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Wie Corona die deutschen Winterurlaubs-Pläne infiziert

·Lesedauer: 5 Min.

Vorarlberg und Tirol sind jüngst zu Corona-Risikogebieten erklärt worden. Dabei sind Deutsche für den Wintertourismus Österreichs unverzichtbar.

Die Bar im Tiroler Ferienort Ischgl wurde zum Symbol der Pandemie. Foto: dpa
Die Bar im Tiroler Ferienort Ischgl wurde zum Symbol der Pandemie. Foto: dpa

Bergbewohnern sagt man eine gewisse Gelassenheit nach. Die wird mancher österreichische Hotelier nun auch brauchen. Denn kürzlich hat Deutschland die Bundesländer Vorarlberg und Tirol zu Corona-Risikogebieten erklärt. Drei Monate vor den Weihnachtsferien dürfte diese Einstufung hunderttausende von Urlaubsplänen beeinflussen. „Aber das wird schon werden“, sagt der Vorarlberger Hotelier Oswald Jäger zur Hiobsbotschaft für seinen mit Abstand wichtigsten Markt.

Andere sind skeptischer: Die Reisewarnung sei eine Katastrophe für den ganzen alpinen Tourismus, warnt Top-Gastronom Christian Harisch, der allein rund um Kitzbühel elf Betriebe steuert wie das „Weiße Rössl“. Obwohl die Leute ja kaum so schnell wieder in ferne Länder fliegen dürften, prophezeit Harisch einen sehr schwierigen Winter mit einem Minus von mindestens 20 bis 30 Prozent. Dabei gebe es aktuell etwa in Kitzbühel nur wenige Infektionen, was bei der generellen Reisewarnung nicht berücksichtigt worden sei.

Hotelier Jäger hofft, dass die gemeldeten Ansteckungen in Österreich bald wieder so weit sinken werden, dass Deutschland seine Risikobewertung revidieren wird. „Wir planen wie im Vorjahr, etwa beim Personal“, sagt Jäger. Allerdings ist er den Gästen bei der Stornierungsfrist entgegengekommen. Üblicherweise beträgt sie in Österreich drei Monate, nun hat sie Jäger wie andere Hoteliers auf 30 Tage verkürzt. Das soll eine Stornierungswelle verhindern.

Sollte die Wintersaison ausfallen, wäre das nicht nur die Urlauber selbst fatal, sondern für die in den Alpen gelegenen Bundesländer Österreichs eine wirtschaftliche Katastrophe. In Tirol beispielsweise wird nach Angaben des Bundeslands jeder dritte Euro mit Tourismus- und Freizeitdienstleistungen erwirtschaftet – und der Anteil der deutschen Gäste daran ist beträchtlich: Rund 51 Prozent der Übernachtungen wurden im Winterhalbjahr 2018/19 von Deutschen gebucht. Der zweitwichtigste Quellmarkt, die Niederlande, bringt es lediglich auf einen Anteil von 13 Prozent.

Noch zehren die Hoteliers in den Bergen von der Sommersaison, die nicht so schlecht ausfiel, wie von vielen befürchtet: In Tirol sank die Zahl der Übernachtungen im August im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent, in Vorarlberg nur um 0,5 Prozent.

Einzelne Orte und Hotelbetriebe, denen es in den vergangenen Jahren gelungen war, eine Stammkundschaft aufzubauen, verzeichneten gar einen Zuwachs. Viele deutsche Gäste haben den österreichischen Ferienorten trotz Pandemie die Treue gehalten. Hinzu kam, dass mehr Österreicher als sonst ihren Urlaub in der Heimat verbrachten.

Kurz: „Skivergnügen ohne Après-Ski“

Katastrophal ist dagegen die Entwicklung in der Hauptstadt Wien: Um über 70 Prozent sank die Zahl der Übernachtungen im August. Viele Hotels sind zu, andere führen den Betrieb zwar fort, haben aber Mitarbeiter entlassen. Im ersten Bezirk der Stadt drängen sich sonst die Touristen; nun wirken viele Restaurants selbst am Samstagabend wie ausgestorben.

Für Österreichs Regierung ist das ein Warnsignal. Ähnliches darf sich im Winter in den Alpenregionen nicht wiederholen. Mit den Reisewarnungen Deutschlands und anderer Länder sei „eine bedrohliche Situation“ entstanden, sagt Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Vor Kurzem haben sich deshalb die Bundesländer und die Regierung auf Maßnahmen geeinigt, die dazu beitragen sollen, dass sich Touristen in Österreich sicher fühlen.

Halligalli wie früher wird es in der kommenden Wintersaison aber nicht geben: „Skivergnügen ja, aber ohne Après-Ski“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz vor wenigen Tagen. Gäste werden sitzen müssen, wenn sie in Bars und Restaurants etwas trinken oder essen – unabhängig davon, ob sie das draußen oder drinnen tun.

In den Bergbahnen müssen die Wintersportler einen Mund-und-Nasen-Schutz tragen so wie im öffentlichen Verkehr. Beim Anstehen an den Liftanlagen werden die Gäste angehalten sein, einen Abstand von einem Meter zueinander zu halten. Und Skischulklassen sollen höchstens zehn Personen umfassen und dürfen sich nicht mischen.

Damit sollen sich auch Vorgänge wie im März 2020 nicht wiederholen, als die Bar „Kitzloch“ im Tiroler Ferienort Ischgl zum Symbol der Pandemie geworden ist. Hunderte hatten sich angesteckt, teils beim Après-Ski, teils bei der schlecht organisierten und überstürzten Abreise.

Die dramatischen Ereignisse des Frühjahrs wirken in Österreich nach. Kritiker befürchten, dass die Maßnahmen der Regierung nicht genügen werden, um feierfreudige Gäste im Zaum zu halten. Sie hätten es gerne gesehen, wenn es auch beim Alkoholausschank oder den Öffnungszeiten von Bars Beschränkungen gegeben hätte.

Hotelier Jäger verweist dagegen auf den Sommer: Die Hotels und Bergbahnen hätten bewiesen, dass sie imstande seien, einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Wintersaison ist für viele Hotels überlebenswichtig

Trotzdem steht den Hoteliers eine anspruchsvolle Wintersaison bevor. „Die Lage ist rechtlich und finanziell komplex“, sagt Gerold Schneider, der in Lech am Arlberg ein Luxushotel betreibt. Wie Jäger empfängt er mehrheitlich Stammgäste, und mit diesen will er einvernehmlich umgehen.

Aber was passiert, wenn jemand seine Ferien absagt, weil er sich wegen der Pandemie plötzlich nicht mehr nach Österreich traut? „Wir werden die Kosten nur tragen, falls wir unsere Dienstleistung nicht erbringen können“, sagt Schneider. Falls Gäste dagegen die Ferien stornieren, obwohl man ohne Einschränkungen nach Österreich reisen kann, stehen sie selbst im Risiko.

Für Österreichs Alpenhotels ist die Wintersaison schlicht zu wichtig, als dass sie den Gästen in jedem Fall entgegenkommen könnten. Viele Betriebe erzielen bis zu 80 Prozent des Jahresumsatzes in der kalten Jahreszeit, manche Betriebe haben gar nur im Winter geöffnet.

Von der teilweise üppigen Ausstattung der Hotels sollte man sich dabei nicht täuschen lassen. Die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe ist alles andere als rosig. „Die reine Übernachtungsstatistik Österreichs sieht zwar gut aus“, sagt Oliver Fritz, Ökonom beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung Wifo. „Weniger gut ist es aber um die Rentabilität vieler Betriebe bestellt.“

Die Investitionszyklen sind in der Hotellerie kurz, beispielsweise müssen die Zimmer regelmäßig renoviert werden, um die Gäste zufriedenzustellen. Gleichzeitig haben sich die Hotels beim Bau von Wellness-Anlagen und teuren Tiefgaragen ein kostspieliges Wettrüsten geliefert. Diese Investitionen müssen amortisiert werden.

Viele Hotels haben deshalb in den vergangenen Jahren wiederholt die Preise erhöht. Erstaunlicherweise habe dies, so sagt der Ökonom Fritz, die Nachfrage nicht gedämpft. Aber nun ist eine völlig neue Situation entstanden. Die Einnahmen sind wegen der Pandemie gefährdet. „Falls das Wintergeschäft ausfällt, werden Hotelimmobilien auf den Markt kommen“, befürchtet Hotelier Jäger.

Vorgänge wie im März 2020 sollen sich in Österreichs Touristenorten nicht wiederholen. Foto: dpa
Vorgänge wie im März 2020 sollen sich in Österreichs Touristenorten nicht wiederholen. Foto: dpa