-Zeitalters kräftig mit. Er sah die Marktlücke neben Unternehmen wie IBM, die mit ihren Großcomputern zwar den Markt beherrschten, für Mittelständler aber häufig zu teuer waren. „Computer müssen so klein sein, dass sie in die linke untere Schublade eines Buchhalter-Schreibtisches passen“, soll Nixdorf einmal gesagt haben, wie die „Welt“ schreibt.

Doch nachdem Nixdorf nach einem Herzinfarkt auf der Computermesse Cebit starb, ging es mit dem Unternehmen bergab. Der Konzern verschlief den Trend der Personal Computer (PC) und die Unternehmenswerte sanken. Das Unternehmen flog 1990 aus dem Dax. Siemens stieg zunächst noch in das Unternehmen ein und Ende der Neunziger wieder aus.

Heute könnt ihr den Namen Nixdorf noch hin und wieder auf Geldautomaten lesen. Ein Überbleibsel des Unternehmens wurde zum Geld- und Kassenautomaten-Hersteller, doch auch der wurde vor einigen Jahren vom US-Konkurrenten Diebold übernommen.

Immerhin eines hat überlebt, wenn auch nur in Paderborn: Dort gibt es das größte Computermuseum der Welt – benannt nach Heinz Nixdorf.

Mannesmann: Für einen symbolischen Euro verkauft

Vor 30 Jahren ahnte bei Mannesmann wohl noch niemand, dass das Unternehmen um die Jahrtausendwende Wirtschaftsgeschichte schreiben würde. Mannesmann, das war ein deutscher Industrieriese, noch im 19. Jahrhundert gegründet, groß geworden mit nahtlosen Stahlrohren – damals eine Sensation.

Mit der Zeit diversifizierte das Industrieunternehmen sein Portfolio, machte unter anderem in Luxusuhren. 1990 kaufte es die Lizenz, um das erste private Mobilfunknetz in Deutschland („D2“) aufzubauen und zu betreiben. Zwar lief das ursprüngliche Geschäft weiter, doch aus dem Stahlriesen wurde in den Neunzigern ein erfolgreicher Mobilfunkanbieter. 1999 machte das Unternehmen 23 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigte gut 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Fassade von Mannesmann in Frankfurt-Rödelheim, Aufnahme vom 10. Februar 1999
Fassade von Mannesmann in Frankfurt-Rödelheim, Aufnahme vom 10. Februar 1999

Doch dann schlug der britische Mobilfunkanbieter Vodafone zu. 180 Milliarden Euro legte Vodafone am Ende für die feindliche Übernahme auf den Tisch. Es ist bis heute die teuerste Übernahme weltweit. Vodafone zerschlug Mannesmann. So zählte etwa die Uhrenmanufaktur „A. Lange & Söhne“ nicht mehr lange zum Unternehmen, sie wurde an Richemont verkauft. Und die Salzgitter AG kaufte die Röhrenproduktion schuldenfrei für einen symbolischen Euro. Immerhin: Die Rohre werden noch heute unter der Marke Mannesmann vertrieben.

Schering: Übernommen vom „weißen Ritter“

Im alten Berliner Arbeiterviertel Wedding residierte vor 30 Jahren ein Dax-Konzern: Die Schering AG, ein traditionsreiches Pharma-Unternehmen, vom Berliner „Tagesspiegel“ wahlweise als „der große Stolz der Hauptstadt“, ein „Berliner Urgewächs“ oder „ein Stück bedeutender Berliner Industriegeschichte“ betitelt.

Die Schering-Zentrale in Berlin (2001)
Die Schering-Zentrale in Berlin (2001)

Noch heute erhebt sich die graue Zentrale entlang der Müllerstraße, nur prangt dort nicht mehr der Schering-Schriftzug, sondern das Logo eines anderen Dax-Unternehmens: Bayer. Der Konkurrent aus Leverkusen hatte das Unternehmen 2006 übernommen. Allerdings in einer freundlichen Übernahme, als sogenannter „weißer Ritter“. Zuvor hatte ein anderer Pharma-Riese ein feindliches Angebot abgegeben: Merck.

Hoechst: eine zerschlagene „Weltapotheke“

Jürgen Dormann galt Mitte der Neunziger als „Deutschlands radikalster Manager“. Dormann war seit 1994 Vorstandsvorsitzender der Hoechst AG, eines traditionsreichen Pharma- und Chemiekonzerns aus Frankfurt, 1863 gegründet, Dax-Gründungsmitglied.

Zu Beginn der Neunziger machte das Unternehmen noch einen Umsatz von umgerechnet rund 23 Milliarden Euro und beschäftigte rund 173.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hoechst galt als „Weltapotheke“. Doch das Geschäft flachte ab, manche Sparten waren nicht mehr profitabel. Und so spaltete Dormann den Weltkonzern auf, so wie es auch heute große Konglomerate wie etwa Siemens machen – ganz dem Shareholder-Value folgend.

Westtor des Stammwerkes der Hoechst AG in Frankfurt-Höchst (1996)
Westtor des Stammwerkes der Hoechst AG in Frankfurt-Höchst (1996)

Dormanns Ziel: Den unübersichtlichen Konzern verschlanken und in einen Life-Science-Konzern verwandeln. Er zerschlug das Unternehmen, das Chemie-Geschäft ging an Celanese. Aus der Pharma-Sparte wurde 1999 gemeinsam mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc das Unternehmen Aventis – das 2004 von Sanofi übernommen wurde.

Preussag: Der lange Weg zu Tui

Die Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft, kurz Preussag, hat einen der radikalsten Wandel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte hinter sich, der am 26. Juni 2002 ein Ende nahm. Auf der Hauptversammlung der Preussag AG wurde ein neuer Name angenommen: Tui.

Preussag-Konzernzentrale in Hannover (2002)
Preussag-Konzernzentrale in Hannover (2002)

Preussag, einst Staatsunternehmen, dann das erste teilprivatisierte Unternehmen in Deutschland, hatte sich über die Jahre von einem Montanbetrieb über einen Industriekonzern hin zu einem breiten Gemischtwarenladen entwickelt, der sogar Konsumgüter führte. Mitte der Neunziger kam dann mit dem Manager Michael Frenzel die Kehrtwende: Die Industrie-Sparten wurden weitestgehend abgestoßen, Preussag konzentrierte sich fortan auf Tourismus, übernahm erst Tui und später dann den Namen des Reisekonzerns, unter dem das Unternehmen heute bekannt ist.

In unserer Serie "Vor 30 Jahren" beleuchten wir verschiedene Aspekte der Wirtschaft, im Vergleich von 1991 bis heute. Dieser Text ist Teil davon.

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