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Nah und stark als Team – Wie der neue CEO bei Henkel den Kulturwandel vorantreiben will

Seit Anfang 2020 amtiert der neue Chef von Henkel. Auf der virtuellen Hauptversammlung zeigte er sich entschlossen, alte Strukturen aufzubrechen.

Als Carsten Knobel zu seinem Herzensthema kommt, verlässt er seinen Platz hinter dem Rednerpult. Er tritt zur Seite, die Kamera zeigt den Vorstandsvorsitzenden des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel bei der virtuellen Hauptversammlung am Mittwoch in voller Größe. Er wolle einen Kulturwandel im Unternehmen vorantreiben, hin zu einer Kultur der Zusammenarbeit, sagt Knobel mit ernster Stimme.

Es gebe neue Führungsgrundsätze, der Gestaltungsspielraum der Mitarbeiter solle größer werden. Immer wieder lässt der 51-Jährige Vokabeln wie gemeinsam, Team und Stolz fallen. Das Signal ist klar: Es geht ums Wir. Knobel, seit Anfang 2020 Vorstandsvorsitzender von Henkel, will einiges ändern in dem Konzern, der etwa 52.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Ein Signal, das der Dax-Konzern aus Düsseldorf benötigt. Sein Vorgänger, Hans Van Bylen, verließ Ende 2019 das Unternehmen. Glücklos, wie einige Beobachter sagen. 35 Jahre hatte Van Bylen dort gearbeitet, seit 2016 als CEO, dann sollte er gehen. Unter seiner Ägide ging der Aktienkurs kräftig nach unten: Er sank binnen zwei Jahren um ein Drittel. Heute liegt er bei knapp 85 Euro.

Nun ist es also Knobel, auf den die Familie Henkel setzt. Er soll an die glorreichen Zeiten seines Vorvorgängers Kasper Rorsted anknüpfen. Dieser hatte einst Kunden wie Analysten gleichermaßen begeistert.

Sie sei überzeugt, mit Knobel einen ausgezeichneten Nachfolger gefunden zu haben, sagte Simone Bagel-Trah, Aufsichtsratsvorsitzende und Vorsitzende des Gesellschafterausschusses des Konzerns, zur Eröffnung der Hauptversammlung. Bagel-Trah und der Rest der Familie Henkel kontrollieren das Unternehmen mit rund 61 Prozent.

Neue Diskussionskultur bei Henkel

Knobel werde das Unternehmen „nachhaltig erfolgreich“ weiterentwickeln, sagte die 51-Jährige weiter. Eine große Aufgabe für den neuen Vorstandsvorsitzenden, der seit 25 Jahren bei Henkel arbeitet, zuletzt acht Jahre als CFO des Familienunternehmens.

Auf diesen Posten hatte ihn einst sein Vorvorgänger Rorsted gehievt. Die beste Beförderung, die er bei Henkel je gemacht habe, so wird der Däne Rorsted zitiert. Doch Knobel zeigte sich am Mittwoch auch kritisch. Diskussionen im Konzern seien in der Vergangenheit zu oft auf ein reines „Weiter so“ reduziert worden, sagte er. „Das will ich ändern.“

Der Manager will einen Wandel in der Unternehmenskultur herbeiführen und sich dabei nahbar geben. Aber er will auch die Analysten und Investoren überzeugen und dafür Stärke demonstrieren. Nah und stark – so will Knobel sein.

Die Voraussetzungen sind gut. Der Familienvater – seine Kinder sind im Teenageralter – gilt als effizient und strukturiert. Gleich zwei Studienabschlüsse hat er gemacht, einen in BWL und einen in technischer Chemie, und das Ganze in weniger als neun Semestern.

Trotz Corona keine Stellenstreichungen

Sein erster regulärer Job führte ihn nach Düsseldorf zu Henkel. Dort wurde das Management früh auf ihn aufmerksam. Ulrich Lehner, bis 2008 CEO von Henkel, gilt als einer seiner Unterstützer. Auf der Hauptversammlung machte Knobel klar, wohin die Reise mit ihm an der Spitze des Konzerns gehen soll.

Zunächst muss er allerdings mit den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise kämpfen. Diese würden auch das zweite Quartal belasten, räumte er ein. Kurzarbeit hatte es im ersten Quartal bei dem Konzern, der einen Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro erzielt, nicht gegeben. Knobel: „Wir wollen wegen der Coronakrise auch keine Stellen streichen. Dafür sehen wir aktuell keinen Anlass.“

Aktionärsvertreter machten indes Druck auf den neuen Henkel-Chef. „Das neue Management muss zeigen, dass es verloren gegangenen Boden wieder gutmachen kann“, erklärte Deka-Vertreter Ingo Speich. Ähnlich äußerte sich Jella Benner-Heinacher von der Aktionärsvereinigung DSW: Knobel müsse verlorenes Vertrauen der Investoren zurückgewinnen.

Knobel umriss auf der Hauptversammlung die neue Strategie, mit der er den Hersteller von Marken wie Persil, Pritt und Schwarzkopf stärken will. So soll das Port‧folio im Konsumentenbereich verkleinert werden, indem Geschäfte im Wert von 500 Millionen Euro Umsatz verkauft werden.

Zudem sollen die Themen Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung eine größere Rolle spielen als bisher. Henkel will die Geschäftsprozesse verschlanken. Und – das wiederum steht zuallererst: Die Mitarbeiter sollen stärker eingebunden und motiviert werden.

Mehr: Bilanzcheck – der Druck auf die Rendite von Henkel steigt.