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Deutsche Bank setzt mit Numis-Übernahme trotz Brexit auf London

(Bloomberg) -- Die Deutsche Bank AG hat ein Jahrzehnt damit verbracht, Stellen abzubauen, Prozesse beizulegen und Übernahmen rückgängig zu machen, die nach der Finanzkrise in die Binsen gegangen waren.

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In seiner ersten großen Übernahme als Vorstandschef versucht Christian Sewing nun, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Mit der am Freitag bekannt gegebenen Akquisition der Numis Corp setzt er — wie vor ihm auch der Wall-Street-Titan JPMorgan — darauf, dass eine starke Präsenz in London trotz Brexit immer noch der Schlüssel zur Dominanz der Finanzmärkte ist.

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Für Sewing bedeutet der 410 Millionen Pfund (466 Millionen Euro) schwere Deal einen Kurswechsel. Der Bankchef hatte eigentlich auf die bestehenden Stärken im Firmenkundengeschäft und im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren gesetzt. Einen Zukauf in dieser Größenordnung hatte es nicht mehr gegeben, seit die Deutsche Bank sich 2009 die Postbank einverleibt hatte.

Topmanager der Deutschen Bank vergleichen die Transaktion mit JPMorgans Übernahme von Cazenove & Co im Jahr 2009. Bei Börsengängen in Großbritannien war die Wall-Street-Bank mit der Übernahme des Londoner Brokers zum führenden Berater geworden, bei Übernahmen und Fusionsn zur Nummer Zwei auf der Insel.

Numis ist nach der Anzahl der Kunden die Nr. 1 im so genannten Corporate Broking, einer Besonderheit des britischen Marktes, bei der sich Unternehmen in Bezug auf ihre Börsenpräsenz beraten lassen und die gelegentlich als eine Art bessere Investor-Relations-Fuktion beschrieben wird. Peel Hunt und JPMorgan Cazenove folgen in diesem Geschäftsbereich auf den Rängen. Die Mandate gelten zwar als schlecht bezahlt, bieten aber die Chance auf lukrativere Aufträge und zum Verkauf anderer Produkte im Aktien- oder Anleihenbereich.

“Numis hat sich in London eine sehr gute Position erarbeitet”, sagt Tim Linacre, ein ehemaliger CEO des Brokers Panmure Gordon, der inzwischen stellvertretender Chef des Public Relations-Unternehmens Instinctif Partners ist. “Mit dem Mittelstandsfokus der Deutschen passen die beiden gut zusammen.”

Der Einbruch im Transaktionsgeschäft — und der daraus resultierende Kursrückgang der Numis-Aktie um 46% in den letzten zwei Jahren — ermöglichte es der Deutschen Bank, die Boutique zu einem günstigen Zeitpunkt zu übernehmen. Die Frankfurter betrachten ihre Investition informierten Kreisen zufolge als antizyklisch und sind überzeugt, dass sich das Beratungs- und Emissionsgeschäft wieder erholen wird. Es sei auch ein Vertrauensbeweis in die britische Wirtschaft und die Fähigkeit der City, ein Zentrum für Börsengänge zu bleiben, hieß es.

Einige Analysten äußerten sich indessen skeptisch. Kian Abouhossein von JPMorgan zeigte sich “überrascht”, dass die Deutsche Bank ein Aktienhandelsgeschäft kauft, nachdem sie sich vor vier Jahren vom Segment getrennt hatte.

Sewing hatte sein Amt 2018 übernommen mit dem Auftrag, die Investmentbank radikal zu verkleinern, nachdem seine Vorgänger jahrelang den Rotstift zu behutsam angesetzt und damit keinen Erfolg gehabt hatten. Das Kernstück seines Restrukturierungsplans, den er ein Jahr später vorstellte, waren der Ausstieg aus dem Aktiengeschäft und Kürzungen in anderen Bereichen des Wertpapiergeschäfts.

Diese Entscheidung beendete einen 30-jährigen Kampf der Deutschen Bank darum, ein globales Handelshaus zu werden. Angefangen mit der Übernahme der Londoner Morgan Grenfell, erreichte der Plan seinen Höhepunkt ein Jahrzehnt später, als sie sich die Wall-Street-Firma Bankers Trust einverleibte und damit für kurze Zeit zum größten Finanzdienstleister der Welt wurde.

Sewingm gelobte, die Bank wieder zu ihren Wurzeln als Dienstleister für große internationale Unternehmen zurückzuführen. In der Realität passte er sich jedoch schnell an, als sich die Marktbedingungen änderten. Während er den Aktienbereich tatsächlich verkaufte, machte er andere Kürzungen im Wertpapierbereich wieder rückgängig und das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren wurde zum Hauptertragsbringer. In letzter Zeit wird in dem Bereich sogar behutsam wieder aufgebaut.

Durch die Übernahme von Numis wird wieder ein kleines Team von Aktienhändlern zur Deutschen Bank stoßen. Das Institut wehrte sich jedoch gegen den Eindruck, es handele sich um eine Änderung der Strategie.

Finanzvorstand James von Moltke sagte Analysten am Freitag, die Übernahme solle nicht als Rückkehr in den Aktienhandel verstanden werden. Numis betreibe lediglich “Agency Brokerage” für Unternehmen und ergänze damit ein Geschäft, das die Deutsche Bank sowieso noch immer betreibt. Die Übernahme werde auch die Pläne für einen Aktienrückkauf nicht aushebeln, merkte er an.

Durch den Zukauf baut die Deutsche Bank ihre Dealberatung und das Emissionsgeschäft aus und damit einen Bereich, der Sewing bereits im Wachstumsfokus stand. Die Deutsche Bank hat im Rahmen ihrer Bemühungen bereits mehrere Führungskräfte der Credit Suisse eingestellt.

Deutsche Bank legten am Montag um bis zu 1,2% zu.

Überschrift des Artikels im Original:Deutsche Bank Emulates JPMorgan in First Big Deal Under Sewing

(Neu: Kurs am Montag)

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