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Dax schließt rund drei Prozent höher – Bankaktien legen zu

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Der Leitindex stoppt zu Wochenbeginn seinen Abwärtstrend. Mit dem Börsengang von Siemens Energy umfasst der Dax an diesem Montag für einen Tag 31 Werte.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Der Dax ist zum Wochenbeginn wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Er schloss 3,2 Prozent höher bei 12.870 Zählern. Damit stoppt der deutsche Leitindex den Abwärtstrend der vergangenen Woche. Der MDax der mittelgroßen Werte klettert am Montag um 1,9 Prozent auf 26.966 Zähler.

Am Freitag war der Dax noch 0,3 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen. Auf Wochensicht büßte der Index 4,9 Prozent ein und bescherte den Anlegern auf dem Frankfurter Parkett die schlechteste Börsenwoche seit Mitte Juni.

Ohnehin ist dieser Montag ein besonderer Tag am deutschen Aktienmarkt. Der Dax startet die Handelswoche nämlich mit einer ungewöhnlichen Zusammensetzung: Deutschlands erste Börsenliga umfasst an diesem Montag nicht wie üblich 30 Werte, sondern 31. Siemens Energy, die abgespaltene Energietechnik-Sparte, startet ihr Börsendebüt mit einem Aktienkurs von 22,01 Euro.

Damit kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von 16 Milliarden Euro, weit weniger als die Analysten ihm im Schnitt zugetraut haben. Für die Siemens-Aktionäre ging die Abspaltung dennoch auf. Sie hatten 55 Prozent der Siemens-Energy-Aktien übers Wochenende ins Depot gebucht bekommen – je eine für zwei Siemens-Papiere. Die Siemens-Aktie setzte sich mit einem Plus von 9,2 Prozent an die Dax-Spitze – allerdings ist der Kurs bereinigt um die Siemens-Energy-Aktie.

Neben Sorgen wegen der anstehenden US-Präsidentschaftswahl und des EU-Austritts Großbritanniens bleibt die Coronakrise Angstmacher Nummer eins an den Finanzmärkten. Die steigenden Infektionszahlen und mögliche Restriktionen im öffentlichen Leben bedrohen die wirtschaftliche Erholung.

Die negative Stimmung spiegelt sich auch in den Umsatzzahlen von Industrie, Bau, Handel und Dienstleistern wider. Erstmals nach drei Anstiegen in Folge haben die Branchen wieder weniger eingenommen. Der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft fiel saison- und kalenderbereinigt um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Blick auf die Einzelwerte

Siemens Energy: Die Energietechnik-Sparte des Siemens-Konzerns legte ein verhaltenes Börsendebüt hin – und hofft, langfristig Mitglied im Dax zu werden. Die abgespaltene Energietechnik-Sparte von Siemens startete mit einem Aktienkurs von 22,01 Euro. Allerdings schwankte der Kurs bereits in den ersten Handelsminuten stark und fiel vorübergehend unter 20 Euro. Am Abend notierte das Papier bei 21,21 Euro.

Insider aus dem Siemens-Konzern rechnen in den nächsten zwei bis drei Wochen mit größeren Kursschwankungen. Denn viele Anteile landen durch die automatische Einbuchung bei institutionellen Investoren, die sie möglicherweise nicht halten wollen oder dürfen. Indexfonds beispielsweise, die den Dax abbilden, müssen die neue Aktie, die zunächst nicht im Dax notieren wird, abstoßen.

Ohnehin agiert Siemens Energy in einem äußerst bewegten Marktumfeld: Der Energiemarkt befindet sich im Wandel, gerade Produkte im Kohlekraftwerk-Segment brechen sukzessive weg. Außerdem plant der neue Unternehmenschef Christian Bruch, die Margen zu erhöhen und dafür unter anderem Standorte zu schließen.

Banken: Aktien der Geldhäuser sind am Montag gefragt. Die Titel der Deutschen Bank belegen mit einem Plus von 7,4 Prozent einen vorderen Platz auf der Dax-Gewinnerliste. Die Aktie der Commerzbank klettert bis zum Handelsschluss um 5,6 Prozent und zählt damit zu den größten Gewinnern im MDax.

Anleger honorieren die Nachricht, dass Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof im kommenden Jahr als CEO den scheidenden Martin Zielke ablösen wird. „Die Nominierung legt den Grundstein für den Umbau der Commerzbank“, sagte ein Händler. Auch Analystin Martina Matouskova von der US-Bank Jefferies hält den neuen Commerzbank-Chef für eine gute Wahl. Knof habe während seiner Zeit bei der Allianz bewiesen, dass er ein guter Restrukturierer sei.

LPKF Laser: Die Papiere von LPKF Laser führen zum Start in die neue Handelswoche den SDax an und schließen rund zehn Prozent höher. Anleger honorieren, dass der Lasertechnologie-Produzent einen Rahmenvertrag mit einem Hersteller von Dünnschicht-Solarmodellen abgeschlossen hat. Von der Kooperation erhofft sich das Unternehmen ein Gesamtvolumen in Höhe von mindestens 18 Millionen Euro.

Blick auf andere Asset-Klassen

Öl: Am Rohölmarkt gibt es nur wenig Bewegung, große Preisschwankungen bleiben daher aus. Am Montagabend kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 42,34 Dollar. Öl der Sorte WTI notiert bei 40,49 Dollar.

Pfund: Anleger bewerten die Verhandlungen rund um den EU-Austritt Großbritanniens positiver. Davon profitiert zu Wochenbeginn das britische Pfund, das zeitweise um mehr als ein Prozent auf 1,2910 Dollar zulegte. „Noch vor ein paar Wochen hat es so ausgesehen, als ob alles auseinanderfällt“, sagte Athanasios Vamvakidis, Währungsstratege bei der Bank BAML. Inzwischen steige aber die Zuversicht, dass beide Seiten Verwerfungen bei einem Brexit ohne Anschlussabkommen verhindern wollten.

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