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„Deutschland braucht eine schwere Krise“, sagt ein Kapitalmarktstratege, erst danach werde wieder mehr Wachstum möglich

Deutschland in der Doppelkrise. Die Konjunktur läuft schlecht, doch auch darüber hinaus schwinden die Wachstumskräfte.  - Copyright: Picture Alliance
Deutschland in der Doppelkrise. Die Konjunktur läuft schlecht, doch auch darüber hinaus schwinden die Wachstumskräfte. - Copyright: Picture Alliance

Deutschland befinde sich in einem „bedauernswerten Niedergang“, urteilt der Kapitalmarktstratege Harald Preißler vom Vermögensverwalter Bantleon in einem Kundenkommentar. Für eine Wende zu mehr Wachstum bräuchte es Reformen und Investitionen. Doch für die Reformen fehle der Mut, für die Investitionen das Geld. Es sei daher zu befürchten, „dass der politische Mut für eine wachstumsfördernde Agenda 2030 erst auf den Trümmern der nächsten schweren Krise aufgebracht wird.“ Preißlers Ausblick: „Auf diese Krise werden wir wohl nicht allzu lange warten müssen.“

Bantleon ist ein Spezialist für konjunkturbasierte Vermögensanlagen. Mit Standorten in Deutschland und der Schweiz betreut Bantleon nach Angaben des Unternehmens Vermögen von mehr als 41 Milliarden Euro, davon über 21 Milliarden in Publikums- und Spezialfonds vor allem für institutionelle Anleger.

Seinen Beitrag stellt Bantleons Kapitalmarktstratege unter die Überschrift: „Deutschland braucht eine schwere Krise“. Deutlich werde der wirtschaftliche Niedergang an der Industrie. In Deutschland gehe die Produktion gegen den globalen Trend seit fünf Jahren zurück. Als weitere Probleme nennt Preißler „die träge und ausufernde Bürokratie, hohe Abgaben, die demografische Alterung, Arbeitskräftemangel, hohe Energiepreise und vieles mehr“.

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Das wichtigste Problem sei nicht die schwache Konjunktur, sondern dass Deutschland seine Wachstumskraft einbüßt. Selbst wenn alle Menschen und Maschinen voll ausgelastet sind, würde die Wirtschaft nur noch um 0,4 Prozent im Jahr wachsen, hat zuletzt der Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen errechnet. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft, und der Trend zu kürzeren Arbeitszeiten ist ungebrochen. Wenn aber weniger Menschen weniger arbeiten, müsste die Produktivität kräftig steigen, um den Wohlstand wenigstens zu halten. Doch in Deutschland stagniert die Produktivität bestenfalls. „Deutschland befindet sich in keiner konjunkturellen, sondern einer strukturellen Wachstumskrise, die sich nur über eine nachhaltige Beschleunigung der Produktivitätszuwächse überwinden lässt“, folgert Preißler.

„Deutschland braucht eine schwere Krise“, sagt Harald Preißler, Kapitalmarktstratege bei Bantleon. - Copyright: Bantleon
„Deutschland braucht eine schwere Krise“, sagt Harald Preißler, Kapitalmarktstratege bei Bantleon. - Copyright: Bantleon

Wenn die Wirtschaft selbst bei Vollauslastung kaum wächst, gerät sie in jeder Konjunkturschwäche sofort unter Wasser. „Als Folge davon reicht in Zukunft jede noch so kleine konjunkturelle Schwäche in China, den USA oder aber den großen Mitgliedsstaaten der Eurozone aus, um Deutschland in eine Rezession zu treiben“, mahnt Preißler. Um externe Schocks etwa durch Pandemien wie Corona oder Kriege wie in der Ukraine abzufedern, „fehlt schlicht der Speck auf den Rippen“.

Die demografische Alterung dämpfe nicht nur das Produktionspotenzial, sondern erhöht auch die Lasten für Staat und Gesellschaft. Als Beispiel nennt Preißler die Rentenversicherung. 2018 hatte die damalige Koalition aus SPD, CDU und CSU „doppelte Haltelinie“ für die Rente beschlossen. Der Beitragssatz soll nicht über 20 Prozent steigen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent des letzten Einkommens sinken. In der Folge müsste der Zuschuss des Bundes zu Rente weiter steigen. „Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Zuschuss bereits von knapp 60 Milliarden Euro jährlich auf über 100 Milliarden Euro erhöht“, schreibt Preißler und sagt voraus: „Er wird in den nächsten Jahren exponenziell weiter steigen“.

Krise nach Schuldenurteil: „Es hat sich ausgewummst"

Sogar Deutschlands guter Ruf als Schuldner an den internationalen Finanzmärkten sei in Gefahr. Zumal die Zinswende mit Verzögerung die jährliche Zinslast des Staates für seine Schulden in die Höhe treibt und „damit eine Schuldenspirale in Gang setzen könnte“.

Für die Steigerung der Produktivität müsse mehr in Infrastruktur, Digitalisierung und Forschung investiert und mehr Wagniskapital für Firmengründungen mobilisiert werden. Nach dem Verfassungsurteil gegen das „den zuletzt so beliebten Trick 17 der Haushälter, Sondervermögen zweckentfremdet in spätere Haushaltsjahre zu verschieben“ gelte dies umso mehr. „Es hat sich 'ausgewummst'“, schreibt Preißler. „Dass die dringend erforderlichen Investitionen in die Stärkung des Wachstumspotenzials nur noch über die Ausrufung von Notlagen möglich sind, ist ohnehin ein Armutszeugnis“.

Deutschland gehe unruhigen Zeiten entgegen, folgert der Kapitalmarktexperte. „An klugen Vorschlägen, wie das Ruder herumgerissen werden könnte, besteht kein Mangel. Allein der Sachverständigenrat listet mehr als 40 Punkte auf“. Der Druck durch die Krise ist nach Preißlers Einschätzung aber noch nicht ausreichend um die Reformen auch in Angriff zu nehmen.