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Deutsche Anleihen: Coronavirus sorgt für Flucht in die Staatspapiere

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Bundesanleihen haben am Freitag ihren Höhenflug fortgesetzt. Die Corona-Epidemie treibt Anleger in die als sicher geltenden Staatsanleihen. Der Juni-Terminkontrakt des Euro-Bund-Future <DE0009652644> gewann am Tag der Kontraktumstellung zuletzt 0,28 Prozent auf 175,94 Punkte. Das bisherige Allzeithoch liegt bei 179,67 Punkten.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf ein Rekordtief von minus 0,75 Prozent. Das jüngste Tief vom vergangenen September wurde damit unterboten. Zuletzt lag die Rendite nur unwesentlich höher bei minus 0,73 Prozent. Die dreißigjährige Anleihe fiel auf ein Rekordtief von minus 0,34 Prozent.

Die Furcht vor dem neuartigen Coronavirus hat erneut zu heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt. Weltweit sind mittlerweile mehr als 100 000 Infektionen bestätigt. Anleger strömten aus riskanten Anlageformen wie Aktien in als sicher geltende Staatsanleihen. Die aktuellen Kursturbulenzen erinnern an die Finanzkrise 2008.

"Konjunktursorgen durch die Covid-19-Ausbreitung halten die Nachfrage nach Anleihen der EWU-Kernstaaten aufrecht", schrieb Analyst Patrick Boldt von der Helaba in einem Kommentar. "Zudem stützt die Erwartung der Finanzmarktteilnehmer, dass die EZB nächste Woche Donnerstag den Einlagensatz auf minus 0,60 Prozent senkt."

Unerwartet starke deutsche Konjunkturdaten spielten angesichts der Verunsicherung der Märkte eine untergeordnete Rolle. Die Aufträge der deutschen Industrie waren zu Jahresbeginn gegenüber dem Vormonat um 5,5 Prozent gestiegen, während Volkswirte im Schnitt nur mit 1,3 Prozent Zuwachs gerechnet hatten - allerdings war das neuartige Coronavirus im Januar noch kein Thema. Auch ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht im Februar spielte am Anleihemarkt keine Rolle.