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Dax geht mit Plus ins Wochenende – und trotzt damit Handelsstreit und starkem Euro

Der Handelsstreit zwischen den USA und China spitzt sich zwar zu, doch am Freitag versuchen sich die Anleger weiter an einer Entlastung.


Die Dax-Anleger haben sich am Freitag noch einmal behauptet und den positiven Trend ins Wochenende gerettet. In einem ruhigen Handel führte der Dax über weite Strecken ein leichtes Plus, zwischenzeitlich war er mehrmals ins Minus gerutscht. Am Ende stand ein Plus von 0,3 Prozent auf der Kurstafel, womit der Deutsche Aktienindex auf 21.496 Punkte kam. Der Euro-Stoxx-50 legte 0,2 Prozent zu, die US-Börsen kamen erst mit etwas Verzögerung in Fahrt.

Damit blieb der Frankfurter Handel von Gewinnmitnahmen verschont, gestern hatte das wichtigste Marktbarometer der Bundesrepublik mehr als ein Prozent zulegen können. Generell steht die ausgeklungene Woche im Zeichen der Erholung. In den vergangenen Tagen hatte der Dax genau anderthalb Prozent gutgemacht.

Die vergangenen Wochen liefen alles andere als gut – auf beiden Seiten des Atlantiks. Der von der US-Regierung losgetretene Handelsstreit hat die ewigen Sorgen vor zu schnell anziehenden US-Leitzinsen – erinnert sei an einen schwarzen Februar – als größtes Angstthema abgelöst. Mit jeder neuen Strafzoll-Runde befürchten die Anleger eine Eskalation zum Handelskrieg.

Handelsstreit mit historischen Ausmaßen verunsichert Anleger

Wie ein solche Vergeltungsspirale aussehen kann, zeigt der heutige Tag. Am Freitag traten die vor einigen Wochen beschlossenen US-Strafzölle gegen chinesische Waren inkraft. Das Volumen: 34 Milliarden Dollar, im August sollen weitere 16 Milliarden folgen. Die Antwort aus Peking kam prompt: Man werde Produkte aus Amerika im gleichen Volumen mit Import-Abgaben belegen. Experten warnen vor weiteren Schritten zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten. Die Summen würden ein historisches Ausmaß annehmen.

Aus Furcht vor einem Konjunktureinbruch knicken die Aktienkurse deswegen global ein. Innerhalb zweier Wochen verlor der Dax mehr als 600 Punkte. Der Dow Jones büßte seit seinem letzten Zwischenhoch im Juni über drei Prozent ein.


In China selbst hat der Handelskonflikt die Börsen in Asien kräftig durcheinandergewirbelt. „Man kann das mit einem Boxspiel vergleichen, in dem jetzt die erste Runde eingeläutet wurde“, sagte Investmentstratege Norihiro Fujito vom Brokerhaus Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. US-Präsident Donald Trump werde nicht lockerlassen. Das Barometer der Börse in Shanghai rutschte zunächst um bis zu 1,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren ab, berappelte sich aber wieder und notierte knapp ein Prozent fester. In Tokio schloss der Nikkei 1,1 Prozent fester bei 21.788 Zählern.

US-Jobzahlen holen die Geldpolitik zurück aufs Parkett

Wichtigster Termin des Tages war der monatliche US-Arbeitsmarktbericht. Dieser fiel unerwartet stark aus, wenn auch nicht in allen Belangen: Ganze 213.000 Neueinstellungen konnte die amerikanische Wirtschaft im Juni registrieren – Experten hatten mit 190.000 neuen Jobs außerhalb der Landwirtschaft gerechnet. Der Mai-Wert wurde auf 244.000 nach oben korrigiert.

„Das ist das, was der Markt sehen wollte: mehr Jobs als erwartet bei moderatem Lohnwachstum und die Stellen entstehen da, wo man es haben will“, sagte J.J. Kinahan vom Handelshaus TD Ameritrade. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote hingegen stieg von 3,8 auf 4,0 Prozent. Traditionell finden die Neueinstellungen aber mehr Beachtung als die Quote.

Der Überraschungsfaktor zeigte sich auch auf dem Devisenmarkt, wo der Euro binnen weniger Minuten weiter aufwertete – um bis zu 0,6 Prozent auf 1,1758 Dollar. Obwohl die Zahlen aus Washington besser als prognostiziert ausfielen, setzte sich scheinbar die Lesart durch, dass sie keinen zusätzlichen Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve ausüben. Das dürfte auch am Handelsstreit liegen, der aufgrund seiner Brisanz tendenziell für eine vorsichtigere Notenbank sorgt.

Diese schaut bei ihren Zinsentscheidungen auf den Arbeitsmarkt. Denn anders als die EZB ist sie – auch offiziell – neben Preisniveaustabilität auch der Vollbeschäftigung verpflichtet. Und weil die amerikanische Ökonomie letztere quasi erreicht hat, werden weitere Zinsschritte in der Zukunft folgen. Zwar sind starke Jobzahlen immer auch positive Signale für die Konjunktur, doch überwog in den letzten Monaten bei gut ausgefallenen Reporten die Sorge vor im Anschluss steigenden Zinsen. Die Frage ist kein Ob sondern ein Wann.

Hiesinger-Aus beflügelt Thyssen-Krupp-Papiere

Unter den Einzelwerten sorgte Thyssen-Krupp für Gesprächsstoff. Nach massiver Kritik von Investoren und einer fehlenden geschlossenen Rückendeckung durch den Aufsichtsrat gibt Konzern-Chef Heinrich Hiesinger seinen Posten auf. Auf dem Parkett kam der überraschende Schritt positiv an. Mit Aufschlägen von 2,4 Prozent waren die Papiere der Essener eines der gefragtesten im Dax.

Übertrumpft wurde das Kursplus von der Deutschen Bank. Deren Papiere schossen am Vormittag unvermittelt bis zu sechs Prozent in die Höhe. Durch einen Bericht des Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche kam es zu Spekulationen über einen möglichen Einstieg von JPMorgan oder der chinesischen Bank ICBC bei Deutschlands größter Privatbank. Auch wenn sowohl die Deutschen als auch die Amerikaner deutlich dementierten, blieben die Papiere mit 2,5 Prozent einer der Top-Titel.


Am anderen Ende der Frankfurter Benchmark fanden sich die Papiere von Volkswagen wieder. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass der Wolfsburger Autobauer brisante Dokumente zur Dieselaffäre nicht weiter zurückhalten darf. Von einem Ein-Prozent-Plus fielen die VW-Scheine nach Bekanntgabe des Entscheids ins Ein-Prozent-Minus. Am Ende zeigte die Tafel einen Abschlag von einem halben Prozent. Daimler, Continental und BW gaben zwischen 0,5 und 0,8 Prozent nach.

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