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Coronavirus: kein "relevantes Risiko" für internationale Messe in Frankfurt

Am Freitag startet die Ambiente, eine Konsumgütermesse mit Ausstellern aus 93 Ländern, in Frankfurt am Main. Zahlreiche Aussteller kommen aus China, sogar aus Wuhan haben sich vier angemeldet. Das zuständige Gesundheitsamt mahnt zur Ruhe.

Die "Ambiente" im vergangenen Jahr: Die Konsumgütermesse zeigt immer Produkte aus den Bereichen "Dining", "Living" und "Giving". Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Petra Welzel

Über 28.000 Menschen sind inzwischen weltweit an dem neuartigen Coronavirus erkrankt. Über 500 sind daran gestorben, bis auf zwei lebten alle in China. Vor einer Woche hat die Weltgesundheitsorganisation deshalb eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Das Ziel: Die Ausbreitung der Krankheit über Ländergrenzen hinweg einzudämmen. Das Auswärtige Amt rät inzwischen von Reisen nach China ab. Die Lufthansa-Gruppe hat deshalb sämtliche Flüge von und nach Peking und Shanghai bis zum 29. Februar gestrichen.

Diese Maßnahmen werfen die Frage auf, wie jetzt mit internationalen Großveranstaltungen umgegangen werden soll? Am Freitag startet in Frankfurt am Main die Konsumgütermesse Ambiente. Von den 4.600 Ausstellern aus aller Welt kommen laut Veranstalter auch 664 aus China. Vier aus Wuhan, einer Millionenstadt im Osten des Landes, die als Herd der Corona-Epidemie gilt. Kann die Sicherheit der Messebesucher gewährleistet werden?

Einschätzung geht „gründliche Prüfung der Situation“ voraus

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gehen im zuständigen Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt seit Tagen Anrufe und E-Mails besorgter Bürgerinnen und Bürger ein. Davon erzählt im Interview ein Sprecher der Behörde, Antoni Walczok. Er sagt: „Wir nehmen die Ängste ernst, aber es macht keinen Sinn, die Messe abzusagen.“ Zu diesem Entschluss sei das Gesundheitsamt nach gründlicher Prüfung der Situation gekommen.

Der Experte ist sich sicher, dass es kein Gefährdungspotenzial durch Aussteller aus der Risikoregion gebe. Sämtliche angemeldete Mitarbeiter aus dem Gebiet seien dem Gesundheitsamt bekannt, sie seien überprüft worden und befänden sich nicht mehr im sogenannten „Ansteckungszeitraum“. Das ist die Zeit, in der das Virus noch ansteckend ist. Dazu komme laut Waczok, dass Menschen aus den Risikogebieten seit knapp zwei Wochen ohnehin nicht mehr ausreisen dürften.

Dennoch arbeitet das Gesundheitsamt und der Medizinische Dienst der Frankfurter Messe eng zusammen. „Wenn der Verdacht einer Infektion vorliegt, werden wir als Gesundheitsamt sofort eingeschaltet“, sagt Walczok. Zudem werde zeitnah eine Telefon-Hotline für Bürger und Bürgerinnen eingerichtet, um Fragen schnell und professionell beantworten zu können.

Walczok möchte die Entscheidung, die Messe durchzuführen, als Signal verstanden wissen: „Wir schätzen das gesundheitliche Risiko für die Bevölkerung aufgrund der Messe als nicht relevant und vertretbar ein“, sagt er.

Corona: überschätzt. Influenza: unterschätzt

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch die Landesärztekammer Hessens. In einer Pressemitteilung vom Donnerstag wird der Präsident Edgar Pinkowski zitiert: „Alarmistischen Falschmeldungen zum Trotz besteht kein Anlass für Panikmache.“ Die Gefahrenlage für Deutschland aufgrund des Corona-Virus sei weiterhin gering und das Gesundheitssystem dank eines funktionierenden Infektionsschutzgesetzes vorbereitet.

Pinkowski relativiert zudem die Gefährlichkeit des Erregers, indem er Corona in Relation zur Grippe (Influeza) setzt: „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Grippesaison, die erst im vorletzten Jahr allein in Deutschland rund 25.000 Menschenleben forderte und im laufenden Jahr noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, ist es weitaus ratsamer, sich gegen die Influenza zu wappnen.“

Mehr Reinigungskräfte im Einsatz

Dennoch hat das Coronavirus auch Einfluss auf die Ambiente. Am Dienstag sagte ein Sprecher der Messe Frankfurt im Gespräch mit der Hessenschau, dass weniger Besucher erwartet würden. Das ergebe sich schon aus den reduzierten Flugverbindungen aus China und dass im vergangenen Jahr sowohl die zweitmeisten Aussteller als auch die zweitgrößte Besuchergruppe, aus China stammte.

Wesentliche Einbußen erwarte der Geschäftsführer der Messe, Detlef Braun, laut FAZ derweil nicht. Selbst wenn nicht alle Aussteller nach Frankfurt reisen würden, könnten die Stände von Dienstleistern oder Mitarbeiter von Niederlassungen aus Europa betrieben werden.

Um Messebesucher zu beruhigen und die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung des Corona-Virus zu verringern, hat das Messe-Unternehmen die Vorsichtsmaßnahmen erhöht. Laut Veranstalter-Homepage wurden Reinigungsmaßnahmen „für stark frequentierte Bereiche wie Eingänge, Türgriffe, Rolltreppenläufe gegenüber dem schon hohen Standard erhöht“. Zudem seien zusätzliche Desinfektionsmittelspender positioniert worden und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Rettungskräfte sichtbar in den Hallen unterwegs.

Wie kann man sich selbst am besten schützen?

Es gelten die gleichen Regeln, wie bei ähnlichen Tröpfcheninfektionen, die durch Viren hervorgerufen werden. Die Uniklinik Freiburg schreibt dazu:

„Hände sind für viele Viruskrankheiten ein Hauptübertragungsweg. Darum sollte man sich bei Verdacht auf eine Infektion häufig die Hände waschen, etwa nach dem Nase- putzen, Augenreiben und nach der Toilette. Auch nach dem Kontakt mit einem Infizierten ist es wichtig, an das Händewaschen zu denken. Kranke sollten darauf achten, nur in die Ellenbeuge zu niesen und bei Durchfallkrankheiten Handtücher nicht zu teilen.“

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