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Deutsche Niederlassungen in den USA leiden unter den Reisebeschränkungen

·Lesedauer: 4 Min.

Deutsche Niederlassungen bekommen die Corona-Pandemie in den USA zu spüren. Vor allem die Reise- und Visa-Einschränkungen treffen sie hart.

Der Job von Daniel Feldkamp-Lynch ist schwierig geworden. Der Deutsch-Brite leitet das Chicago-Büro der Personalberatung TH Bender, die sich auf US-Niederlassungen von deutschen Mittelständlern spezialisiert hat. Normalerweise vermittelt er Geschäftsführer und andere Topmanager für das US-Geschäft der Deutschen.

„Aber im Moment haben wir große Probleme, Kandidaten für die USA zu finden“, berichtet Feldkamp-Lynch. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen liegt das an den Corona-bedingten Reisebeschränkungen, weshalb Kandidaten nicht zu persönlichen Vorstellungsgesprächen kommen können. Das gilt sowohl für Reisen innerhalb der USA als auch für Transatlantikreisen. Zum anderen erschweren die von US-Präsident Donald Trump eingeführten neuen Visa-Einschränkungen die Einreise – und die Angst vor Corona macht die Lage nur noch schlimmer.

Wie sehr die eingeschränkte Mobilität das Geschäft beeinträchtigt, bestätigt auch die jüngste Blitzumfrage der deutschen Auslandshandelskammern: 69 Prozent der in den USA befragten deutschen Unternehmen gaben an, dass die Reisebeschränkungen sie derzeit mit am meisten belasten.

„Die allgemeinen Reisebeschränkungen sind ein echtes Problem für die deutschen Unternehmen in den USA“, bestätigt der Präsident der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York, Dietmar Rieg. Die Einschränkungen reichen von gestrichenen Flügen über Quarantäneregelungen bis zum kompletten Einreisestopp für alle Europäer, die keine Greencard oder US-Staatsangehörigkeit besitzen, und dem Einreiseverbot für Nichteuropäer nach Deutschland.

Aber auch innerhalb der USA ist das Reisen wegen der vielen Corona-Hotspots und der unterschiedlichen Regelungen von Bundesstaat zu Bundesstaat ein Problem geworden. „Wir haben derzeit viele Anfragen von Maschinenbau-Unternehmen. Oft müssen Geräte gewartet oder repariert werden, und die Unternehmen und Mitarbeiter fragen sich, wie und unter welchen Bedingungen Ingenieure und Techniker anreisen können“, berichtet der Kammerpräsident.

„Einige Bundesstaaten wie New York haben einen klaren Plan zur Wiedereröffnung vorgelegt, sodass die Arbeitgeber wissen, was sie zu tun haben. Das ist aber nicht überall der Fall. Da herrscht viel Unsicherheit“, beobachtet Rieg. Insgesamt beschäftigen deutsche Unternehmen mehr als 700.000 Mitarbeiter in den USA.

Unter Trump hat das Image der USA gelitten

Nach der im Juli veröffentlichen Umfrage sind die deutschen Unternehmen für Nordamerika besonders pessimistisch. Während sieben Prozent weltweit noch dieses Jahr mit einer Erholung der Konjunktur rechnen und 50 Prozent davon ausgehen, dass sich die Wirtschaft 2021 erholt, sind die Schätzungen für Nordamerika schlechter: Nur drei Prozent rechnen noch in diesem Jahr mit einer Erholung, 47 Prozent erwarten sie erst 2021, und 50 Prozent glauben, dass es noch länger dauern wird. Nur für Südamerika sind die Aussichten der deutschen Unternehmen derzeit noch trüber.

72 Prozent der in den USA tätigen deutschen Unternehmen rechnen mit einem Umsatzrückgang. 32 Prozent wollen Arbeitsplätze abbauen. Aber immerhin 14 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen.

Doch gerade die Einstellung von neuen Mitarbeitern wird nicht leicht sein, wie der Personalexperte Feldkamp-Lynch weiß. Dabei rekrutiert TH Bender vor allem in den USA – entweder US-Amerikaner oder Deutsche, die schon länger im Land sind. Vor allem bei den Top-Positionen sei die persönliche Anreise aber immer noch ein Muss: „Die meisten deutschen Mittelständler wollen die Person persönlich kennen gelernt haben, bevor sie ihm oder ihr die Führung ihrer Niederlassung übergeben“, weiß der Recruiter. Doch wegen der Reisebeschränkungen geht das kaum noch.

Erschwerend hinzu kommt noch der „Trump-Faktor“: Unter dem US-Präsidenten hat das Image der USA bei den Deutschen gelitten. Deshalb sei es auch schon vor Corona schwerer geworden, deutsche Mitarbeiter für die USA zu erwärmen, beobachtet Feldkamp-Lynch. „Das politische Klima war eh schon sehr negativ wegen der amtierenden Regierung und ist jetzt noch schlechter geworden“, sagt er.

Der Recruiter erzählt von einem Geschäftsführer, der ein attraktives Paket für eine Position in den USA angeboten hat und dem zehn von zehn angesprochenen Kandidaten abgesagt haben. Der Grund: Sie wollten nicht im Trump-Land arbeiten.

Immerhin hat die Coronakrise auch ihre positiven Seiten, beobachtet er: Während amerikanische Unternehmen wieder einmal viele Mitarbeiter rauswerfen, hielten die deutschen häufig an ihrem Personal fest, um keine qualifizierten Mitarbeiter zu verlieren. „Wenn wir heute Kandidaten ansprechen und sagen, dass wir im Auftrag eines deutschen Familienunternehmens suchen, sind die Leute hier in Amerika auf einmal sehr interessiert“, sagt Feldkamp-Lynch.