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Davos schaut bang auf Trump, Konjunktur: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Boris Groendahl über eine Konferenz in den Alpen. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages täglich direkt in ihre Mailbox.

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Zukunftssorgen

Der langsam aber sicher anschwellende Fluss von Meldungen mit dem Stichwort “Davos” in der Überschrift zeigt den näherrückenden Beginn des Weltwirtschaftsforums in dem Schweizer Bergdorf. Schon bevor das eigentliche Forum am morgigen Dienstag beginnt, trafen sich am Sonntag Sicherheitsberater um einen möglichen Friedensplan für die Ukraine zu diskutieren. Heute sprach der BlackRock-Vize und frühere Schweizer Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand bereits auf Bloomberg TV über seiner Ansicht nach übertriebene Zinssenkungshoffnungen (weiter unten mehr dazu).

Die Hoffnung auf eine sanfte Landung der Weltwirtschaft nach der globalen geldpolitischen Straffung ist eines der großen Hintergrundthemen des Treffens in Davos und Hildebrands Warnung vor unangebrachtem Optimismus liefert eine ernüchternde Vorlage für die Diskussionen. Ein zweiter Elefant im Raum ist die möglicherweise bevorstehende zweite Amtszeit für Donald Trump im Weißen Haus. Der alte und womöglich neue Präsident steht bekanntlich geradezu für das Anti-Davos-Programm bei Themen wie Klima und Welthandel — und dass er auch was die Unterstützung der Ukraine angeht, eine Kurskorrektur vornehmen könnte, ist eine ernstzunehmende Sorge.

Es gibt also einiges an Gesprächsstoff für die Davos Men und Women in den kommenden Tagen, zu denen neben Dutzenden anderen auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel, Emmanuel Macron, Chinas Premier Li Qiang und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gehören.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Boris Groendahl, Verena Sepp und Elisabeth Behrmann: Übernahmeappetit, Elitentreffen im Schnee, bayrischer Optimismus, keine Rezession, und Gläubigertreffen.

Übernahmeappetit

Auf seinem Expansionskurs brütet Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing derzeit intern über möglichen Übernahmeszenarien. Ein besonderes Augenmerk liege Insidern zufolge auf der Commerzbank und der niederländischen ABN Amro. Bei beiden Bankhäusern sind seit den Rettungsaktionen der Finanzkrise immer noch ihre jeweiligen Regierungen als Aktionäre mit im Boot und sie sind relativ günstig bewertet. Erhebliche Hürden bestünden aber dennoch, so könnten zum Beispiel bei der Commerzbank Abschreibungen von weit über 10 Milliarden Euro ausgelöst werden. Ein Deal mit ABN Amro wäre indessen ein Meilenstein für die europäische Bankenunion. Im Euro Stoxx Bankenindex zeigten sich Commerzbank und ABN heute mit einem Plus von bis zu 2,5% bzw. bis zu 2,8% als stärkste Werte, auch wenn Analysten die Käufe in naher Zukunft für unwahrscheinlich halten — nicht zuletzt weil die regulatorische Bankenunion noch ein Work in Progress bleibt.

Elitentreffen im Schnee

Klaus Schwab und die Berge rufen, und so pilgert die globale Finanz- und Politikelite wieder einmal nach Davos, Daunenjacken inklusive. Ob aus Selbstschutz oder Sorge um das große Ganze: Das WEF hat fake news und Desinformation als das größte unmittelbare Risiko ausgemacht. Bei einem Treffen nationaler Sicherheitsberater, die vor der morgigen Ankunft von Wolodymyr Selenskyj die Unterstützung der Länder des Südens für den 10-Punkte-Friedensplan des Präsidenten stärken wollten, wurden keine klaren Fortschritte erzielt. Nach wie vor sind weder die Ukraine noch Russland — das nicht eingeladen war — zu territorialen Zugeständnissen bereit. China war nicht anwesend. Einen Aufschlag zu den Makro-Themen lieferte Philipp Hildebrand, Vice Chairman des weltgrößten Fondsmanagers Blackrock und ehemaliger SNB-Chef. Der sieht die Zinssenkungserwartungen für die USA als “exzessiv” an. Insbesondere wegen der Dienstleistungsinflation und des Lohndrucks dürften Fed & Co. “nicht so viel Spielraum für Senkungen haben, wie derzeit eingepreist ist”. Gut essen können die termingeplagten Alpinisten natürlich auch.

Keine Rezession

Die deutsche Wirtschaft ist laut einer Destatis-Schnellschätzung letztes Jahr erwartungsgemäß um 0,3% geschrumpft. Zwar schrieb die Wirtschaft im Schlussquartal rote Zahlen, vermied aber eine Rezession, da das Vorquartal heraufrevidiert wurde. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung um magere 0,3% zulegen, 2025 dann um 1,2%, wie aus einer Bloomberg-Umfrage unter 48 Ökonomen hervorgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten 12 Monaten eine Rezession eintritt, liegt bei 73%. Auf eine rasche Ankurbelung der Wirtschaft durch die EZB ist dabei nicht zu hoffen. Eine zu schnelle Rekalibrierung der Geldpolitik könne selbstzerstörerisch sein, sagte Chefvolkswirt Philip Lane in einem Zeitungsinterview. Wichtige Daten stünden erst zur Juni-Sitzung zur Verfügung. Für diese erwarten auch die befragten Volkswirte die erste Senkung im laufenden Jahr, gefolgt von drei weiteren. Kritik an der Notenbank kommt von Ex-Bundesbankpräsident Weidmann, jetzt Commerzbank-Aufsichtsratschef. Gemeinsam mit Chefvolkswirt Jörg Krämer bemängelt er in der Welt, dass die EZB mittels ihrer Bilanzpolitik schwache Banken und hochverschuldete Staaten subventioniere. Sie fordern “die Rückkehr zu einer schlanken Bilanz mit knappen Zentralbankguthaben.“

Bayrischer Optimismus

BMW geht positiver als die Konkurrenz ins neue Jahr, was die Erwartungen an die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen angeht. Hersteller wie VW sehen hier eher eine Durststrecke, während die Münchner gut gefüllte Auftragsbücher diagnostizieren. Bei BMW sollen ab diesem Jahr zumindest die EV-Modelle das Wachstum bringen. Laut Finanzvorstand Walter Mertl hat der Verbrenner im vergangenen Jahr seinen Höhepunkt erreicht. Interessant könnte es für BMW auch in China werden. Dort laufen laut Bloomberg Gespräche über den Verkauf eines 25%-Anteils an seinem Joint Venture BMW Brilliance Automotive, der derzeit noch vom chinesischen Partner Brilliance Auto Group Holdings gehalten wird. Seit 2022 hält BMW 75% des Unternehmens, könnte aber theoretisch auch eine Komplettübernahme tätigen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen und unklar sei auch, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommt. BMW Brilliance will ab 2026 in Shenyang auch Elektrofahrzeuge der “Neuen Klasse” herstellen, wie Bloomberg im Mai berichtete.

Gläubigertreffen

Bei den beiden wichtigsten Immobiliensparten des insolventen Signa-Konglomerats steht heute das erste Treffen der Gläubiger am Handelsgericht Wien auf dem Programm. Entgültige Entscheidungen sind dort erstmal nicht zwingend fällig — ob die Sanierung in Eigenverwaltung wirklich durchgezogen wird, muss erst später entschieden werden. Einstweilen sind die Insolvenzverwalter wohl immer noch damit beschäftigt, die komplexe und verschachtelte Struktur der Firmen nachzuvollziehen, die Gläubiger hingegen dürfen Gesetzestexte aus dem 19. Jahrhundert studieren, die ihnen womöglich einen Stuhl am Verhandlungstisch verwehren. Der Aufsichtsratschef von Signa Prime und Development, der frühere Austro-Kanzler Alfred Gusenbauer, weist unterdessen alle Schuld von sich — die Expansion der Signa in den Handel und die EZB seien der Grund für das Scheitern.Text

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