Deutsche Märkte geschlossen

Coronavirus: Solardächer dürften teurer werden

Die Solarindustrie spürt Lieferverzögerungen aus China wegen des Coronavirus. Kunden müssen mit höheren Preisen für Solarmodule rechnen. Die Branche drängt auf einen Wiederaufbau der Photovoltaik-Industrie in Europa.

Foto: dpa

China hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu stoppen. Die Auswirkungen sind vor allem auf dem globalen Ölmarkt zu spüren. Der Preis für den Rohstoff zuckte zuletzt nervös nach unten und oben.

Betroffen von den Auswirkungen des Coronavirus ist auch die Solarbranche. In China verzögerten sich bereits Photovoltaik-Projekte, vor allem wegen eingeschränkter Transportmöglichkeiten durchs Land. Auch die Modulproduktion sinkt, weil viele chinesische Fabriken für Solar-Produkte geschlossen sind.

Diese Einschränkungen spüren auch deutsche Hersteller. „Natürlich spüren wir als international agierendes Unternehmen die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Warenströme“, sagt Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus aus Dresden. Solarwatt bezöge einige Rohmaterialien und Zubehörteile für Photovoltaik-Module aus China. Das Unternehmen ist einer der wenigen Hersteller, die noch in Deutschland produzieren. Das Unternehmen könne aber bei Engpässen auf andere Zulieferer zurückgreifen. Für die meisten anderen Solar-Unternehmen in Europa gelte das nicht. Die seien, so der Solarwatt-Manager, in ihrer Wertschöpfung stark von China abhängig.

Solarfabriken von chinesischen Lieferanten wie Longi, JA Solar oder Trina sind wegen des Coronavirus geschlossen. Wie lange noch, ist ungewiss. In Europa und auch in Deutschland drohen höhere Preise für Solar-Module, schätzen Experten. „Die Preise für Photovoltaik-Produkte dürften bald steigen, da die Branche beginne, einen Mangel an Wafern und wahrscheinlich auch an Glas zu verspüren“, schreiben die Analysten von Roth Capital in einem aktuellen Marktbericht.

Die meisten deutschen Hersteller beziehen Solarzellen und Solarglas hauptsächlich aus China. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) stammen mehr als 60 Prozent der weltweit verbauten Solarmodule aus China. Trotzdem glaubt Carsten König, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, es sei zu früh, um genau zu sagen, wie sich das Coronavirus auf die globale Solarindustrie auswirken werde. Zumindest in den nächsten sechs Wochen rechnet König nicht mit einem größeren Angebotsmangel, weil die notwendigen Vorprodukte aus China bereits auf dem Weg nach Deutschland seien. Dass sich eine Knappheit an Modulen in höheren Preisen niederschlage, sei allerdings möglich.

Die Solarbranche in Deutschland hofft für dieses Jahr auf einen verstärkten Zubau von Photovoltaik-Anlagen. Schon in 2019 ist der Photovoltaik-Zubau in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um etwa ein Gigawatt gestiegen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte Ende Januar angekündigt, den 52-Gigawatt-Deckel für Solaranlagen zu streichen. Bei Solarwatt in Dresden etwa laufe wegen der hohen Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen die Fertigung auf Hochtouren.

Auch wegen des von der EU-Kommission angekündigten „Green Deal“ herrscht Hoffnung auf einen neuen Boom der Solarindustrie in Europa. Die EU plant einen stärkeren Klimaschutz in Europa. Anfang März will die EU-Kommission dazu eine Industriestrategie veröffentlichen. Forschungsinstitute und Industrieverbände der Solarindustrie in Europa hatten in einem Brief die EU-Kommission aufgefordert, auch eine Industriestrategie für die Photovoltaik in Europa aufzustellen, die die europäische Solarindustrie als strategische Wertschöpfungskette anerkennt. Dabei hofft die Branche auch auf von der EU geförderte Großprojekte für Photovoltaik. Europa sei in der Solartechnologie immer noch technologisch führend, aber um diese Position zu halten und nicht von Importen abhängig zu werden, müsste die Solarzellenproduktion in Europa wiederaufgebaut werden, sagte Andreas Bett, Direktor des Freiburger Forschungsinstituts Fraunhofer ISE. Eine Photovoltaik-Produktion im großen Maßstab sei auch in Europa wettbewerbsfähig und wirtschaftlich möglich.