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Diese Dinge müssen gegeben sein, wenn ihr eine offene Beziehung ausprobieren wollt – laut einer Paartherapeutin

(Symbolbild) Wie muss eine Beziehung beschaffen sein, möchte man sie öffnen? - Copyright: Getty Images/ Maskot
(Symbolbild) Wie muss eine Beziehung beschaffen sein, möchte man sie öffnen? - Copyright: Getty Images/ Maskot

Offene Beziehungen sind eine alternative Beziehungsform, in welcher die sexuelle Exklusivität infrage gestellt wird. Heißt: Offene Paare führen eine feste Beziehung miteinander, haben aber auch Sex mit anderen. Für viele Menschen verspricht diese Beziehungsform all ihre Bedürfnisse zu erfüllen – sie erwarten sich hiervon etwa Geborgenheit und sexuelle Freiheit in einem.

So vielversprechend und aufregend eine offene Beziehung von außen betrachtet auch wirken mag: Laut der Paartherapeutin Aino Simon ist sie nicht für jeden das richtige Modell und bedeutet deutlich mehr Beziehungsarbeit als eine monogame Beziehung ohnehin schon. Im Interview erklärt Simon, welche Qualitäten eure Beziehung mitbringen muss, möchtet ihr sie öffnen. Spoiler: Eine tiefe Bindung und Zeit sind Faktoren, die ihr nicht unterschätzen solltet.

Was eure Partnerschaft mitbringen muss, wenn ihr sie öffnen wollt

Aino Simon ist Paartherapeutin und Gründerin der innovativen Paartherapie „Couple Care“. Sie weiß, dass sich um das Thema offene Beziehung zahlreiche Mythen ranken. Etwa, dass man seine Beziehung mit der Öffnung retten oder ohne Weiteres losrennen und mit zig anderen schlafen kann. In diesem Text hat Simon diese Mythen bereits entkräftet:

Paar Bett
Paar Bett

Eine starke Bindung

Ein weiterer Irrglaube, dem viele beim Thema offene Beziehung erliegen, ist der, dass diese alternative Beziehungsform einfach und locker wäre. Tatsächlich bedeute eine offene Beziehung aber nicht, dass man tun und lassen könne, was man wolle. Das Öffnen der Beziehung sei sehr viel komplexer und verlange in erster Linie nach einer starken Bindung. Auch in einer offenen Beziehung stehe also die Hauptbeziehung an erster Stelle, stellt Simon im Interview klar.

So sei es auch in einer offenen Beziehung wichtig, monogame Phasen zu haben, „beziehungsweise Phasen, in dem das Paar im Mittelpunkt steht und sich selbst kennenlernt und überhaupt erschafft.“ Die Grundlage einer jeden offenen Beziehung sei also eine tiefe Verbindung – und dafür brauche es auch Phasen von starker Konzentration nach innen. Seid ihr nicht gewillt, eine tiefe Bindung einzugehen und euer einziges Ziel ist, gleichzeitig verschiedene Beziehungen zu pflegen, seid ihr Simon zufolge nicht für eine offene Beziehung gemacht.

Eine gute Kenntnis eurer Bedürfnisse

Diese „Konzentration nach innen“ ermögliche zudem, die eigenen und die fremden Bedürfnisse kennenzulernen. Simon sagt: „Es geht darum zu wissen, was man selbst und der andere braucht, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.“ Eine Beziehung sei dann gut, wenn ihr die Werte, die für euch wichtig sind, verwirklichen könnt.

Schafft ihr das in eurer Beziehung, habt ihr eine Basis, um auch schwierige Themen verhandeln zu können – und seid zudem befähigt, eure Beziehung unter Umständen zu öffnen. Kennt ihr weder eure eigenen Bedürfnisse noch die eures Partners zur Genüge und fehlt es euch in der Beziehung an etwas, ist das im Umkehrschluss nicht der ideale Nährboden für eine offene Beziehung.

Eine gute Paarfürsorge

Wollt ihr eure Beziehung öffnen, braucht ihr außerdem eine gute Couple Care, zu Deutsch: Paarfürsorge. Hierbei gehe es darum, dass ihr euch gegenseitig positive Impulse setzt. „Denn unser Gehirn neigt evolutionsbiologisch dazu, das Negative stärker wahrzunehmen“, erklärt Simon. Hierbei helfen können sogenannte Liebeszeichen.

„Die Art und Weise, wie man sich anschaut, anfasst, welche Gesten man sich zeigt, was man sich sagt – all diese Dinge geben positive Impulse.“ Ein typisches Liebeszeichen kann beispielsweise sein, dass euer Partner euch morgens immer eine Tasse Kaffee ans Bett bringt oder euch beim gemeinsamen Filmabend streichelt.

Möchtet ihr eure Beziehung öffnen, seien diese Liebeszeichen unabdingbar. Ein Beispiel: Stellt euch vor, ihr erlaubt euch, mit anderen zu schlafen. Ganz gleich, wie positiv gesinnt ihr diesem Experiment gegenübersteht: Ihr werdet mit großer Wahrscheinlichkeit auf Probleme wie Eifersucht stoßen. Ihr könntet zum Beispiel die Angst entwickeln, dass euer Partner seine Sexpartnerin toller findet als euch.

Kommen Eifersucht und Ängste auf, sei es wichtig, den Fokus wieder auf den eigenen Beziehungsraum zu richten. Simon sagt: „Ihr müsst euch fragen, wie ihr eure Beziehung funktioniert und wie ihr euch gegenseitig das gebt, was ihr braucht.“ Mithilfe eurer Liebeszeichen könnt ihr euch wortlos zeigen, dass alles in Ordnung ist und jegliche Ängste unbegründet sind. Und dass ihr füreinander die oberste Priorität habt. Ganz einfach dadurch, dass ihr euch zum Beispiel weiterhin den Kaffee ans Bett bringt und beim Fernsehen streichelt.

Eine gute Konfliktkultur

Ganz gleich, ob monogam oder offen – in jeder Beziehung entstehen Konflikte. Möchtet ihr eure Beziehung öffnen, braucht ihr jedoch besonders gute Techniken, um diese zu bearbeiten. Simon sagt: „Das Öffnen der Beziehung wird potenziell immer ein Problem sein. Besser gesagt: Es ist ein fortdauernder Liebesprozess, bei dem man stets die Aufgabe hat, an seiner Hauptbeziehung zu arbeiten.“ Macht ihr das nicht, wird die offene Beziehung laut der Paartherapeutin scheitern. Einfach gesagt: Seid ihr bereits in eurer monogamen Beziehung mit euren Konflikten überfordert, ist eine offene Beziehung im Zweifel nicht das Richtige für euch.

Neben Techniken brauche es aber auch noch ein anderes Gut, welches oft rar gesät ist: Zeit. „Die Grundlage einer guten Couple Care ist also eine sehr gute Zeitplanung, in der man im Alltag zusammen mit dem Partner entspannt, Aktivitäten angeht, aber auch genug Zeit für Konflikte hat, sie also nicht zwischen Tür und Angel lösen muss“, so Simon. Und diese Zeit müsst ihr nicht nur haben, sondern auch bereit sein, sie regelmäßig zu investieren.

Die Frucht der offenen Beziehung: mehr Erfüllung

So anstrengend und herausfordernd eine offene Beziehung klingen mag: Sie sei auch eine Chance. Eine Chance dafür, an Konfliktthemen zu wachsen. Eine Chance, liebesfähiger zu werden. Und eine Chance, sich gegenseitig tiefer kennenzulernen. Gesetz dem Fall, eure Beziehung bringt die richtigen Voraussetzungen mit.

In einer offenen Beziehung gehe es letztlich darum, euer gesamtes Potenzial auszuschöpfen. „Zwar sollte man all diese Dinge auch in einer monogamen Beziehung erfahren, doch ist hier der Druck nicht so groß“, so Simon. Damit meint sie, dass offene Beziehungen in dem Sinne vorteilhaft sind, weil sie Probleme schneller auf den Tisch bringen. In einer monogamen Beziehung ließen sich Probleme dagegen länger ignorieren.

So seien offene Beziehungen immer auch ein Ort der Arbeit. „Es gibt Phasen, die entspannt und schön sind – und es gibt anstrengende Phasen, in denen es ums Wachsen geht. Das hat man aber in jedem Beziehungsmodell.“ So sei letzten Endes nicht die offene Beziehung per se anstrengend. Vielmehr seien das Leben und die Entwicklung anstrengend. Aber: „Wählt man den Weg der Entwicklung, erntet man auch andere Früchte.“ Öffnet ihr eure Beziehung erfolgreich, könnt ihr euch der Paartherapeutin zufolge auf ein intensiveres Lebensgefühl, mehr Selbstwert und mehr Erfüllung freuen.