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Dax schließt im Minus – Corona-Sorgen hemmen Anleger

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Nach der Vortagesrally haben sich die Anleger am Aktienmarkt zurückgezogen. Der Kurs der Hornbach Holding klettert indes auf ein neues Rekordhoch.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Die Erholung am Frankfurter Aktienmarkt währte nur kurz: Der Dax ist nach starken Kursgewinnen zum Wochenstart am Dienstag wieder in die Verlustzone gerutscht. Er schloss 0,4 Prozent schwächer bei 12.825 Zählern. Der MDax notierte zum Handelsende unverändert bei 26.969 Punkten.

Am Vortag hatte sich der deutsche Leitindex ins Plus gekämpft. Anleger waren an den Börsen auf Schnäppchenjagd gegangen und hatten die Kurse nach oben getrieben. Zum Wochenbeginn hatte der Dax schließlich rund drei Prozent höher bei 12.870 Zählern geschlossen.

Nach Meinung von Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus sind viele Spekulanten in eine Bärenfalle getappt, als sie sich zum Wochenauftakt mit Aktien eingedeckt haben. Die Risiken durch die Corona-Pandemie blieben bestehen. Erneute Restriktionen für die Wirtschaft und das öffentliche Leben würden der sich langsam erholenden Konjunktur erneut zusetzen.

Falls die Dynamik der Corona-Neuinfektionen wie zuletzt weitergeht, könnte Deutschland nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel in drei Monaten 19.200 Ansteckungen pro Tag verzeichnen. Dies zeige die Dringlichkeit, mit der gegen die weitere Ausbreitung der Pandemie vorgegangen werden müsse.

Die Angst vor einem zweiten Lockdown sei zwar zunächst vom Tisch, sagte Christian Henke, Analyst beim Brokerhaus IG Market. „Allerdings dürfte es schwer werden, wieder zur Normalität zurückzukehren.“

Führende Forschungsinstitute gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung der Euro-Zone im vierten Quartal an Schwung verlieren wird. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte nur noch um 2,2 Prozent zulegen, prognostizieren das Ifo-Institut, KOF aus Zürich und Istat aus Rom.

Außerdem veröffentlichte das Statistische Bundesamt vorläufige Zahlen zum Verbraucherpreisindex im September. Demnach drückt die gesenkte Mehrwertsteuer auf die deutsche Inflation: Die durchschnittlichen Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen sind im Vergleich zum Vorjahresmonat im September voraussichtlich um 0,2 Prozent zurückgegangen. Im Juli war die Inflation wegen der Mehrwertsteuersenkung mit minus 0,1 Prozent erstmals seit 2016 negativ.

Auch der Brexit-Poker geht an diesem Dienstag weiter. Großbritannien und die Europäische Union verhandeln – vorerst ein letztes Mal – über einen Handelspakt. Im Fokus stehen dabei die Punkte Fischerei und Subventionen für britische Unternehmen.

Anleger werden darauf hoffen, dass den Gesprächen auch Vereinbarungen folgen. Die vergangenen acht Verhandlungsrunden haben bislang keine Ergebnisse gebracht. Dabei drängt die Zeit, denn mit dem Jahreswechsel verlassen die Briten den europäischen Binnenmarkt und die Zollunion.

Blick auf die Einzelwerte

Allianz: In den USA sieht sich der Dax-Konzern mit milliardenschweren Klagen konfrontiert: Pensionsfonds hatten mit mehreren Hedgefonds in der Coronakrise drastische Verluste erlitten. Der Kurs fiel bis zum Handelsende um rund ein Prozent.

Hornbach: Die in der Coronazeit entdeckte Liebe zum eigenen Heim hat die Nachfrage nach Produkten aus Baumärkten erhöht. Die Baumarktkette Hornbach legte am Mittag Zahlen fürs erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2020/2021 vor. Demnach erwartet das Management nun ein Umsatzplus zwischen 8 und 15 Prozent sowie ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) zwischen 270 und 330 Millionen Euro, wie die im SDax notierte Hornbach Holding am Dienstag im pfälzischen Bornheim bei Landau mitteilt. An der Börse kamen die Nachrichten gut an: Die Aktien stiegen um 1,6 Prozent auf 99,70 und markierten damit ein Rekordhoch. Der Wert des Papiers hat sich damit seit dem Frühjahr mehr als verdreifacht.

Grenke: Zum ersten Mal nach dem massiven Aktienabsturz in Folge einer Shortseller-Attacke äußert sich CEO Wolfgang Grenke ausführlich zu den Vorwürfen des Spekulanten Fraser Perring. Im Handelsblatt-Interview sagt er: „Ich habe nichts zu verbergen.“ Anleger beruhigte das offenbar wenig: Die Aktie des MDax-Unternehmens schloss zwei Prozent niedriger.

Siemens Energy: Einen Tag nach Abspaltung vom Mutterkonzern und verhaltenem Börsengang legte die Aktie der Energiesparte um 3,7 Prozent zu. Die Kurse des Titels dürften in den ersten Wochen an der Börse deutlich schwanken. Denn viele Anteile landen durch die automatische Einbuchung bei institutionellen Investoren, die sie möglicherweise nicht halten wollen oder dürfen. Indexfonds beispielsweise, die den Dax abbilden, müssen die neue Aktie, die zunächst nicht im Dax notieren wird, abstoßen.

Pro Sieben Sat 1: Die Aktie des Fernsehkonzerns stieg um ein Prozent. Hintergrund ist ein italienischer Medienbericht, wonach der Medienkonzern Vivendi einen Anteil an dem Unternehmen kaufen könnte. „Da Mediaset an Vivendi beteiligt ist, könnte es zu einem für die Aktionäre lukrativen Übernahmekampf kommen, so die Fantasie“, sagte ein Händler. Die Italiener halten direkt und indirekt etwa 24 Prozent an dem deutschen TV-Unternehmen.

Blick auf andere Assetklassen

Öl: Die Ölpreise gaben am Dienstag nach. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 40,55 US-Dollar. Rohöl der Sorte WTI kostete 38,61 Dollar.

Dollar: Die US-Währung gab vor dem TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden nach. Ein Euro notierte mit 1,1714 Dollar 0,4 Prozent fester. You-Na Park-Heger, Devisenanalystin bei der Commerzbank, geht aber nicht davon aus, dass das Duell Schwung in den Markt bringt. Entscheidend für den Dollar sei nicht die Frage, wer die Wahl gewinne, sondern vielmehr, ob „Trump im Falle einer Niederlage das Ergebnis akzeptieren wird oder ob es zu einer längeren Hängepartie kommen wird“.
Mit Agenturmaterial

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