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Auf diese fünf Punkte müssen Anleger bei der Deutsche-Bank-Bilanz achten

Am Donnerstag legt die Deutsche Bank ihre Bilanz für 2019 vor und liefert so erste Hinweise darauf, ob die neue Strategie funktioniert. Welche Kennzahlen wichtig sind – und wann sie belegen, dass es endlich bergauf geht.

Die vergangenen sechs Monate waren eine gute Zeit für die Deutsche Bank – zumindest an der Börse. Ausgerechnet die Aktie des kriselnden Frankfurter Instituts liegt mit mehr als 15 Prozent im Plus, obwohl das Geldhaus im vergangenen Sommer einen Großumbau angekündigt hatte. Befindet sich die Sanierung der Deutschen Bank also auf einem guten Weg?

Immerhin hat es das Institut geschafft, dass die Aktie bei allgemein steigenden Börsenkursen nicht zurückgefallen ist – und das ist nach Jahren des Siechtums ja auch schon etwas. Allerdings könnte der kleine Börsenboom der Bank am Donnerstag einen Dämpfer erhalten: Der Dax-Konzern legt seine Zahlen für 2019 vor – und gibt damit Investoren einen ersten Einblick, ob der im Sommer vergangenen Jahres angekündigte Umbau gelingt. Und wer das Zahlenwerk der Bank verstehen will, muss dabei gerade einmal auf fünf Punkte achten.

Erstens: die Erträge

Die Erträge sind die Umsätze einer Bank – und bei den Frankfurtern seit Jahren das große Problem. Denn: Die Erträge fallen seit Langem und wecken somit Zweifel, ob die Bank überhaupt ein funktionierendes Geschäftsmodell hat, ob sie noch gebraucht wird. Zwar erwarten Analysten, dass die Erträge gegenüber dem Vorjahr gefallen sind, statt mit 25,3 Milliarden Euro rechnen sie im Schnitt für 2019 nur noch mit 23,1 Milliarden Euro Erträgen. Das liegt allerdings daran, dass sich die Bank im Zuge ihres Umbaus auch von Geschäften trennt. So hat sie bereits das Geschäft mit Hedgefonds an den französischen Konkurrenten BNP Paribas verkauft.

Die entscheidende Frage ist jetzt, ob die Erträge der Bank unter oder oberhalb der Analysten-Prognosen liegen. Liegen sie deutlich darüber, werden Analysten und Investoren das als Signal dafür werten, dass das Institut doch wieder Kunden für sich begeistern kann. Bleiben die Erträge unten den Erwartungen, dürfte die Aktie umso heftiger reagieren. Dann werden Beobachter erneut die Frage aufwerfen, ob die Bank überhaupt überlebensfähig ist.

Zweitens: die Kosten

Zwar hat es die Bank in den vergangenen Jahren geschafft, ihre Kosten zu senken – allerdings sind die Erträge in der Regel noch schneller gefallen. Bei den Kosten ist deshalb nicht entscheidend, ob sie fallen. So rechnet die Analysten-Schar damit, dass das Institut die Aufwendungen abzüglich der Kosten für den Umbau auf 22,6 Milliarden Euro drücken kann, während es 2018 noch 22,8 Milliarden Euro waren. Ausschlaggebend ist, ob die Ausgaben schneller sinken als die Erträge. Fallen die Kosten stärker, wäre das zumindest ein Hoffnungsschimmer – und wird dafür sorgen, dass Investoren Bankboss Christian Sewing stärker vertrauen.

Drittens: der Gewinn

Wer die Kosten von den Erträgen abzieht, landet beim Gewinn eines Unternehmens – oder beim Verlust. Die Deutsche Bank wird am Donnerstag mit Sicherheit wieder einen Verlust ausweisen: Die Analysten rechnen mit einem Minus von 4,9 Milliarden Euro, Grund dafür sind die Umbaukosten. Ähnlich wie bei den Erträgen gilt hier: Ist der Verlust größer als erwartet, wird das Investoren verschrecken.

Allerdings existiert noch eine weitere Kennzahl, auf die Anleger schauen sollten: der adjustierte Gewinn vor Steuern, also das angepasste Ergebnis vor Steuern. Normalerweise sollten Anleger mit solchen von Unternehmen kreierten Kennzahlen vorsichtig sein, Konzerne rechnen sich hier gerne mal schön. So zieht die Bank bei diesem Wert die Kosten für den Umbau ab, um zu beweisen, dass die Bank vor Sanierungsausgaben ein profitables Geschäft hat. Trotz der Schönrechnerei kann die Zahl für Investoren hilfreich sein: Schafft das Institut nicht mal hier einen Gewinn, ist das ein überdeutliches Alarmsignal.

Viertens: das Kapital

Das Kernkapital ist das wichtigste Kriterium, um die Finanzkraft einer Bank zu beurteilen. Sollten die Frankfurter gewisse Werte unterschreiten, würde das Investoren an der Stabilität der Bank zweifeln lassen. So rechnen die Analysten im Schnitt damit, dass die harte Kernkapitalquote der Bank bei 13,2 Prozent liegt. Eine geringe Abweichung würden Analysten und Investoren wohl tolerieren, fällt sie allerdings größer aus und läge die Kernkapitalquote unter 13 Prozent, könnte das für Panik sorgen. Das würde die Frage aufwerfen, ob die Bank nicht doch wieder frisches Geld bei Anlegern einsammeln muss, um den Umbau zu stemmen.

Fünftens: die Risikovorsorge

Knickt die Konjunktur ein, merken Banken das schnell, weil einige Unternehmen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Die Frage ist nur, wie schwer es eine Bank trifft. Investoren können das an der Risikovorsorge ablesen: Diese Kennziffer zeigt, wie viel Geld ein Institut für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen muss. Bei der Deutschen Bank rechnen Analysten damit, dass der Wert von 525 Millionen Euro auf 692 Millionen Euro steigt, was angesichts der schwächelnden Konjunktur vor allem in Deutschland nicht verwundert. Nur: Steigt die Risikovorsorge schneller als prognostiziert an, könnte das als ein Indiz für eine schlechte Kreditqualität gelten – und der Bank in einer heftigen Krise noch Probleme bereiten, die viel größer sind als die momentanen.