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Chefvolkswirte erwarten noch zwei Zinserhöhungen der EZB – und dann eine lange Hochzinsphase bis 2024

Die deutschen Banken erwarten, dass die Europäische Zentralbank mit Präsidentin Christine Lagarde die Leitzinsen in der Euro-Zone noch zweimal erhöht.  - Copyright: Picture Allinance
Die deutschen Banken erwarten, dass die Europäische Zentralbank mit Präsidentin Christine Lagarde die Leitzinsen in der Euro-Zone noch zweimal erhöht. - Copyright: Picture Allinance

Die Turbulenzen im Bankensektor haben nach Einschätzung der deutschen Banken Auswirkungen auf die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) über ihre Leitzinsen. Die Krise verschärfe von sich aus die Bedingungen für die Kreditvergabe durch die Banken. Die EZB werde daher ihre Leitzinsen nicht so stark erhöhen müssen, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, am Mittwoch in Berlin.

Die Banken-Ökonomen erwarten nun, dass die EZB ihre Leitzinsen bei ihren nächsten Sitzungen im Mai und im Juni noch zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte anhebt. Der Zinssatz, zu dem Banken sich Geld bei der EZB leihen können, stiege damit von aktuell 3,5 auf 4,0 Prozent. Der Einlagenzinssatz, zu dem Banken Geld bei der EZB anlegen können, stieg von aktuell 3,0 auf 3,5 Prozent.

Der Bankenverband stellte in Berlin am Mittwoch seine Prognose für das Jahr 2023 vor. Ihr legen die Einschätzungen von 15 Chefvolkswirten privater Banken in Deutschland zugrunde. Sie erwarten, dass der Zinsgipfel aufgrund der Turbulenzen im Bankensektor um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfällt als bisher erwartet. Anschließend aber würden die Zinsen auch länger hoch bleiben als bisher erwartet.

Die EZB hat die Leitzinsen für die Euro-Zone erneut angehoben. Das hat viele Folgen.
Die EZB hat die Leitzinsen für die Euro-Zone erneut angehoben. Das hat viele Folgen.

Den ersten Effekt begründete Schmieding mit einer Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. Er befürchte zwar keine „Kreditklemme“, bei der Banken keine Kredite mehr für ihre Investitionen bekämen. „Wenn aber der Markt die Finanzierungsbedingungen verschärft, dann müssen die Zentralbanken das nicht“, sagte der Ökonom.

Bankenkrise hilft der EZB bei den Leitzinsen

Ähnlich hatte bereits der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, argumentiert. Die Krise mehrerer regionaler Banken in den USA führe dazu, dass die Banken insgesamt vorsichtiger bei der Kreditvergabe würden. Dies ersetze praktisch den Effekt von einer oder sogar zwei Zinserhöhungen durch die Fed. Die Erhöhung der Leitzinsen habe genau das Ziel, über teurere Kredite die Nachfrage in der Wirtschaft und damit die Preise zu dämpfen.

Dass sie anschließend eine längere Zinspause der EZB bis ins nächste Jahr erwarten, begründen die Bank-Volkswirte mit der hartnäckigen Inflation. Sie erwarten, dass die allgemeine Inflationsrate bis ins kommende Jahr zwar Richtung 2,5 Prozent fällt. Die Kerninflation – ohne die Preise für Energie und Nahrungsmittel – werde aber zunächst höher bleiben. Ein Grund dafür sei der absehbar höhere Lohndruck aufgrund des Fachkräftemangels in einem robusten Arbeitsmarkt. Die EZB werde daher abwarten, bis sich auch die Kerninflation wieder Richtung des Zieles von zwei Prozent bewegen, bevor sie die Zinsen wieder senken werde.