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Dax schließt zum Jahresauftakt ein Prozent im Plus – Deutsche Bank größter Gewinner

Eine Entscheidung von Chinas Notenbank und die bevorstehende Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen den USA und China sorgen bei Anlegern für Optimismus.

Das Handelsvolumen an der Börse Frankfurt ist zum Jahreswechsel traditionell dünn, da zahlreiche Händler und Anleger im Urlaub sind. Foto: dpa

Der deutsche Aktienmarkt ist schwungvoll ins neue Börsenjahr gestartet. Nach einem kleinen Plus zum Handelsbeginn baute der Dax an diesem Donnerstag seine Gewinne aus und ging mit einem Plus von gut einem Prozent bei 13.386 Punkten aus dem Handel. Das Handelsvolumen war urlaubsbedingt weiterhin gering.

Auch der MDax der mittelgroßen Werte gewann am Donnerstag ein Prozent auf 28.587 Punkte. In Europa stieg der Euro Stoxx 50 um 1,4 Prozent.

Den letzten Handelstag des abgelaufenen Jahres hatten Investoren noch genutzt, um Kasse zu machen. Der Dax war um 0,7 Prozent auf 13.249 Punkte abgesackt. Binnen Jahresfrist hat der Leitindex mit einem Plus von 26,3 Prozent 2019 allerdings so stark zugelegt wie seit sieben Jahren nicht mehr.

„Die Hoffnung lebt weiter, dass die Handels- und Geldpolitik zukünftig zu besseren konjunkturellen Rahmenbedingungen führen wird“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC Markets. Chris Williamson, Chefvolkswirt des Research-Hauses IHS Markit, warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen. Zwar beurteile auch er die wirtschaftlichen Aussichten etwas optimistischer. „Bis zur Rückkehr zu Wachstum ist es aber noch ein langer Weg.“

Für Optimismus unter den Anlegern sorgte am Donnerstag die offenbar bald bevorstehende Unterzeichnung eines Handelsabkommens zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag per Twitter angekündigt, den ersten Teil eines Handelsabkommens am 15. Januar im Weißen Haus in Washington unterzeichnen zu wollen. Es wird erwartet, dass in diesem Rahmen Zölle gesenkt werden und sich China verpflichtet, mehr Agrarprodukte und andere Waren in den USA zu erwerben.

Den 15. Januar als Unterzeichnungstermin für das Handelsabkommen hat die chinesische Regierung bislang nicht bestätigt. Und die wirklich großen Streitpunkte wie die Diskriminierung ausländischer Investoren und die massive Subventionierung der Staatsunternehmen dürften erst in der sogenannten Phase 2 thematisiert werden.

Auch eine weitere Entwicklung aus China nahmen die Anleger wohlwollend zur Kenntnis: Chinas Notenbank will mit geringeren Kapitalanforderungen für Banken bei der Kreditvergabe die zuletzt flaue Wirtschaft des Landes zudem stützen.

An der hiesigen Börse steigen derweil allmählich die langfristigen Inflationserwartungen für die Euro-Zone. Das für die Geldpolitik der EZB wichtige Barometer Five-Year-Five-Year-Forward legte am Donnerstag zeitweise auf 1,3446 Prozent zu und damit auf das höchste Niveau seit Juli 2019. Der Wert bedeutet, dass Investoren ab 2025 über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer Inflation von etwas mehr als 1,34 Prozent rechnen.

Damit würde die Teuerung allerdings auch auf lange Sicht noch unterhalb der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent bleiben, die sie als Optimalwert für die Wirtschaft ansteuert.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Bank: Europaweit notierten Banktitel, die oft besonders stark auf konjunkturelle Nachrichten reagieren, im Plus. An der Dax-Spitze kletterten die Titel der Deutschen Bank um 6,2 Prozent auf 7,347 Euro – das ist auf Schlusskursbasis der höchste Wert seit September.

Commerzbank: Auch für die Commerzbank ging es kräftig bergauf. Die Aktie stieg am Vormittag um sieben Prozent auf 5,905 Euro.

Wirecard: Der Zahlungsdienstleister gehörte 2019 zu den großen Kursverlierern im Dax. Am Donnerstag stiegen Wirecard-Aktien um 4,6 Prozent an. Bereits am letzten Handelstag im alten Jahr war die Aktie Tagessieger im Dax gewesen.

VW: Im Musterprozess um mögliche Entschädigungen für Hunderttausende Dieselfahrer steigen Volkswagen und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) in Vergleichsgespräche ein. Damit erhöhen sich die Chancen der rund 444.000 teilnehmenden Kläger in dem Verfahren am Braunschweiger Oberlandesgericht, Ansprüche gegen VW wegen des Wertverlusts ihrer Autos im Abgasskandal durchzusetzen. Die Aktie schloss 2,4 Prozent im Plus.

Leoni: An der Spitze des Nebenwerteindexes SDax gewannen die Anteilsscheine des Autozulieferers Leoni 6,3 Prozent, nachdem sie im vergangenen Jahr um fast zwei Drittel eingebrochen waren.

Airbus: Aktien von Airbus sind am Donnerstag gefragt gewesen. Die Titel legten in Paris um mehr als zwei Prozent zu, nachdem der Konzern im abgelaufenen Jahr den krisengeschüttelten Erzrivalen Boeing als weltweit größten Flugzeugbauer abgelöst hatte.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus Branchenkreisen erfahren hatte, lieferte der europäische Konzern 863 Maschinen aus und damit fast acht Prozent mehr als 2018. Damit übertraf Airbus auch das im Oktober nach unten revidierte Ziel des Managements von 860 Flugzeugen. US-Konkurrent Boeing leidet massiv unter dem Flugverbot für das Unglücksmodell 737 Max.

Analystencheck: Goldman Sachs belässt Vivendi auf „Buy“

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Papiere von Vivendi mit einem Kursziel von 32,80 Euro auf der „Conviction Buy List“ belassen. Die Anleger dürften positiv auf den Verkauf eines UMG-Anteils reagieren, schrieb Analystin Lisa Yang in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Sie rechnet mit deutlicher Ausschüttungsfantasie.

Mit Agenturmaterial.

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