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Dax gibt nach – Vier Gründe, warum der Leitindex vor einer Korrektur steht

·Lesedauer: 7 Min.

Trotz der Kursgewinne war der Montag für den Gesamtmarkt enttäuschend. Meldungen zu einer weiteren erfolgreichen Impfstoff-Studie lassen Anleger offenbar kalt.

Im Blick der Anleger bleibt auch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt auch die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Schwacher Handelstag am deutschen Aktienmarkt: Der Dax kommt am Dienstag nicht richtig in Schwung. Mittags notiert der Leitindex 0,5 Prozent im Minus bei 13.076 Punkten. Noch am gestrigen Montag war der Index 0,5 Prozent fester bei 13.139 Punkten aus dem Handel gegangen.

Der Handel am Montag war für den Gesamtmarkt trotz der Kursgewinne eher eine Enttäuschung. Der Dax legte zwar nach der Moderna-Meldung in Sachen Impfstoff innerhalb kurzer Zeit einen Kurssprung um 130 Punkte hin, gab diese Gewinne im Handelsverlauf wieder ab und schloss letztendlich nur leicht über dem ursprünglichen Niveau.

Anders formuliert: Die Verluste bei den Corona-Gewinner-Aktien, etwa beim Kochboxen-Versender Hellofresh (minus 4,6 Prozent), dem Softwareunternehmen Teamviewer und der Mode-Plattform Zalando (jeweils minus 3,9 Prozent) entsprachen den Gewinnen der zyklischen Aktien. Die Aktie des Bergbauunternehmens K+S legte 7,5 Prozent zu, das Lufthansa-Papier 7,4 Prozent und Fraport-Titel 6,5 Prozent.

Dieses Szenario dürfte sich in den kommenden Handelstagen und -wochen wiederholen. Immer dann, wenn die Corona-Infektionszahlen in die Höhe schießen, werden die Corona-Gewinner-Aktien steigen.

Doch jedes Mal, wenn Pharmakonzerne erfolgreiche Testergebnisse veröffentlichen und damit die Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung verbessern, werden die zyklischen Papiere zulegen. Denn der Markt erwartet, dass das Virus spätestens im Herbst 2021 keinen großen Einfluss mehr auf die wirtschaftliche Entwicklung haben wird.

Am heutigen Dienstag stehen wieder die steigenden Corona-Infektionszahlen im Fokus: Zu den Gewinnern gehören die Aktien des Tierfutter-Versandhandels Zooplus mit einem Anstieg von 4,3 Prozent. Das Geschäft des SDax-Konzerns profitiert von der Pandemie: In den ersten neun Monaten stiegen die Erlöse um fast ein Fünftel, der Betriebsgewinn schnellte von 6,7 Millionen auf 47,8 Millionen Euro in die Höhe.

Die Aktie von Hellofresh steigt ebenfalls wieder um mehr als zwei Prozent, Thyssen-Krupp hingegen verliert rund vier Prozent.

Doch wie dürfte sich der Dax insgesamt entwickeln? Aufgrund der Reaktion von Montag mehren sich die Anzeichen für eine bevorstehende Korrektur am deutschen Aktienmarkt. Diese Kursverluste müssen nicht dramatisch ausfallen – wahrscheinlich sind sie eher ein „reinigendes Gewitter“, das die Grundlage für eine folgende Jahresendrally bilden könnte. Es gibt mindestens vier Gründe für eine bevorstehende größere Verschnaufpause.

1. Gewöhnungseffekt bei Impfstoff-Meldungen

Nach der Moderna-Meldung hatten viele Anleger einen ähnlich starken und vor allem nachhaltigen Kurssprung wie am Montag vergangener Woche erwartet, als Biontech eine Erfolgsmeldung in Sachen Corona-Impfstoff veröffentlichte. Doch das deutsche Börsenbarometer fiel am gestrigen Montag wieder auf sein Ausgangsniveau zurück. Das lässt den Schluss zu: Die Meldung war offenbar keine großartige Neuigkeit mehr, sondern wurde am Markt eher als Wiederholung der Biontech-News gewertet.

Das führt zu einem Gewöhnungseffekt: Die meisten Investoren haben bereits vor einer Woche gekauft. Ohne eine grundlegend neue Entwicklung zu einem Corona-Impfstoff dürfte es der Gesamtmarkt schwer haben, weiter zu steigen.

2. Anlegern ist das Kursniveau zu hoch

Laut der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment sinkt die Investitionsbereitschaft. Die Quote ist von plus 3,8 auf einen Wert von nur noch 3,4 gefallen. Das ist ein noch immer solides Niveau, es liegt aber unter den hohen Werten der beiden Vorwochen.

„Entweder wurde inzwischen gekauft, oder, das glaube ich eher, den Anlegern sind die Kurse zum Kaufen nun zu hoch“, erläutert Sentimentexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage unter mehr als 3600 Anlegern auswertet. Auch für ihn ist das Risiko einer Korrektur deutlich gestiegen.

3. Die Lage in den USA eskaliert

In den USA steigen die Zahlen der Infektionen und der Toten in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie exponentiell. Über 11,14 Millionen Infizierte und 246.854 Tote wurden bereits erfasst. Und die Zahlen werden weiter steigen. Denn in den USA herrscht seit der US-Präsidentenwahl ein Machtvakuum.

Donald Trump hat die Wahl verloren, will aber das Weiße Haus nicht verlassen. Niemand weiß so recht, wie es weitergeht. Die Gefahr dahinter: Die Amerikaner verhängen sich angesichts der dramatischen Corona-Zahlen einen „privaten Lockdown“ mit negativen Auswirkungen für viele Unternehmen in diesem konsumfreudigen Land.

Hinzu kommt: In Europa versuchen die Regierungen mit expansiver Fiskalpolitik die wirtschaftlichen Langzeitfolgen abzufedern. In den USA herrscht offenbar Fundamentalopposition seitens der Republikaner. Ein dringend notwendiges zweites Fiskalpaket scheint in weiter Ferne zu sein.

4. Technische Indikatoren signalisieren Verschnaufpause

Seit Ende Oktober ist der deutsche Leitindex in der Spitze um 15 Prozent gestiegen – eine rasante Rally, die nun eine Verschnaufpause nahelegt. Das Börsenbarometer ist zu schnell zu hoch gestiegen, aus technischer Sicht ist der Index „überkauft“.

In den vergangenen fünf Handelstagen gab es beim Dax insgesamt geringe Tagesschwankungen. Das gleiche Bild zeigt sich in den USA, wo die Dynamik der großen Indizes bereits deutlich nachgelassen hat. Es fehlen offenbar die Impulse für weiter steigende Kurse. Laut technischer Analyse dürften Kurse unterhalb von 13.000 Punkten die Korrektur einläuten. Bei 13.005 Zählern liegt das Tief dieser fünftägigen Handelsspanne.

Blick auf die Einzelwerte

Easyjet: Die Billigfluggesellschaft hat den ersten Jahresverlust ihrer 25-jährigen Firmengeschichte eingeflogen. Im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende September) fiel ein Fehlbetrag vor Steuern in Höhe von 1,27 Milliarden Pfund an , wie der Ryanair-Konkurrent mitteilte. Im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von 430 Millionen Pfund in der Bilanz gestanden. Easyjet setzt wie allen anderen Airlines zu, dass in der Corona-Pandemie deutlich weniger Flugreisen gebucht werden. Die Aktie gibt am deutschen Markt 2,4 Prozent nach.

Blick auf andere Assetklassen

Der chinesische Yuan klettert am Dienstag auf den stärksten Stand seit mehr als zwei Jahren, angeheizt durch den Optimismus über die wirtschaftliche Erholung des Landes und das deutlich höhere Zinsniveau gegenüber Europa und den USA.

Im Gegenzug ist der Dollar gegenüber dem Yuan innerhalb von drei Monaten von 8,229 auf aktuell 7,77 Yuan gefallen, ein Rutsch um 5,2 Prozent in diesem Zeitraum. Offenbar scheint die chinesische Zentralbank die Stärke der heimischen Währung zu tolerieren.

Doch die Commerzbank sieht erste Warnzeichen bei der laufenden Erholung der chinesischen Wirtschaft. Beispiele hierfür wären laut den Devisenanalysten das Risiko weiterer Zahlungsausfälle, wie die am Montag gemeldeten Ausfälle eines Chipherstellers und eines Autoproduzenten. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Erholung dadurch insgesamt zum Erliegen kommt“, meint Analyst Charlie Lay. „Die unermüdliche Yuan-Stärke könnte aber eine Atempause einlegen“.

Was die Charttechnik sagt

Für den Dax liegt die nächste wichtige Widerstandszone beim Verlaufshoch am Montag vergangener Woche mit 13.297 Punkten. Diese wurde mit dem gestrigen Tageshoch von 13.277 Zählern fast erreicht. Sie erstreckt sich bis zum Hoch aus dem Monat September mit 13.460 Zählern. Dort liegt das sogenannte Corona-Hoch, der höchste Stand seit dem Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte. Sollte das Barometer die Marke überwinden, gerät das Rekordhoch mit 13.795 Punkten ins Visier.

Kurzfristig sollten Anleger die Handelsspanne der vergangenen fünf Tage beachten: Mit einem Rutsch unter 13.005 Punkte würde eine Korrektur eingeleitet werden, oberhalb von 13.297 Zählern dürfte es weitere Kursgewinne geben.

Auf der Unterseite bieten sich als strategische Stop-Loss-Marken einige Aufwärtskurslücken als Unterstützungen an. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie gelten laut Charttechnik als Unterstützung.

Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag (9. November). Solange der Dax oberhalb von 12.671 Zählern bleibt, gibt es aus technischer Sicht keine Zweifel an der aktuellen Rally.

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