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Dax schließt im Minus – Börsenwert von Bitcoin nähert sich der Billionen-Dollar-Marke

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 7 Min.

Die Kryptowährung Bitcoin ist nicht zu bremsen. Nach dem Milliardenkauf durch Tesla sammelt ein US-Konzern Geld ein, um die Cyberdevise zu kaufen.

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa

Am deutschen Aktienmarkt ging es heute abwärts: Am Abend schließt der Dax 1,1 Prozent im Minus bei 13.909 Punkten und damit nur knapp über dem Tagestief von 13.894 Zählern. Den gestrigen Handelstag hatte das Börsenbarometer mit einem Minus von 0,3 Prozent und einem Endstand von 14.064 Zählern abgeschlossen.

Mit den heutigen Kursverlusten beendete der Index seinen impulslosen Handel seit Wochenanfang. Die Dax-Kursdifferenz an diesen beiden Tagen insgesamt betrug lediglich 81 Punkte. Auf der Oberseite war der Index am Montag mit 14.131 Punkten nicht mehr weit vom Rekordhoch entfernt, auf der Unterseite bot am Dienstag der Stand von 14.049 Zählern Halt. Doch nun rücken tiefere Marken in den Blickpunkt.

Am heutigen Handelstag wurde wieder deutlich unterschieden zwischen den sogenannten Corona-Gewinneraktien und den Verliererpapieren der Pandemie. Nur dass die eigentlichen Gewinnerpapiere die Verlierer waren.

So zählten die Papiere des Online-Modehändlers Zalando und des Kochboxen-Versenders Hellofresh mit zu den größten Verlierern im MDax. Auf der Gegenseite stieg der Kurs von Telefónica Deutschland.

Dass die Notierung des Softwarekonzerns Teamviewer ebenfalls nach oben kletterte und die Gewinnerliste im MDax anführt, hat einen anderen Grund. Finanzinvestor Permira hat sich von einem weiteren fast 600 Millionen Euro schweren Paket von Aktien des Softwareunternehmens getrennt und den Kurs noch am gestrigen Dienstag kräftig ins Minus rutschen lassen. Das sorgte am heutigen Mittwoch für günstige Einstiegskurse.

Auch im SDax das gleiche Bild: Home 24 und Westwing zählen am Handelsschluss zu den größten Verlierern, die Industriewerte Deutz und Traton hingegen zu den deutlichen Gewinnern.

Die aktuelle Umfrage der Bank of America zeigt einen extremen Optimismus unter den mehr als 200 befragten Fondsmanagern. 91 Prozent der Investoren, die zusammen 614 Milliarden Dollar verwalten, glauben daran, dass sich die Wirtschaft erholt. So große Konjunkturhoffnungen gab es noch nie in der 26-jährigen Geschichte der wichtigsten monatlichen Umfrage unter Profianlegern. Und sie gehen entsprechend hohe Risiken ein.

Ein zu großer Optimismus gilt als gefährlich für die Börsen, weil dann viele Investoren von schlechten Nachrichten auf dem falschen Fuß erwischt werden können. Außerdem fehlen zusätzliche Käufer, wenn der Großteil der Anleger schon viel Geld an der Börse investiert hat.

Doch die Umfrage zeigt auch einen wichtigen Punkt solch einer Stimmungsanalyse: Anhaltender Optimismus von Investoren ist keine gute Hilfe, rechtzeitig den Ausstieg aus dem Aktienmarkt zu finden. Denn bereits bei der Januar-Befragung gab es Extremwerte in Sachen Optimismus, die ein Verkaufssignal gerechtfertigt hätten. Doch der Aufwärtstrend am Aktienmarkt, vor allem in den USA, ging ungebremst weiter.

Derzeit sollten Anleger vor allem auf die Rendite der US-Staatsanleihen schauen. Denn dieser Wert kletterte auch am heutigen Mittwoch weiter und erreichte mit zwischenzeitlich 1,33 Prozent den höchsten Wert seit Ende Februar des vergangenen Jahres.

Die Gefahr hinter weiter steigenden Renditen: Investoren befürchten ein erneutes sogenanntes „Taper Tantrum“, so wie im Mai 2013. Damals gab Fed-Chef Ben Bernanke bekannt, die Anleihekäufe zu reduzieren. Die Anleihekurse brachen daraufhin schlagartig ein, und die Renditen schnellten in die Höhe. Dies löste eine Art Schockwelle an den globalen Finanzmärkten aus, die insbesondere auch in den Schwellenländern zu heftigen Kursverwerfungen führte.

Auch der Dax rutschte damals innerhalb weniger Wochen um mehr als zwölf Prozent ab. Allerdings hat die US-Notenbank erst kürzlich wieder bekräftigt, dass sie nichts an ihren quantitativen Lockerungsmaßnahmen verändern will.

Bitcoin-Kurs erreicht neue Rekordmarken

Die Kryptowährung Bitcoin ist nicht zu bremsen. Auch am heutigen Mittwoch gab es laut den Daten von Coinmarketcap mit 51.448 Dollar ein Rekordhoch. Laut Refinitiv-Daten stieg der Kurs sogar auf 51.726 Dollar. Beim Bitcoin gibt es im Gegensatz zum Aktienmarkt diverse Datenanbieter mit sehr unterschiedlichen Preisen.

Der Börsenwert ist mit derzeit 957 Milliarden Dollar kurz davor, die Billionen-Dollar-Marke zu überwinden. Am Dienstag ist die Cyberdevise zum ersten Mal über 50.000 Dollar geklettert. Im vergangenen Jahr hat sich der Kurs mehr als verfünffacht und ist seit Jahresanfang 2021 um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Gewinnmitnahmen in größerem Stil sind derzeit nicht zu sehen. „Aber am Ende des Tages werden aber womöglich wieder zu euphorische Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückholt werden“, prognostiziert Analyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. Auch eine Korrektur von 20-25 Prozent dürfte seiner Meinung nach der Rally kein jähes Ende bescheren und wäre als „gesund“ zu bewerten.

Ist die Bitcoin-Rally ein Sinnbild für eine spekulative Blase an den Finanzmärkten? Für Anhänger von Kryptowährungen erhalten digitale Vermögenswerte mehr Aufmerksamkeit von Kleinanlegern, vor allem nachdem Tesla für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft hatte. Auch Softwarehersteller Microstrategy verkündete am gestrigen Dienstag, 600 Millionen Dollar an Wandelanleihen verkaufen und den Erlös verwenden zu wollen, um mehr Bitcoin zu kaufen.

Der Schritt von Microstrategy ist für Jeffrey Halley von Oanda Asia Pacific „ein Warnzeichen, dass die Dinge in der Kryptowelt aus dem Ruder laufen“. Die andere Meinung: Steigende Nachfrage von institutionellen Anlegern und Unternehmen dürfte zu weiteren Kurssteigerungen führen.

„Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Bitcoin steigt“, meint Nicholas Pelecanos vom Bitcoin-Händler NEM. Seiner Meinung herrscht ein Trend vor, den Microstrategy und Tesla populär gemacht haben: die Bilanzen in Bitcoin zu verschieben, um sich gegen Inflation abzusichern.

Blick auf die Beiersdorf-Aktie

Beiersdorf: Die Aktie führt mit einem Minus von mehr als fünf Prozent die Dax-Verliererliste an, obwohl Beiersdorf den Umsatzrückgang eingegrenzt und im Corona-Jahr Marktanteile hinzugewonnen hat. Wegen unvermindert hoher Investitionen in neue Produkte und die Digitalisierung brach der Gewinn jedoch ein. Unter dem Strich stand im abgelaufenen Jahr ein Ergebnis vor Sondereffekten von 636 Millionen Euro, fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Trotzdem soll den Aktionären eine unveränderte Dividende von 70 Cent je Aktie gezahlt werden.

Goldpreis rutscht weiter ab

Der Goldpreis fiel den fünften Tag in Folge. Die Feinunze des Edelmetalls verbilligte sich um ein Prozent auf 1774 Dollar. Kurzfristig könne der Goldpreis wegen der anziehenden US-Anleiherenditen unter weiterem Druck stehen, sagte Expertin Margaret Yang vom Fachportal DailyFX.

Das charttechnische Bild am Goldmarkt bleibt eingetrübt. Der mittelfristige Abwärtstrend könnte sich sogar beschleunigen, sollte das November-Tief von 1765 US-Dollar nach unten durchbrochen werden.

Ein deutliches Unterschreiten dieser Schwelle würde eine weitere Schwäche bedeuten und könnte mehr Händler dazu bewegen, ihre Long-Positionen auf das Metall zu schließen, meint Carlo Alberto De Casa, Chefanalyst von ActivTrades.

Ausschlaggebend für die fallenden Kurse ist nach Meinung von Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg die recht schwache Investorennachfrage, wobei die Positionierung der Großanleger am Goldmarkt schon seit dem Spätsommer historisch gesehen eher pessimistisch sei.

Seit Wochen ziehen Anleger Gelder auf Gold-Indexfonds (ETFs) ab, die wiederum aufgrund physischen Hinterlegung das gelbe Edelmetall entsprechend verkaufen müssen.

Dem dreifachen Gegenwind aus Konjunkturoptimismus und daher geringerer Risikowahrnehmung, steigenden Zinsen und einem etwas stärkeren US-Dollar kann nach Meinung von Weinberg Gold zwar aktuell kaum Stand halten, der Kurs dürfte daher vorerst unter Druck bleiben dürfte.

„Doch mittel- bis langfristig wird Gold als Sachwert und inflationssichere Anlage noch attraktiver“, meint der Commerzbank-Experte. Denn die Realzinsen weltweit, die für den Goldpreis ausschlaggebend sind, sollten wegen der höheren Inflation auf der einen Seite und der massiven Anleihenkäufe der Zentralbanken auf der anderen Seite niedrig oder sogar negativ bleiben.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Die erste wichtige Unterstützung beim deutschen Leitindex ist immer noch intakt. Es ist die Aufwärtskurslücke von Ende Januar. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie sind quasi eine Neubewertung des Markts, weil es zwischen der Lücke keinen Handel gab.

Diese Lücke in Zahlen: Am Montag vergangener Woche lag der höchste Dax-Kurs bei 13.648 Zählern, die niedrigste Notierung am Dienstag vergangener Woche bei 13.693 Punkten.

Nur knapp darunter liegt mit 13.500 Zählern die aus charttechnischer Sicht noch wichtigere Unterstützung. Diese Marke bildete im vergangenen Jahr monatelang einen Widerstand, der erst im Dezember überwunden werden konnte. Deswegen ist aus dem Widerstand eine Unterstützung geworden. Diese hat der Leitindex in diesem Jahr nur einmal zum Handelsschluss unterschritten.

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