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Corona oder Grippe – was ist gefährlicher? Was wir nach zwei Jahren Pandemie wissen

·Lesedauer: 7 Min.

Wir bewegen uns in Deutschland auf den zweiten Corona-Winter zu. Bislang sind weltweit mehr als 4,5 Millionen Menschen an oder mit dem Virus gestorben. Allein in Deutschland sind es fast 93.000 Menschen. Zugleich beginnt nun auch die Jahreszeit, in der sich Influenzaviren, im Volksmund die Grippe, stark verbreiten. Auch an Grippe sterben weltweit jedes Jahr Zehntausende Menschen. Deshalb werden Grippe und Corona oft miteinander verglichen – von den einen, um zu unterstreichen, wie harmlos Corona wäre, von den anderen dagegen, um die Gefahr des Coronavirus zu unterstreichen. Doch was wissen wir nach fast zwei Jahren Pandemie über die Gefahr, die von beiden Krankheiten ausgeht?

Zunächst haben Grippe und Covid-19 eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten: Beides sind Erkrankungen, die auf Viren zurückzuführen sind. Beide verbreiten sich auf eine ähnliche Weise zwischen Menschen. Beide Erkrankungen lösen bei den allermeisten Menschen gar keine oder nur milde Symptome aus wie Kopf- und Halsschmerzen und Müdigkeit. Laut "Ärzteblatt" verläuft jede dritte Corona-Infektion symptomfrei. Die Symptome können jedoch in beiden Fällen bei gewissen Risikogruppen lebensbedrohlich werden.

Ebenfalls ähnlich: Die Anzahl der Todesfälle. Im Jahr 2020 sind rund 30.000 Menschen an Corona gestorben. Im Jahr 2017/2018 starben nach Angaben des RKI 25.100 an einer Grippeerkrankung. Damals fiel die Grippewelle allerdings besonders verheerend aus. Normalerweise fordert sie weniger Opfer. Doch wenn man die Gefährlichkeit beurteilen will, sollte man nicht nur auf die absoluten Opferzahlen schauen, sondern fragen: Wie hoch ist die Sterblichkeit? Wie viele der insgesamt Infizierten sterben an einer Erkrankung?

Erhebung der tatsächlichen Infektionszahlen und Todesfälle ist für beide Krankheiten schwierig

Die genauste Messzahl dafür ist die sogenannte Infection-Fatality-Rate (IFR). Um diese zu erhalten, wird die Gesamtzahl der Todesfälle in einem Zeitraum durch die Gesamtzahl der Infektionen im selben Zeitraum geteilt. Doch hier beginnt das Problem: Sowohl für Influenza als auch für Corona spiegeln die offiziell gemeldeten Todes- und Infektionszahlen nicht exakt die Wirklichkeit wider.

Auf Influenza wird nicht routinemäßig getestet, sondern in den meisten Fällen nur dann, wenn Patienten mit dem Verdacht auf eine Erkrankung sich bereits in Behandlung befinden. Heißt: Die tatsächliche Zahl der Influenza-Infektionen dürfte viel höher liegen als die durch Labortest bestätigte Zahl. Gleiches gilt für die Sterbefälle, denn die Grippe wird aufgrund der wenig spezifischen Symptome oft nicht als Todesursache erfasst.

Im Fall von Corona wird zwar viel mehr getestet als bei Influenza, doch es gibt immer noch eine Dunkelziffer an Infizierten. Gleichzeitig wird die Zahl der Todesfälle tendenziell überschätzt, da quasi jede Person, die im Krankenhaus liegt, auf Corona getestet wird. Jeder Todesfall, bei dem der oder die Verstorbene positiv auf Corona getestet wurde, gilt als Corona-Todesfall – auch wenn die Todesursache in gar keinem Zusammenhang damit steht.

Die Studien zeigen: Die Letalität von Corona ist aktuell deutlich höher

Im Fall von Corona muss folglich zumindest die Dunkelziffer der Infektionen geschätzt werden. Im Fall der Grippe müssen sowohl die Infektionszahlen, als auch die Todeszahlen durch statistische Modelle geschätzt werden. Für die USA schätzt das Center for Disease Control and Prevention (CDC) die Influenza-IFR in den Jahren 2014 bis 2019 auf 0,1 bis 0,17 Prozent.

Die Schätzungen der IFR für Corona dagegen schwanken deutlich mehr. Das liegt zum einen daran, dass die Datenlage immer noch sehr schlecht ist und zum anderen, dass die Pandemie an verschiedenen Orten ganz verschiedene Auswirkungen hatte. Insbesondere die Altersstruktur und der Zustand des Gesundheitssystems beeinflussen die Sterblichkeit stark. Zwei der am meisten diskutierten Metastudien, die die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen ausgewertet haben, schätzen eine Corona-IFR von 0,68 Prozent bzw. 0,27 Prozent.

Das heißt also: Während ein bis 1,7 Menschen pro 1.000 Grippe-Infizierte der Krankheit erliegen, sind es bei Corona zwischen 2,7 und 68 Tote pro 1.000 Infizierte. Diese Zahlen legen nahe, dass die Sterblichkeit bei einer Corona-Erkrankung deutlich höher ist als die bei einer Grippe-Erkrankung. Im „pessimistischsten“ Fall läge sie 68-mal so hoch, im „optimistischsten“ immerhin noch 1,6 mal so hoch.

Allerdings: Die Sterblichkeit in einer größtenteils geimpften Bevölkerung dürfte drastisch sinken

Doch auch diese Zahlen haben eine Tücke: die Impfrate. Denn in den USA, wo auch die hier diskutierte Influenza-IFR errechnet wurde, sind 69 Prozent der über 65-Jährigen gegen die aktuelle Version der Influenza geimpft. Hierzulande sind es 31 Prozent. Auch bei Grippeerkrankungen sind alte Menschen die größte Risikogruppe. Ohne die hohe Impfquote dieser größten Risikogruppe wäre die zu beobachtende Sterblichkeit bei Influenza wahrscheinlich deutlich höher.

Die beiden Metaanalysen zur Sterblichkeit von Corona dagegen betrachten eine vollständig ungeimpfte Bevölkerung, denn die ausgewerteten Daten stammen alle noch aus dem Jahr 2020, als es noch fast keine Impfung gab. Der Vergleich der IFR von Corona mit der von Grippe ist also einer von Äpfel mit Birnen: die Grippe-Sterblichkeit einer bereits gegen diese Krankheit geimpften Bevölkerung wird mit der einer gegen das Corona-Virus völlig ungeschützten verglichen.

Um die tatsächliche Sterblichkeit von Corona und Grippe vergleichen zu können, müsste diese im Fall von Corona ebenfalls für eine Bevölkerung ermittelt werden, deren Risikogruppen größtenteils oder zumindest teilweise geimpft sind. Exakte Prognosen hierfür sind naturgemäß schwer. Da Impfungen aber die Wahrscheinlichkeit deutlich senken, an Corona zu sterben, dürfte die Letalität von Corona selbst in einer nur teilweise geimpften Bevölkerung deutlich niedriger liegen, als die hier untersuchten Studien nahelegen.

Die Letalität alleine reicht noch nicht aus, um die Gefährlichkeit von Grippe und Corona miteinander zu vergleichen

Doch der simple Vergleich der Letalität in Form der IFR genügt noch nicht, um die Gefahr, die von den zwei Virus-Krankheiten ausgeht, beurteilen zu können. Denn wenn sich insgesamt 100 Leute mit einer Krankheit infizieren und davon eine Person stirbt, ergibt sich eine IFR von 0,01. Dieselbe IFR ergäbe sich allerdings auch bei einer globalen Pandemie, in der sich 100 Millionen Menschen infizieren und eine Million Todesopfer zu beklagen wären.

Die IFR reicht also als vergleichende Kategorie nicht aus. Entscheidend ist, wie schnell sich die zwei verglichenen Krankheiten ausbreiten. Diese Ausbreitungsgeschwindigkeit wissenschaftlich genau zu bestimmen, ist noch viel komplizierter. Denn eine ganze Reihe von Eindämmungsmaßnahmen und äußeren Faktoren verzerrt die „natürliche“ Verbreitungsgeschwindigkeit.

Doch genau hierin liegt der entscheidende Unterschied zwischen Corona und der Grippe als Infektionskrankheiten: Gegen die Influenza werden außer den alljährlichen Impfkampagnen fast keine Maßnahmen ergriffen. Auch wenn Influenza-Wellen manchmal und an manchen Ort sehr viel schlimmer ausfallen können als an anderen, entwickelt sich eine ungebremste Influenza-Welle nicht jedes Jahr zu einer globalen Pandemie. Das Corona-Virus verbreitet sich dagegen seit zwei Jahren trotz der einschneidenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung weltweit.

Zukünftige Mutationen könnten die Gefahrenpotentiale verschieben

Die Influenza-Saison ist dagegen schon in 2019/2020 deutlich schwächer ausgefallen als in den Vorjahren. Eine Grippe-Welle in der Saison 2020/2021 ist fast vollständig ausgeblieben. In Deutschland gab es Oktober 2020 bis heute nur 564 bestätigte Grippeinfektionen, im selben Zeitraum im Vorjahr waren des dagegen noch 186.919. Die Erklärung der Wissenschaft dafür lautet: Die Ausbreitung der Influenza ist als Nebeneffekt der Corona-Maßnahmen quasi zum Erliegen gekommen.

Daraus lässt sich der Rückschluss ziehen, dass Corona deutlich infektiöser ist, sich also viel schneller und einfacher verbreitet als die aktuell zirkulierenden Influenza-Viren. Ohne die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gäbe es höchstwahrscheinlich noch deutlich mehr Corona-Todesopfer. Selbst wenn also die Letalität beider Krankheiten nicht sehr weit auseinander liegen sollte, wäre Corona aus epidemiologischer Sicht immer noch weitaus gefährlicher als die Grippe.

Aber auch die Infektiösität von Influenza kann durch die alljährlich stattfindenden Mutationen zunehmen. Dadurch könnte sie sogar zu einer größeren epidemiologischen Bedrohung entwickeln. Das dramatischste Beispiel für dieses Szenario ist die „Spanische Grippe“, die Anfang des 20. Jahrhunderts 20 bis 50 Millionen Todesopfer weltweit forderte.

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