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Warum Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg die Anleger auf seiner Seite hat

Kapalschinski, Christoph
·Lesedauer: 4 Min.

Die milliardenschwere Kapitalerhöhung geht bei den Großanlegern problemlos durch. Als Gründer steht Östberg wie kein anderer für das Unternehmen.

Vom Naturell hat Niklas Östberg wenig von einem Polarisierer. Der Gründer und Vorstandschef des Lieferkonzerns Delivery Hero tritt für gewöhnlich zugänglich und offen auf, sein weicher Akzent vermittelt die freundliche Verbindlichkeit seiner schwedischen Heimat. Und doch spaltet Östberg die Anleger in zwei Lager – spätestens seit dem Aufstieg in den Leitindex Dax im vergangenen August.

Konservative Privatanleger sehen in dem 40-Jährigen eine Gefahr für die Aktienkultur. Ihr Argument: Seit der Gründung vor fast genau zehn Jahren hat Delivery Hero noch keinen müden Euro verdient. Auf der anderen Seite stehen die Analysten. Sie verweisen auf das hohe Wachstumstempo und die Chance, einen Weltkonzern mit Sitz in Deutschland zu bauen.

Wer die Oberhand hat, zeigt die Börse sehr klar: Die Masse der Anleger votiert für Östberg. In den vergangenen beiden Jahren ist der Kurs jeweils fast so stark gestiegen wie der Umsatz, den Östberg jährlich verdoppelt. Für ihn ist die Börsennotierung vor allem eins: ein Zugang zu Wachstumskapital. Mit der Notierung hat sich Östberg unabhängiger gemacht von den Risikokapitalgebern wie Rocket Internet und Naspers, mit deren Geld er die ersten Jahre gearbeitet hat.

Der Plan geht auf. Zum Börsengang 2017 nahm Delivery Hero eine Milliarde Euro ein. Seitdem holt sich Östberg immer wieder Geld über den Kapitalmarkt. Diese Woche allein waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Institutionelle Investoren zahlten für neue Aktien im Umfang von 4,7 Prozent des Grundkapitals 132 Euro je Stück – also ein Vielfaches des Ausgabepreises von 25,50 Euro aus dem Jahr 2017. „Wir müssen sicherstellen, dass die Anleger diese Strategie verstehen. Vielleicht brauchen wir dazu noch mehr Informationen, aber ich denke, unsere Aktionäre verstehen das“, sagte Östberg kürzlich im Handelsblatt-Interview.

Feuerprobe bestanden

Mit dem frischen Geld hält sich Östberg Wachstumsoptionen offen. Das Geld will er nicht nur für „allgemeine Unternehmenszwecke“ verwenden, sondern sich damit auch für weitere Übernahmen rüsten. Delivery Hero hatte erst kurz vor dem Jahreswechsel grünes Licht von den südkoreanischen Kartellbehörden für die Übernahme des dortigen Lieferdienst-Marktführers Woowa erhalten. Das Unternehmen zahlt den 3,6 Milliarden Euro schweren Zukauf nur zum Teil in eigenen Aktien. Den Rest finanzierte Östberg zum Teil ebenfalls mit einer Kapitalerhöhung.

Allerdings war es eben dieser Deal, der Östberg vor wenigen Wochen in Erklärungsnöte brachte. Immer wieder hatte er sich optimistisch gezeigt, dass die Kartellwächter in Korea den Zukauf einfach durchwinken würden. Tatsächlich aber verlangen sie, dass Östberg vor der Übernahme das eigene, kleinere Geschäft in dem Land verkauft. Die Nachricht kam nur wenige Tage, nachdem Östberg einige eigene Aktien verkauft hatte. In einem eigens einberufenen Investoren-Call musste er Überzeugungsarbeit leisten, dass der zeitliche Zusammenhang rein zufällig war. Die Kursentwicklung seitdem gibt Östberg recht: Inzwischen wären seine Aktien deutlich mehr wert.

Eine Feuerprobe im Werben um Aktionärsvertrauen hat Östberg bereits im Sommer 2018 bestanden. Damals kassierte er sein Ziel, ab 2019 einen bereinigten operativen Gewinn auszuweisen. Die Aktie brauchte ein Jahr, um sich davon zu erholen. Östberg vermeidet seitdem peinlich genau jede Festlegung auf ein neues Datum für Gewinne – und überlässt den Job den Analysten. Die gehen davon aus, dass es frühestens 2022 so weit sein könnte.

Allerdings gibt die Kapitalerhöhung Anlass zu Spekulationen, dass weitere große Akquisitionen den Weg zur Profitabilität verzögern könnten – trotz des starken Wachstums. „Auch so ist ein tieferer Einschnitt in die hohen Investitionen nötig, um die Marge zu verbessern. Die durch Zukäufe getriebene Expansion der Logistik könnte das Erreichen der Gewinnschwelle auf die Zeit nach 2022 verschieben“, schreibt Bloomberg-Analystin Tatiana Lisitsina. Im Vergleich etwa mit den Konkurrenten Just Eat und Deliveroo sei Delivery Hero unprofitabler, weil es vor allem in Schwellenländern aktiv ist. Dennoch empfehlen die meisten Analysten die Aktie zum Kauf.

Dass Östberg im Konzern unumstritten ist, hilft beim Werben für seine Strategie, Wachstum klar über Profit zu stellen. Als Gründer steht er wie kein anderer für das Unternehmen. Neben ihm ist nur noch der langjährige Finanzchef Emmanuel Thomassin im Vorstand.

Östberg selbst ist ein Veteran der Branche: 2005 gründete er bereits in Skandinavien den Lieferdienst OnlinePizza.se. Mit der Erfahrung gründete er zusammen mit Partnern 2011 in Berlin den heutigen Dax-Konzern. Delivery Hero ist heute ein Netz aus zahlreichen Landesgesellschaften von Südamerika über den Nahen Osten bis Asien – teils selbst gegründet, teils zugekauft. 2021 steht nach dem Vollzug des Zukaufs in Korea die Reorganisation des Asien-Geschäfts von Singapur aus mithilfe der erworbenen Technologie und Teams an. Und nach der aktuellen Kapitalerhöhung dürften weitere Zukäufe auf Östbergs Agenda stehen.