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Dax schließt erneut im Minus – Varta erlebt trotz Dividende einen historischen Kurssturz

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 7 Min.

Der Dax bleibt im Korrekturmodus, doch die Rückgänge fallen verhalten aus. Bei Volkswagen greifen Anleger fleißig zu – der Autobauer rückt vor an die Dax-Spitze.

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa

Am deutschen Aktienmarkt hat der Dax den Kampf um die Marke von 14.000 Punkten offenbar vorerst aufgegeben. Das Börsenbarometer schloss am Donnerstag 0,2 Prozent schwächer bei 13.887 Punkten.

Der bisherige Tiefpunkt der laufenden Korrektur, seit dem Rekordhoch von 14.169 Punkten am Montag vergangener Woche, liegt bei 13.830 Punkten. Das wäre die nächste Anlaufstelle bei schwächeren Kursen. Die Korrektur verläuft bislang also nicht sehr ausgeprägt – das maximale Minus beträgt nur 2,4 Prozent. Bei Werten ab minus zehn Prozent würde man von einer deutlichen Korrektur sprechen, ab minus 20 Prozent von einer Baisse.

Der Börsenstimmung zufolge dürfte es auch nicht zu einer deutlichen Korrektur kommen. Laut der aktuellen Umfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden Privatanlegern und institutionellen Investoren warten vor allem die Profis auf günstige Einstiegsgelegenheiten. Die wären vermutlich bereits bei Notierungen zwischen 13.650 und 13.700 Dax-Punkten erreicht. „Unterm Strich ist die Ausgangslage gut für Kursgewinne deutscher Bluechips“, meint Verhaltensökonom Joachim Goldberg nach Auswertung der Erhebung.

Bemerkenswert ist derweil das Verhalten der heimischen Profis: Die internationalen Fondsmanager sind extrem euphorisch und laut einer Umfrage der Bank of America noch stärker ins Risiko gegangen. Sie fallen deswegen als neue Käufer aus. Salopp formuliert: Im Ausland gibt es keine Bären mehr, nur noch in Deutschland. Und diese heimischen Bären dürften größere Kursverluste verhindern – solange es sie noch gibt.

Die größte Gefahr für die Aktienmärkte ist derzeit die Entwicklung bei den US-Staatsanleihen. Am Mittwoch kletterte die Rendite für eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf 1,33 Prozent, den höchsten Wert seit einem Jahr. Am Donnerstag hat sich die Lage etwas beruhigt, die Rendite steigt nicht mehr weiter und liegt nur noch bei 1,28 Prozent.

Die Gefahr hinter weiter steigenden Renditen: Investoren befürchten ein erneutes sogenanntes „Taper Tantrum“, so wie im Mai 2013. Damals gab Fed-Chef Ben Bernanke bekannt, die Anleihekäufe zu reduzieren. Die Anleihekurse brachen daraufhin schlagartig ein, und die Renditen schnellten in die Höhe. Dies löste eine Art Schockwelle an den globalen Finanzmärkten aus, die insbesondere auch in den Schwellenländern zu heftigen Kursverwerfungen führte.

Auch der Dax rutschte damals innerhalb weniger Wochen um mehr als zwölf Prozent ab. Ein genauer Blick auf einen längeren Zeitraum zeigt aber auch: Die Verwerfungen waren nur von kurzer Dauer. Der Einbruch an den Märkten löste anschließend eine fulminante Rally aus. Der Dax stieg bis zum Jahresende 2013 wieder um 25 Prozent. Denn zwischen dem Ende des Anleihekaufprogramms und der ersten Zinserhöhung der Fed lag mehr als ein Jahr.

Blick auf die Einzelwerte

Varta: Die Aktie erlebte am Donnerstag mit einem Minus von mehr als 13 Prozent einen der größten Kursstürze der Firmengeschichte. Der Kurs fiel unter 135 Euro, obwohl das Unternehmen eine Dividendenzahlung wiederaufnehmen will. Je Aktie sollen es 2,50 Euro sein, insgesamt will der Konzern rund 100 Millionen Euro an die Aktionäre ausschütten. Das Tagesgeschäft läuft rund, allerdings setzt der Batteriekonzern nach einem starken Wachstumsschub im neuen Jahr zunächst auf kleinere Sprünge.

Zudem hat das Analysehaus Warburg Research die Einstufung für Varta nach Zahlen auf „sell“ mit einem Kursziel von 85 Euro belassen, was gegenüber dem aktuellen Kurs ein Minus von 37 Prozent bedeutet. Das vierte Quartal des Batterieherstellers habe den Erwartungen entsprochen, schrieb Analyst Robert-Jan van der Horst in einer am Donnerstag vorgelegten Schnelleinschätzung. Der Ausblick habe jedoch unter seinen Erwartungen gelegen.

Die Varta-Aktie war in den Marktturbulenzen rund um spekulative Kleinanleger und Hedgefonds Ende Januar mit 181,30 Euro auf ein neues Rekordhoch gestiegen. In dieser Phase hatten Shortseller ihre Wetten aufgelöst und die Aktien zurückgekauft, was den Kurs rasant ansteigen ließ.

K+S: Der Aktienkurs fiel um mehr als 14 Prozent, weil die Finanzaufsicht Bafin die Bilanzen überprüfen lässt. Die Investoren folgen einer wichtigen Börsenregel: Bilanzproblem? Aktien verkaufen!

Die Bafin hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) mit der Prüfung des Konzernabschlusses zum 31.12.2019 nebst zugehörigem Konzernlagebericht sowie des verkürzten Abschlusses zum 30.06.2020 nebst zugehörigem Zwischenlagebericht beauftragt. Als Grund habe die Bafin der DPR mitgeteilt, es lägen „konkrete Anhaltspunkte“ vor, dass „Vermögenswerte, insbesondere das Anlagevermögen, zu hoch bemessen sein könnten“.

Dieser Kursrutsch dürfte die Hedgefonds erfreuen: Deren Short-Quote liegt laut den Daten des Bundesanzeigers bei rund vier Prozent. Am 16. Februar hatte Blackrock die Quote noch leicht reduziert.

Thyssen-Krupp: Die Zukunft des Industriekonzerns ist wieder ungewiss. Die Aktie verlor fünf Prozent auf 10,90 Euro. In den vergangenen drei Monaten stieg der Kurs bis zum gestrigen Mittwoch um 125 Prozent.

Thyssen-Krupp hat die Gespräche über den Verkauf seiner Stahlsparte an Liberty Steel einseitig beendet. Die Vorstellungen über den Wert des Unternehmens und die Struktur der Transaktion „lagen am Ende doch weit auseinander“.

Schon vor einigen Tagen waren die Gespräche ins Stocken geraten, nachdem Liberty laut Finanzkreisen einen negativen Kaufpreis für die Stahlsparte angeboten hatte. Begründet wurde das vonseiten Libertys demnach mit den hohen finanziellen Belastungen durch den CO2-Ausstoß, die durch den Einkauf von Emissionsrechten ausgeglichen werden müssen. Liberty war der letzte verbleibende Bieter, nachdem zuvor mehrere Interessenten in dem Verkaufsprozess ausgeschieden waren.

Airbus: Der weltgrößte Flugzeugbauer hat das Corona-Jahr 2020 trotz eines Umsatzeinbruchs glimpflich überstanden. Die Flugzeugauslieferungen fielen um mehr als ein Drittel auf 566 Maschinen, dennoch behauptete Airbus 2020 den Vorsprung auf den Erzrivalen Boeing. Für das laufende Jahr ist Vorstandschef Guillaume Faury verhalten optimistisch: Die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge werde stagnieren, das bereinigte Ebit soll sich auf mindestens zwei Milliarden Euro erholen – wenn es nicht nochmals zu einem Einbruch der Weltwirtschaft und des Luftverkehrs kommt. Eine Dividende für 2020 soll es aber nicht geben. Die Aktie verlor 2,8 Prozent.

Volkswagen: Der Autobauer hält sich die Möglichkeit eines Börsengangs seiner Sportwagentochter Porsche offenbar weiter offen. „Diese Überlegungen gibt es“, sagte eine Person mit Kenntnis der Diskussion der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. „Das wäre eine Möglichkeit, um Geld in die Kassen zu bringen.“ Die Überlegungen seien aber noch weit entfernt davon, dass Gremien damit befasst wären. Die Fantasien lösen Euphorie bei Anlegern aus. Das Papier verteuert sich um 4,7 Prozent auf 169 Euro und führt die Dax-Gewinnerliste an.

Daimler: Nach der Aufholjagd im vierten Quartal rechnet der Automobilkonzern mit einer anhaltenden Erholung in diesem Jahr. Absatz, Umsatz und Betriebsergebnis sollen 2021 deutlich höher ausfallen als im Corona-Krisenjahr 2020.

Unter dem Strich verdiente der Dax-Konzern 2020 vier Milliarden Euro im Vergleich zu 2,7 Milliarden Euro im Vorjahr, in dem Daimler milliardenschwere Rückstellungen im Dieselskandal schultern musste. Die Dividende soll auf 1,35 Euro je Aktie steigen, nach 90 Cent im Jahr zuvor. Diese Nachricht erfreut die Aktionäre, der Kurs stieg um über zwei Prozent auf knapp 77 Euro.

Bitcoin-Rally geht weiter

Für die laut Marktkapitalisierung größten Digitalwährungen Bitcoin und Ether hat sich die Rekordjagd weiter fortgesetzt. Während der Bitcoin mittlerweile das Niveau von über 52.000 Dollar erreicht hat, steigt die zweitwichtigste Devise zeitweise über die mentale Marke von 2000 Dollar. „Im Windschatten des Bitcoin-Booms können zahlreiche Währungen aus den zweiten und dritten Reihen profitieren“, meint Analyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. „Ein Garantieschein für steigende Kurse halten Investoren keineswegs in den Händen.“

Laut Coinmarketcap-Daten hat der Börsenwert von Bitcoin mittlerweile den Wert von 970 Milliarden Dollar erreicht, Ether liegt bei rund 218 Milliarden Dollar.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Die erste wichtige Unterstützung beim deutschen Leitindex ist immer noch intakt. Es ist die Aufwärtskurslücke von Ende Januar. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie sind quasi eine Neubewertung des Markts, weil es zwischen der Lücke keinen Handel gab.

Diese Lücke in Zahlen: Am Montag vergangener Woche lag der höchste Dax-Kurs bei 13.648 Zählern, die niedrigste Notierung am Dienstag vergangener Woche bei 13.693 Punkten.

Nur knapp darunter liegt mit 13.500 Zählern die aus charttechnischer Sicht noch wichtigere Unterstützung. Diese Marke bildete im vergangenen Jahr monatelang einen Widerstand, der erst im Dezember überwunden werden konnte. Deswegen ist aus dem Widerstand eine Unterstützung geworden. Diese hat der Leitindex in diesem Jahr nur einmal zum Handelsschluss unterschritten.

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